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WHO: Affenpocken-Fälle könnten nur „Spitze des Eisbergs“ sein - dennoch Grund zur Hoffnung

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Von: Julia Volkenand

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Die Ausbreitung der Affenpocken stehe erst ganz am Anfang, warnte die WHO am Freitag. Dennoch gebe es Grund zur Hoffnung.

München - Die Affenpocken sind in Europa auf dem Vormarsch. Erstmals verbreiten sie sich auch außerhalb von West- und Zentralafrika. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davor gewarnt, dass die Verbreitung noch in den ersten Zügen sein könnte. „Wir wissen nicht, ob wir gerade nur die Spitze des Eisbergs sehen“, sagte Sylvie Briand, Direktorin der WHO-Abteilung zur Vorbereitung auf Infektionsgefahren, am Freitag bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Dennoch drückte Briand die Hoffnung aus, dass man die Verbreitung des Virus bald stoppen könnte.

Affenpocken: Verbreitung erst am Anfang?

Die derzeitige Ausbreitung des Affenpocken-Virus sei „ungewöhnlich“, sagte Briand. Seit Großbritannien am 7. Mai die erste Affenpocken-Ansteckung meldete, wurden der WHO 200 Fälle aus Ländern gemeldet, in denen sich das Virus üblicherweise nicht verbreitet. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC registrierte 219 solcher Fälle.

In mehreren Staaten in West- und Zentralafrika sind die Affenpocken endemisch, sie treten dort also dauerhaft und gehäuft auf. Zuletzt wurden Affenpocken aber auch in 20 anderen Ländern festgestellt - unter anderem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und den USA.

Affenpocken: WHO warnt vor weiteren Fällen

Die Verbreitung sei „immer noch ganz am Anfang“, sagte Briand am Freitag. „Wir wissen, dass es in den kommenden Tagen weitere Fälle geben wird“, sagte sie weiter - ergänzte aber, es gebe keinen Grund zur Panik. Die breite Bevölkerung müsse „keine Angst haben“. Weiter sagte sie: „Es ist nicht Covid-19 oder eine andere Krankheit, die sich schnell verbreitet.“

Affenpocken-Virus
Die Affenpocken verbreiten sich zunehmend auch in Deutschland. © IMAGO/Davor Puklavec

Experten versuchen demnach weiter herauszufinden, was die derzeitige ungewöhnliche Verbreitung verursacht habe. Die ersten Untersuchungen hätten aber keine Hinweise auf eine Veränderung oder Mutation des Virus geliefert. „Wir haben eine gute Chance, die Übertragung jetzt zu stoppen“, sagte Briand weiter. „Wenn wir jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen, können wir das auf einfache Weise eindämmen.“

Affenpocken sind verwandt mit den Pocken, an denen jahrhundertelang jährlich Millionen Menschen starben, bis die Krankheit 1980 ausgerottet wurde. Die Affenpocken sind aber erheblich weniger gefährlich. Die meisten Erkrankten erholen sich innerhalb weniger Wochen wieder, ein tödlicher Verlauf ist selten. Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery äußerte sich vorsichtig optimistisch: „Das Thema Affenpocken wird bald erledigt sein.“ Dennoch zeigte er Sorge vor der Bedeutung des Virus für die Zukunft.

Denn die Fallzahlen der mit Affenpocken infizierten Menschen in Europa steigen. „Das lässt aufhorchen“, findet der Virologe Hendrik Streeck, kann aber vor allem Entwarnung geben. (dpa/jv)

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