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WHO-Expertin zu Affenpocken: „Wir haben ein gutes Zeitfenster, die Übertragung nun zu stoppen“

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Von: Momir Takac

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Die bestätigten Fälle von Affenpocken steigen. In Europa sind vor allem drei Länder betroffen. Ein Pharmakonzern entwickelt nun PCR-Tests - der News-Ticker.

Update vom 01. Juni, 22.15 Uhr: Die WHO warnt ausdrücklich vor einer Ausbreitung der Affenpocken bei Festivals und Feiern. An diesem Wochenende steht in Deutschland „Rock am Ring“ an - samt neuem Besucherrekord.

Nach Fällen in Deutschland: Affenpocken werden nun auch in Lateinamerika nachgewiesen

Update vom 27. Mai, 18.28 Uhr: Die Affenpocken sind nun auch in Lateinamerika nachgewiesen. Bei einem Mann in Argentinien sei das Virus bestätigt worden, teilte das Gesundheitsministerium des südamerikanischen Landes am Freitag mit. Der Mann aus dem Großraum Buenos Aires war Anfang Mai in Spanien und entwickelte nach seiner Rückkehr nach Argentinien Symptome wie Fieber und Hautbläschen an verschieden Körperstellen. Nach einer Untersuchung in einem Krankenhaus kam er in Quarantäne.

Der Mann hat die erste nachgewiesene Infektion mit Affenpocken in Lateinamerika. Zudem gibt es einen neuen Verdachtsfall bei einer Person aus Spanien, die derzeit in Argentinien zu Besuch ist. Ein weiterer Verdachtsfall wurde aus Bolivien gemeldet. Die Proben des Patienten wurden ebenfalls zur Untersuchung in ein Labor in Argentinien geschickt.

Update vom 27. Mai, 17.15 Uhr: Von Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es zur Ruhe mahnende Worte: „Das ist keine Krankheit, die die Öffentlichkeit besorgt machen sollte. Es handelt sich nicht um Covid“, meinte Sylvie Briand, Expertin der WHO am Freitag (27. Mai) in Genf bei einem Briefing für WHO-Mitgliedsländer. Maßnahmen seien zwar angezeigt, Alarmstimmung aber kontraproduktiv. Mit Stand Freitag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) für Deutschland 16 Affenpocken-Fälle aus sechs Bundesländern.

Die wichtigsten Maßnahmen seien Briand zufolge eine rasche Erfassung der Erkrankten und Isolation der Betroffenen. Die WHO geht von meist milden Verläufen aus. Ein gewisses Risiko für schwere Verläufe bestehe bei Schwangeren, Kindern und Menschen mit schwachem Immunsystem. Insgesamt zeigte sich die WHO-Expertin positiv: „Wir haben ein gutes Zeitfenster, die Übertragung nun zu stoppen“, so Briand.

Affenpocken: nicht nur sexuell übertragbar, sondern auch durch (intensiveren) Hautkontakt

Update vom 27. Mai, 13.04 Uhr: Wird die Stiko generell eine Impfung gegen Affenpocken empfehlen? Der Epidemiologe Gérard Krause glaubt das nicht, sondern dass es hierzulande eine „Einzelfallentscheidung“ bleiben wird - „soweit derzeit absehbar“, sagte er bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers (SMC).

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner führte bei dem Briefing aus, dass das Virus zuletzt auch in Sperma nachgewiesen werden konnte. „Wir haben es letztendlich auch mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung zu tun.“ Der Mediziner Roman Wölfel äußerte sich ähnlich. In den meisten Fällen sei der Erreger aber durch engen Körperkontakt übertragen worden, betonten die Experten.

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht ebenfalls von diesem Übertragungsweg aus, unterstreicht dabei aber, das Ansteckungsrisiko sei nicht auf sexuell aktive Menschen beschränkt. Die Gesundheitsbehörden schätzen es für die breitere Bevölkerung aber als gering ein.

Symbolbild Pockenimpfung: Narbe des Einstichs an einem Oberarm.
Eine zugelassene Impfung speziell gegen Affenpocken gibt es nicht (Symbolbild). © Bernd Weißbrod/dpa

Zweiter Affenpocken-Fall in Baden-Württemberg

Update vom 27. Mai, 10.45 Uhr: In Baden-Württemberg gibt es einen zweiten Affenpocken-Fall, und zwar bei einer bereits bekannte Kontaktperson. Sie war bei der Reise des Affenpocken-Patienten aus dem Bundesland dabei und befindet sich in Isolation. Das teilte ein Gesundheitsministeriums in Stuttgart mit.

Ein Reiserückkehrer aus Spanien wird seit vergangenem Sonntag im Uniklinikum Freiburg behandelt. Er hatte zunächst Fieber, Husten und wies typische Hautveränderungen auf. Das Uniklinikum wollte in den Folgetagen den Infektionsfall auf die Variante des Affenpocken-Virus untersuchen.

Affenpocken: Afrikanische Behörde warnt vor Hortung von Pocken-Impfstoff

Update vom 26. Mai, 16.24 Uhr: Die Afrikanische Gesundheitsbehörde für Ansteckende Krankheiten (CDC) hat angesichts der Ausbreitung von Affenpocken-Fällen in Europa und Nordamerika vor einer Hortung von Impfstoffen in den westlichen Staaten gewarnt. Ahmed Ogwell, stellvertretender CDC-Direktor, appellierte am Donnerstag, Lehren aus der Anfangszeit der Corona-Pandemie zu ziehen.

Derzeit verfügten die Gesundheitsbehörden in den afrikanischen Ländern, in denen die Krankheit endemisch ist, über nur wenig Impfstoff. Daher würden vor allem die Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes „an der Front“ der Krankheitsbekämpfung geimpft. „Wir hoffen, dass Impfstoff vor allem dort verfügbar ist, wo das Risiko am höchsten ist - nicht dort, wo man besonders viel für ihn bezahlen kann.“

Die Krankheit ist in Ländern wie Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und Nigeria endemisch. Die afrikanischen Gesundheitsexperten wüssten daher, wie mit Affenpocken umzugehen sei und seien bereit, ihr Wissen zu teilen, so Ogwell weiter. „Wir sind in engem Kontakt mit unseren Partnerbehörden in Europa und den USA.“

Affenpocken: „Panikmache“ und Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen problematisch

Update vom 26. Mai, 10.13 Uhr: Die Affenpocken-Fälle in nicht-afrikanischen Ländern mehren sich. Wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) angab, sind bislang zumeist Männer betroffen, die nach eigener Auskunft vorher Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hatten. In diesem Zusammenhang befürchtet der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, eine Vorverurteilung homo- und bisexueller Männer.

„Panikmache und Stigmatisierung müssen unbedingt vermieden werden“, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Lehmann sagte weiter, dass sich viele schwule Männer derzeit an den Beginn der Aids-Krise erinnert fühlen. Damals wurde „die Infektion ausschließlich schwulen Männern zugeschrieben“, so der Queer-Beauftragte der Regierung. „Das hat in der Folge dazu geführt, dass schwule Männer stigmatisiert und andere Gruppen wenig geschützt wurden.“

Lehmann ist überzeugt, dass dieses Vorgehen „zig Menschenleben gekostet“ und der Prävention geschadet habe. Zudem forderte er vom Robert Koch-Institut (RKI) und dem Bundesgesundheitsministerium, dass diese „ihre Kommunikation dahingehend sensibler gestalten“ müssten.

Affenpocken breiten sich aus: 19 Länder betroffen, insgesamt mehr als 200 Fälle registriert

Update vom 26. Mai, 7.00 Uhr: EU-Gesundheitsbehörden zufolge sind mittlerweile mehr als 200 Fälle von Affenpocken außerhalb Afrikas bestätigt worden. Insgesamt 19 Länder, in denen die Krankheit normalerweise nicht vorkommt, hätten mindestens einen Fall bestätigt, erklärte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am Mittwochabend.

„Die meisten Fälle sind junge Männer, die sich selbst als Männer identifizieren, die Sex mit Männern haben. Es gab keine Todesfälle“, fügte die europäische Agentur mit Sitz in Stockholm hinzu.

Affenpocken: Großteil der Fälle in drei europäischen Ländern

Außerhalb der elf afrikanischen Länder, in denen diese seltene Krankheit endemisch ist, konzentrieren sich die meisten bestätigten Fälle derzeit auf drei Länder: Großbritannien (71 Fälle), Spanien (51) und Portugal (37). In Europa wurden insgesamt 191 Fälle bestätigt, dazu kommen 15 in Kanada, neun in den USA, zwei in Australien, einer je in Israel sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Verdachtsfälle wurden in der Bilanz nicht mitgezählt.

Am Montag hatte das ECDC in seiner ersten Risikobewertung die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung in der Allgemeinbevölkerung als „sehr gering“, bei Personen mit mehreren Sexualpartnern jedoch als „hoch“ eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich optimistisch gezeigt, die Ausbreitung der Krankheit stoppen zu können.

Bei Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken. Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und entwickelt sich schnell zu einem Hautausschlag mit Krustenbildung.

Affenpocken: Pharmakonzern entwickelt PCR-Tests zur Erkennung

Update vom 25. Mai, 20.35 Uhr: Im aktuellen Infektionsgeschehen rund um die Affenpocken hat der Pharmakonzern Roche nun PCR-Tests zur Erkennung des in zahlreichen Ländern festgestellten Virus entwickelt. Gemeinsam mit der Tochtergesellschaft TIB Molbiol seien drei verschiedene Lightmix-Modular-Testkits geschaffen worden, teilte Roche am Mittwochabend in Basel mit.

Das Affenpockenvirus hat sich zuletzt nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent ausgebreitet, sondern wurde etwa auch in europäischen Ländern nachgewiesen. Die neuen Testkits von Roche sollen dabei helfen, die weitere Ausbreitung des Virus zu beobachten sowie die Wirkung von Therapien, Impfstoffen und Maßnahmen zu überwachen. In den vergangenen Tagen wurden mehrere Fälle von Affenpocken mittels PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion) in speziellen Labors nachgewiesen. Mit Testkits ist das Virus einfacher nachzuweisen

Affenpocken: Hersteller des Impfstoffes rechnet nicht mit einem Mangel des Vakzins

Update vom 25. Mai, 15.45 Uhr: Dem Hersteller des Affenpocken-Impfstoffs Imvanex zufolge ist bei dem aktuellen Ausbruch nicht mit einem Mangel des Vakzins zu rechnen. „Wir glauben, dass wir die weltweite Nachfrage bedienen können ohne weitere Investitionen in unsere Produktionsanlagen“, sagte Sprecher des Unternehmens Bavarian Nordic, Rolf Sass Sørensen, am Mittwoch im Gespräch mit der dpa. Bavarian Nordic hat seinen Hauptsitz in Dänemark, wo auch die Produktion stattfindet. Entwickelt wurde der Vektorimpfstoff aber in der deutschen Niederlassung in Martinsried bei München.

Das Unternehmen verfügt über die einzige Zulassung für ein Vakzin gegen die Affenpocken weltweit. Möglich sei derzeit die Produktion von 30 Millionen Dosen jährlich, sagte Sørensen.

Die Zulassung für Affenpocken beschränkt sich jedoch auf die USA, wo der Impfstoff unter dem Namen Jynneos bekannt ist, und Kanada. Eine Zulassung in der Europäischen Union sei in Planung, sagte Sørensen. In Europa ist der Impfstoff bisher nur für die als ausgestorben geltenden Pocken beim Menschen zugelassen. Beispielsweise in Großbritannien werde das Vakzin aber auch „Off-Label“, also ohne entsprechende Zulassung eingesetzt, so Sørensen weiter.

Welche Mengen des Impfstoffs genau an welche Länder verkauft werden, wollte der Sprecher nicht verraten. Er betonte jedoch, das Unternehmen erhalte derzeit Anfragen „aus vielen, vielen Ländern“ und es sei wahrscheinlich, dass aus allen von dem aktuellen Ausbruch betroffenen Ländern entsprechende Anfragen eingingen. Deutschland hat nach Angaben von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) „bis zu 40 000 Dosen“ Pockenimpfstoff bestellt.

Affenpocken: Bund will bis 40.000 Dosen eines Impfstoffes besorgen

Update vom 25. Mai, 14.21 Uhr: Der Bund beschafft angesichts der steigenden Fälle von Affenpocken bis zu 40.000 Dosen eines Impfstoffs. Die Menge bereitet dem Präsidenten der Gesellschaft für Virologie allerdings Sorgen. Sie könnte knapp bemessen sein, befürchtet Ralf Bartenschlager vom Universitätsklinikum Heidelberg.

„Dennoch ist das ein guter Anfang, insbesondere für Impfungen im Bereich bekannter Infektionscluster, wodurch man das Ausbruchsgeschehen wahrscheinlich deutlich eingrenzen kann“, sagte Bartenschlager der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wissen nicht, wie sich der Ausbruch weiter entwickelt. Deshalb sollte man zügig mit diesen Impfungen beginnen. Bei weiterer Verbreitung des Erregers wird das Eindämmen sonst immer schwieriger.“

Affenpocken: Zehn weitere Fälle in Kanada festgestellt

Update vom 25. Mai, 13.36 Uhr: In Kanada sind am Dienstag zehn weitere Affenpocken-Fälle festgestellt worden. Damit stieg die Gesamtzahl der bestätigten Infektionsfälle in der Provinz Québec auf 15, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. „Wir erwarten, dass in den kommenden Tagen weitere Fälle bestätigt werden“, sagte Kanadas Gesundheitsminister Jean-Yves Duclos. Seinen Angaben zufolge werden in Laboren derzeit noch weitere Proben untersucht.

Stiko-Chef Mertens: Schutzimpfungen gegen Affenpocken vor allem für Risikogruppe sinnvoll

Erstmeldung vom 25. Mai 2022:

Berlin/München - In Deutschland steigen täglich die Fälle von Affenpocken. Die Sorge wächst, dass sich die seltene Viruserkrankung ähnlich rasant wie das Coronavirus verbreiten könnte. Politiker und Experten diskutieren bereits Maßnahmen, wie man eine Ausbreitung eindämmen kann.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach etwa empfiehlt bei einer Infektion mit Affenpocken eine Quarantäne von mindestens 21 Tagen. Das erachten Mediziner auch als sinnvoll. Denn solange Patienten Pusteln haben, gelten sie als hochinfektiös. Angesichts immer neuer Fälle von Affenpocken in Deutschland ist auch eine Diskussion über Präventivmaßnahmen entbrannt.

Affenpocken-News: Stiko-Chef Mertens hält Impfung gegen für Risikogruppen sinnvoll

Stichwort Impfung. Dazu äußerte sich jetzt der Chef der Ständigen Impfkommission. Er erachte eine präventive Impfung von Risikogruppen als sinnvoll, sagte Thomas Mertens der Rheinischen Post. „Darüber wird derzeit nachgedacht.“ Eine Impfung der gesamten Bevölkerung in Deutschland sei aber „sehr wenig wahrscheinlich“, sagte er weiter.

Mertens wies darauf hin, dass nur ein Impfstoff infrage komme, und dieser „viel besser verträglich“ sei als der klassische Pockenimpfstoff, bei dem es in einem von rund 20.000 Fällen zu einer Hirnhautentzündung gekommen war. Im Gegensatz zur klassischen Pockenimpfung seien bei dem modernen Impfstoff keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Affenpocken in Deutschland: Schwere Verläufe laut Virologin Ciesek möglich

Ältere Menschen, die gegen die Pocken geimpft wurden, verfügen laut dem Stiko-Chef auch über einen Impfschutz gegen die Affenpocken. „Ein gewisser Schutz hält wahrscheinlich lebenslang an“, sagte Mertens. Zwar sei der Impfschutz nicht vollständig, er schütze aber zumindest gegen schwere Erkrankungen. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek kündigte bereits an, Affenpocken-Impfstoff ordern zu wollen. Lauterbach bestellte „bis zu 40.000 Dosen“.

Dass es in Deutschland Maßnahmen gegen Affenpocken braucht, begründet sich durch die Gefährlichkeit des Erregers. Laut der Virologin Sandra Ciesek könne das Virus mit Komplikationen oder schweren Verläufen einhergehen. (mt/afp)

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