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Chinesische Raumstation Tiangong 1: Hier ist sie an Ostern abgestürzt

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Ein aktuelles Radarbild von Tiangong 1.

Chinas Weltraumstation Tiangong 1 ist am Ostermontag 2018 auf die Erde gestürzt - bis zuletzt war der Ort ihres Aufpralls ungewiss.

Update 02. April, 06.10 Uhr:

Chinas Raumstation "Tiangong-1" ist über dem Südpazifik abgestürzt. Das außer Kontrolle geratene Weltraumlabor sei beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre "größtenteils" verglüht, teilte die chinesische Raumfahrtbehörde CMSEO am Montag in Peking mit. Bis zuletzt war unklar, wann und wo genau die verbleibenden Trümmerteile auf die Erde stürzen würden.

Kurz vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre hatte die chinesisches Raumfahrtbehörde noch mitgeteilt, dass die Station über dem Südatlantik abstürzen werde, vor der Küste der brasilianischen Stadt São Paulo. Unmittelbar danach ging "Tiangong-1" dann gegen 02.15 Uhr (MESZ) mitten über dem Südpazifik in den Sturzflug. Das US-Militär bestätigte, dass die chinesische Raumstation über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eingetreten sei.

Update 01. April, 21.00 Uhr

Teile des chinesisches Raumlabors „Tiangong 1“ werden in der Nacht zum Ostermontag zwischen 1 Uhr und 5 Uhr (Mitteleuropäischer Zeit) auf die Erdoberfläche fallen. Am wahrscheinlichsten sei ein Absturz gegen 3.00 Uhr, teilte die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) am Sonntagabend in ihrer letzten Prognose mit. Der größte Teil der ursprünglich samt Treibstoff 8,5 Tonnen schweren Raumstation wird demnach verglühen.

Treffen die Trümmer der außer Kontrolle geratenen chinesischen Raumstation Tiangong 1 an Ostern die USA? In der Stadt Charlotte (850.000 Einwohner) stellt man sich bereits darauf ein, dass die die Trümmer genau dort herunterkommen könnten.

So schriebt die Nachrichtenseite Charlotte Stories: „Basierend auf dem wahrscheinlichsten Wiedereintrittspfad besteht eine geringe Chance, dass die Trümmer auf Charlotte niederregnen könnten.“

Auf ihrer Facebook-Seite fordern die Charlotte Stories ihre Leser bereits auf: „Beobachtet Samstagnacht den Himmel!“

Verständlicherweise sind die Bürger in Charlotte deswegen in Sorge. Allerdings beruhigen Wissenschaftler die Einwohner: Viele Teile werden bereits beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass der Weltraummüll jemanden verletzt, ist extrem gering“, teilt die Luft- und Raumfahrtorganisation The Aerospace Corporation mit. Und fügt hinzu: „Wann und wo die Überreste der Raumstation landen werden, ist noch unbekannt.“

Laut des Experten Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa soll die Raumstation Tiangong 1 zwischen 22 Uhr am 1. April 2018 und 5 Uhr am 2. April (MEZ) auf die Erde stürzen.  

Absturz von Tiangong 1 an Ostern erwartet 

Tiangong 1, das chinesische Raumlabor, wird an den Osterfeiertagen 2018 auf die Erde stürzen. China hat keine Kontrolle mehr über die Raumstation, deren Name auf Deutsch „Himmelspalast“ bedeutet. Seit 2013 ist das Raumlabor unbemannt, seit 2016 besteht kein Kontakt mehr zu Tiangong 1. An Ostern wird die Station in die Erdatmosphäre eintreten und verglüht – aber nicht komplett. Bis zu 100 Kilo schwere Trümmerteile von Tiangong 1 werden laut einer Prognose der europäischen Weltraumbehörde ESA die Erde erreichen.

Viele Menschen fragen sich nun: Wird der Absturz für uns gefährlich? Wann stürzt die Raumstation auf die Erde ab? Und wo genau kommt Tiangong 1 runter? Hier finden Sie die Antworten auf diese Fragen. 

Wann erfolgt der Absturz von Tiangong 1 auf die Erde? 

Die ESA konnte lange keinen genauen Termin für das Eintreten in die Erdatmosphäre angeben. Dr. Holger Krag, ESA-Experte für Weltraumschrott, teilte mit: „Drei bis vier Tage vorher können wir den genauen Tag eingrenzen, am Tag selbst dann den Zeitpunkt bis auf wenige Stunden bestimmen.“

Nachdem bisher bekannt war, dass die Raumstation an Ostern abstürzen wird, konnte das Zeitfenster nun noch weiter eingegrenzt werden. 

  • Die chinesische Raumstation stürzt frühestens am Abend des Ostersonntags, 1. April 2018, ab.
  • Der Absturz von Tiangong 1 erfolgt spätestens am frühen Ostermontag, 2. April 2018

Wo kann Tiangong 1 auf die Erde stürzen? 

Für den Zeitpunkt des Eintritts in die Erdatmosphäre gilt dasselbe wie beim Eintrittsort: Die ESA-Experten können den genauen Ort, an dem die Trümmerteile niedergehen könnten, nicht punktgenau vorhersagen.Das ist allerdings noch sehr vorsichtig ausgedrückt.

  • Tiangong 1 kann in einem erdumspannenden Gürtel von 43 Grad südlich bis 43 Grad nördlich des Äquators abstürzen. Somit kann die chinesische Raumstation alle Kontinente - bis auf die Antarktis - und alle Ozeane treffen.
  • Der Absturz erfolgt aller Voraussicht nach NICHT über Deutschland. 
  • Tiangong 1 kann etwa über den USA, Spanien, Portugal, Italien, der arabischen Halbinsel, Indien oder Australien abstürzen. 

Eine Grafik verdeutlicht, wie groß der mögliche Einschlagskorridor ist: 

Der mögliche Einschlagskorridor von Tiangong 1.

Wo befindet sich Tiangong 1 gerade?  

Noch kreist Tiangong 1 mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Aktuell liegt die Bahnhöhe bei 210 Kilometern. 

Die aktuelle Umlaufbahn können Sie auf der Satelliten-Tracker-Webseite www.n2yo.com live verfolgen. 

Die Flugbahn von Tiangong 1 lässt sich live auf einer Webseite verfolgen.

Video: Absturz von Tiangong 1

Welchen Schaden kann der Absturz von Tiangong 1 anrichten? 

  • Der Wiedereintritt, sagt Experte Holger Krag, „ist nicht vergleichbar mit einem Meteoriteneinschlag. Die Trümmer fallen ab 30 Kilometer Höhe mit der normalen Fallgeschwindigkeit, deshalb gibt es keine Krater.“
  • Panikmache hält der ESA-Spezialist für wenig sinnvoll. Die Wahrscheinlichkeit von einem Trümmerteil verletzt zu werden, schätzt er so hoch ein, „wie die Möglichkeit von einem Blitz zweimal in einem Jahr getroffen zu werden“.
  • Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Trümmerteile von Tiangong 1 (wie fast sämtlicher Weltraumschrott) ins Meer stürzen. Denn: Die Erdoberfläche besteht größtenteils aus Wasser.
  • In der gesamten Geschichte der Raumfahrt hat es laut ESA noch keinen einzigen bestätigten Fall gegeben, in dem ein Mensch durch Weltraumschrott zu Schaden gekommen ist.

Die wichtigsten Fakten zu Tiangong 1 oder Himmelspalast

  • Im September 2011 hatte China Tiangong 1 oder „Himmelspalast“ ins All geschossen. Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 2FT1“ hatte das Weltraummodul in eine Umlaufbahn in Höhe von 350 Kilometern gebracht.
  • Die Raumstation ist 8,5 Tonnen schwer, zwölf Meter lang und hat einen maximalen Durchmesser von 3,4 Metern. Sie besteht aus zwei Modulen: Einem Versorgungsmodul mit Treibstofftank sowie Sonnenkollektoren für die Stromversorgung und einem Labormodul, in dem drei Astronauten arbeiten und leben können.
  • Tiangong 1 sollte knapp zwei Jahre die Erde umrunden und dann 2013 kontrolliert ins Meer stürzen.
  • Tiangong 1 steht für die ehrgeizigen Pläne Chinas in der Raumfahrt, vor allem für den Bau einer eigenen Weltraumstation. Mit dem Raumlabor haben chinesische Raumschiffe der „Shenzhou“-Reihe Kopplungs- und Andockmanöver absolviert.
  • Chinas erste Frau im Weltraum - Liu Yang - war 2012 natürlich auch auf Tiangong 1 zu Gast.
  • 2013 verfolgten mehr als 60 Millionen Schüler eine Physik-Unterrichtsstunde von der Astronautin Wang Yaping live aus dem Himmelspalast.
  • Im Juni 2013 endete die Versuchsserie mit Tiangong 1 mit einem wichtigen Experiment: Drei Astronauten hatten zuvor zwölf Tage das Raummodul der Station bewohnt. Dann absolvierten die Raumfahrer erstmals ein Umkopplungsmanöver, bei dem das Raumschiff „Shenzhou 10“ um das Raummodul herum flog und erneut ankoppelte.
  • Am 16. März 2016 hat China die Kontrolle über das Weltraumlabor Tiangong 1 verloren. 

Was passiert genau, wenn Tiangong 1 in die Erdatmosphäre eintritt?

Erfahrungsgemäß verglühen ausgediente Satelliten nach erfolgreicher Mission beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Wenn Reibung und Druck zunehmen, bricht auch das Weltraumlabor auseinander. Das erwarten zumindest die Experten. Auch ein Großteil des chinesischen Raumlabors Tiangong 1 werde in der Atmosphäre verglühen, meint der australische Raumfahrtexperte Morris Jones. 

Doch nicht alles wird verglühen. Treibstofftank und Dämmmaterial sind äußerst hitzebeständig. Nach Ansicht von McDowell könnten einige dieser Teile bis zu 100 Kilo wiegen, wenn sie auf die Erde krachen. Das Risiko, dass Menschen oder Häuser getroffen werden, sei aber äußerst gering. 

dpa/ml/fro

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