Anglikaner-Bischöfe empfangen katholische Priesterweihe

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Die ehemaligen anglikanischen Bishöfe John Broadhurst, Andrew Burnham (links) und Keith Newton (rechts) wurden von Erzbischof Vincent Nichols zu katholischen Priestern geweiht.

London - Erstmals in der Geschichte sind drei anglikanische Bischöfe zum katholischen Glauben übergetreten und in ihrem neuen Bekenntnis zu Priestern geweiht worden.

Vincent Nichols, katholischer Bischof von Westminster und Oberhirte der Katholiken in England und Wales, weihte am Samstag die bisherigen Anglikaner-Bischöfe Andrew Burnham, Keith Newton und John Broadhurst zu katholischen Priestern. Die Zeremonie fand in der voll besetzten Kathedrale von Westminster statt.  

Die Bischöfe können verheiratet bleiben. Alle sind Väter mehrerer Kinder. Sie hatten aber vor allem Probleme mit einer Regelung in der anglikanischen Kirche, wonach Frauen nicht nur zu Priesterinnen, sondern neuerdings auch zu Bischöfinnen geweiht werden können. Die Anglikaner sind tief gespalten in liberalere und traditionellere Kräfte. Zu den heiklen Themen gehören die Bischofsweihe für Frauen und homosexuelle Kleriker.

In Großbritannien stehen rund sechs Millionen Katholiken etwa 25 Millionen Anglikanern gegenüber. England hatte sich im 16. Jahrhundert unter König Heinrich VIII. im Streit um dessen Ehescheidung von Rom abgespalten. Das Angebot Roms zum erleichterten Übertritt habe die seit dem 16. Jahrhundert von der katholischen Kirche abgespaltenen Anglikaner einer weiteren Belastungsprobe ausgesetzt, heißt es. Newton geht davon aus, dass sich etwa 50 anglikanische Kleriker in den nächsten Monaten anschließen werden.

Der Vatikan hat für die früheren Anglikaner eine eigene kirchliche Struktur innerhalb der katholischen Kirche errichtet: Die römische Glaubenskongregation setzte dafür am Samstag auf dem Gebiet der Bischofskonferenz von England und Wales ein “Personalordinariat“ ein, wie der Vatikan mitteilte. Es soll den Konvertiten helfen, vertraute Traditionen zu bewahren. Die Organisationsform ähnelt einem eigenen “Mini-Bistum“. Erster Leiter der neuen Kirchenstruktur ist Keith Newton.

Papst Benedikt XVI. hatte den Übertritt von Anglikanern zum katholischen Glauben in der eigens geschaffenen Apostolischen Konstitution “Anglicanorum Coetibus“ ermöglicht. Die Übertrittsmöglichkeit wird von der Führung der Kirche von England grundsätzlich anerkannt.´Der päpstlichen Regelung zufolge können neben Einzelpersonen auch ganze Gruppen von Gläubigen, etwa religiöse Orden, übertreten. Ihnen wird ermöglicht, Teile ihres religiösen anglikanischen Erbes beizubehalten, beispielsweise den Ritus der anglikanischen Eucharistie. Von der Übertrittsmöglichkeit hatten vor den Bischöfen bereits mehrere hundert Anglikaner Gebrauch gemacht.

In anderen Ländern, darunter auch in Deutschland, ist der Übertritt protestantischer Geistlicher zum katholischen Glauben und auch die Priesterweihe Verheirateter möglich. Jedoch wurden bisher keine eigenen Kirchenstrukturen geschaffen.

dpa

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