Ein Augenzeuge berichtet vom Amoklauf

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Polizei vor dem Krankenhaus in Lörrach.

Lörrach - Vier Menschen starben bei dem Amoklauf – Ernst Barth hatte Glück. Er bekam nur einen Streifschuss ab, obwohl die Täterin in Tötungsabsicht auf ihn zielte. Der Augenzeugenbericht:

Der Amoklauf einer 41-jährigen Anwältin im südbadischen Lörrach ist vermutlich die Folge eines Streits mit ihrem Mann um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn. Die Sportschützin habe ihren Mann, von dem sie getrennt lebte, am Sonntagabend erschossen, als dieser den fünfjährigen Sohn bei ihr wieder abholen wollte, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Montag aus Polizeikreisen. Der Junge lebte bei seinem Vater und war über das Wochenende zu Besuch bei seiner Mutter. Auch ihn brachte die 41- Jährige um.

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Die Amokläuferin besaß legal mehrere Waffen, hieß es. Bei ihrer Flucht in ein benachbartes Krankenhaus habe sie mehrere Hundert Schuss Munition dabeigehabt. Sie feuerte wahllos auf Passanten und verletzte zwei Männer schwer. Einer erlitt einen Rückendurchschuss, der andere einen Streifschuss am Kopf. In der Klinik tötete sie einen 56-jährigen Krankenpfleger. Er erlitt Stichverletzungen und Kopfschüsse. Bei einem Feuergefecht wurde sie von einem Polizisten erschossen. In dem Krankenhaus wurden über 100 Patronen gefunden, erfuhr die dpa.

Zu der Familientragödie war es in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Lörracher Innenstadt gekommen. Die Rechtsanwältin wohnte dort und hatte hier auch ihre Anwaltskanzlei. Nach Angaben von Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) tötete die Frau ihren Mann und ihren fünfjährigen Sohn. Anschließend löste sie mit Brandbeschleunigern eine Explosion aus. Es sollen Kanister gefunden worden sein. Nach Informationen aus Polizeikreisen erschoss die Anwältin ihren Mann mit einer Sportwaffe Kaliber 22. Wie der Sohn zu Tode kam, wurde zunächst nicht bekannt. Der Pfleger in der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses war dagegen wohl kein gezieltes Opfer. “Wir gehen eher davon aus, dass es eine zufällige Begegnung war“, sagte ein Polizeisprecher.

Lörrach: Amoklauf im Krankenhaus

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In der Klinik schoss die Frau einem Polizisten ins Knie, der dem Pfleger zu Hilfe kommen wollte. Lebensgefahr bestand bei keinem der Verletzten mehr. Minister Rech lobte das Vorgehen der Polizei. Den Polizisten sei es gelungen, durch gezielte Schüsse die Amokokläuferin zu stoppen und damit ein weiteres Blutvergießen zu verhindern. Von der Explosion bis zum letzten Schuss sind nach Angaben der Ermittler nicht einmal 40 Minuten vergangen. Aus dem brennenden Haus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene sowie ein Kind. 15 Bewohner mussten mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Im Einsatz waren rund 300 Polizisten und Retter aus ganz Südbaden.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, zeigte sich erfreut, dass das Einsatzkonzept bei Amokläufen sich in Lörrach bewährt habe. “Das schnelle und beherzte Eingreifen der baden-württembergischen Polizei in einer unübersichtlichen und chaotischen Situation hat möglicherweise weitere Opfer verhindert.“ Die Anwältin sei kein Mitglied im Südbadischen Sportschützenverband und damit auch bei keinem der Vereine in Lörrach, erklärte ein Verbandssprecher. Sie habe auch in keiner der Anlagen dort geschossen. Möglicherweise sei sie Mitglied in einem anderen Landesverband, die bundesweite Recherche des Verbandes dazu laufe noch.

Auch beim Deutschen Sportschützenverband war noch nicht bekannt, welchem Landesverband die Amokläuferin angehörte. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zeigte sich bestürzt darüber, dass nur eineinhalb Jahre nach der Bluttat von Winnenden wieder Tote und Verletzte zu beklagen sind. “Mein Mitgefühl gilt den Opfern und deren Familien“, sagte Mappus am Montag in Stuttgart. Er dankte den Polizeibeamten und den Feuerwehrleuten, die durch einen schnellen “selbstlosen Einsatz“ vermutlich Schlimmeres verhindert haben. Zur Frage einer Verschärfung des Waffengesetzes sagte er, man müsse alle Informationen zunächst einmal sammeln. In Deutschland gibt es nach Angaben des Verbandes der Hersteller von Jagd-, Sportwaffen und Munition geschätzt fünf bis zehn Millionen legale Waffen.

dpa

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