Anna (9) starb qualvollem Tod: Applaus nach Mordurteil

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Annas Pflegemutter wird am Donnerstag im Rollstuhl in den Saal des Schwurgerichts in Bonn geschoben. Die Pflegemutter des in der Badewanne ertränkten neunjährigen Mädchens aus Bad Honnef ist wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Bonn - Der spektakuläre Prozess um den gewaltsamen Tod der neunjährigen Anna endet eindeutig. Das Bonner Schwurgericht verkündet Lebenslänglich wegen Mordes für die Pflegemutter.

Jahrelang hatte das Mädchen ein Martyrium durchlebt, bevor es starb.

Die Zuschauer im Bonner Schwurgericht applaudieren. Ihr Beifall gilt dem Urteil zum grausamen Tod der kleinen Anna. Deren Pflegemutter hatte die Neunjährige in der Badewanne ertränkt. Vor ihrem Tod durchlebte Anna von 2008 bis 2010 eine qualvolle Zeit. Wegen Mordes, Freiheitsberaubung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen wurde die 52 Jahre alte Pflegemutter aus Bad Honnef zu lebenslanger Haft verurteilt. Der gleichaltrige Pflegevater erhielt wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Misshandlung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge sechseinhalb Jahre Haft.

Äußerlich unberührt lauscht die schwergewichtige Pflegemutter, die an Diabetes leidet und seit einer Erkrankung in der Haft im Rollstuhl sitzt, dem Urteilsspruch von Richter Josef Janßen. Seit dem beginn des Prozesses im januar hatte sie geschwiegen. Ihr Mann hatte sie schwer belastet mit seinen teils unter Tränen hervorgepressten Aussagen. Erst am Ende des Prozesses schreibt sie einen Brief, in dem sie ihren Mann der Tötung Annas beschuldigt. Dies sei der letzte verzweifelte Versuch gewesen, sich vor der Verantwortung zu drücken, sagt der Richter. Der Vater habe kein Motiv für solch eine Tat gehabt.

Alles beginnt im Jahr 2008. Anna kommt zu den Pflegeeltern nach Bad Honnef, die sie von einem früheren Aufenthalt schon kennt. Sie nennt die Pflegemutter “Tanti“. Das anfänglich liebevolle Verhältnis zu Anna aber verändert sich bald. Will das Kind nicht essen, muss es stundenlang in der Ecke stehen, es wird mit Kugelschreiberspitzen in den Oberarm gestochen oder muss ohne Decke schlafen. Der Pflegevater bringt Anna dann später zwar eine Decke ans Bett, holt diese aber am frühen Morgen wieder weg, damit seine Frau es nicht merkt. Die Frau habe in der Ehe den Ton angegeben, sagt Janßen. “Er war der Butler mit Ehering.“

Der Pflegemutter ging es laut Janßen einzig um die Befriedigung ihrer eigenen Persönlichkeit und die Machtausübung über Anna. Sie habe zur wichtigsten Bezugsperson für Anna, zur Mutter, werden wollen. “Es sollte ihr Kind werden.“ Mit einem Gewirr aus Lügen und Intrigen habe sie es geschafft, dass der Kontakt zwischen leiblicher Mutter und Anna schließlich unterbunden wurde. Auch die Verantwortlichen in den Jugendämtern wurden getäuscht. Allein durch ihre Schilderungen brachte die Frau Ärzte dazu, Anna Autoaggression und eine Wasserphobie zu attestieren.

Doch Anna wehrt sich gegen Bevormundung und Strafe. Sie isst nicht richtig, reagiert bockig. Ab Spätsommer 2009 werden Essprobleme mit Abduschen in der Badewanne gelöst. Dabei stellen die Pflegeeltern fest, dass das Kind schnell ruhig wird, wenn es untergetaucht wird. “Getunkt“ nennt das der Pflegevater in seiner Aussage. Das habe er seiner Frau überlassen. Eingeschritten sei er aber nicht dagegen.

Am 22. Juli 2010 erbricht Anna das Essen und soll in die Wanne. Als sie sich lautstark wehrt, wird sie an Händen und Füßen gefesselt, auch der Mund wird ihr verklebt. In der Wanne wird die Handfessel gelöst und der Klebestreifen entfernt. Als Anna erneut laut wird, drückt die Pflegemutter sie unter Wasser.

Anna sei mindestens drei Minuten oder länger unter Wasser gedrückt worden, sagte der Gerichtsmediziner im Prozess aus. Damit wird klar, Annas Tod war kein Unfall, sondern offensichtlich gewollt. Der Prozess wurde nach nur zehn Verhandlungstagen unterbrochen und neu aufgerollt. Diesmal mit der Option, dass es sich auch um Mord handeln könnte.

Als die Angeklagte das Kind unter Wasser gedrückt habe, müsse sie eine Art Resümee gezogen haben, sagt Janßen. Das Kind habe auch für die Nachbarn hörbar klar gemacht, dass es raus wollte. Damit sie nicht zugeben musste, dass sie versagt hatte, drückte sie laut Janßen Annas Kopf weiter unter Wasser - bis Anna sich nicht mehr wehrte.

dpa

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