„RadioAstron“ im Einsatz

350.000 Kilometer Durchmesser! Mega-Teleskop blickt tief in Schwarze Löcher

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Die Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskop zeigt die Galaxie NGC 1275.

So groß wie noch nie eines zuvor ist das Teleskop, das Forscher zur Analyse eines Materie spuckenden Massemonsters verwendet haben. 350.000 Kilometer Durchmesser hat das virtuelle Supergerät - das entspricht fast dem Abstand Erde-Mond.

Bonn/London - Mit dem größten Teleskop in der Geschichte der Astronomie sind einem internationalen Forscherteam die bislang detailreichsten Beobachtungen eines Materie ausspuckenden Schwarzen Lochs gelungen. Die Untersuchung biete einen einmaligen Einblick in die Entstehung sogenannter Jets, mit denen gigantische Schwarze Löcher einen Teil der Materie zurück ins All schleudern, die in ihren Strudel geraten ist, teilte das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn mit. Zusammen mit Kollegen stellen Forscher des Instituts ihre Analysen im Fachblatt „Nature Astronomy“ vor.

Die meisten Galaxien haben ein gigantisches Schwarzes Loch im Zentrum. Bei vielen von ihnen sind Jets beobachtet worden, in denen fast lichtschnelles Plasma senkrecht aus dem Materiestrudel des Schwarzen Lochs hinausschießt. Die Entstehung dieser Jets ist weitgehend ungeklärt.

„RadioAstron“, das größte Teleskop in der Geschichte

Um der Lösung näherzukommen, haben Astronomen mehrere Radioteleskope auf der Erde und im Weltall zu einem virtuellen Superteleskop mit 350.000 Kilometern Durchmesser zusammengeschaltet - das entspricht fast dem Abstand Erde-Mond. „RadioAstron“ ist damit das größte Teleskop in der Geschichte der Astronomie, wie das Bonner Institut betont. Mit dem Riesenteleskop nahmen die Forscher das gigantische Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie Perseus A ins Visier, die die Katalognummer NGC 1275 trägt.

„Das Ergebnis war erstaunlich. Es zeigt sich, dass die gemessene Breitenausdehnung des Jets wesentlich größer ist als von den zurzeit favorisierten Modellen zur Jetentstehung zu erwarten wäre“, sagt der Hauptautor der Studie, Gabriele Giovannini vom Nationalen Institut für Astrophysik (INAF) in Italien. „Der Jet in NGC 1275 wurde vor gut zehn Jahren erst neu gestartet und ist immer noch in seiner Ausformung begriffen“, ergänzt Ko-Autor Masanori Nakamura von der Academia Sinica in Taiwan. „Das bietet eine einzigartige Gelegenheit, das Wachstum des Jets an einem Schwarzen Loch in einer sehr frühen Phase zu verfolgen.“

Astronomen gelingt  zehnmal bessere räumliche Auflösung

Dank des virtuellen Superteleskops lasse sich in der 230 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie die Struktur des Jets in einer bislang unerreichten Detailgenauigkeit von zwölf Lichttagen abbilden, erläutert Ko-Autor Anton Zensus vom Bonner Institut, das mit seinem Radioteleskop in Effelsberg an der Untersuchung beteiligt war. Zwölf Lichttage sind die Distanz, die das Licht in zwölf Tagen zurücklegt. Damit ist den Astronomen eine zehnmal bessere räumliche Auflösung gelungen als bisher möglich war. Zum Vergleich: Der nächste Nachbarstern der Sonne in unserer Galaxie ist etwa vier Lichtjahre entfernt.

dpa

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