Ralf Stiftel

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Zuletzt verfasste Artikel:

Christoph Rüping bringt Dante nach Bochum: „Das neue Leben“

Christoph Rüping bringt Dante nach Bochum: „Das neue Leben“

Bochum – Man sieht es in Anna Drexlers Augen. Sie strahlen, wenn die Schauspielerin sich in den verliebten Dante einfühlt, dessen 700. Todestag gerade gefeiert wird. Man spürt in allen Akteuren im Schauspielhaus Bochum diese unbändige Freude, wieder in Rollen schlüpfen zu dürfen. Der Renaissancedichter hat der Welt eine der archetypischen Liebesgeschichten geschenkt, eine, die er selbst erlebt hat. Dante liebt Beatrice. Schon von der ersten Begegnung an, als beide noch neun Jahre jung waren. Unvergesslich wird die Geschichte aus zwei Gründen: Sie blieb unerfüllt. Bevor er sich ihr erklären konnte, fiel sie der Seuche zum Opfer, die damals umging. Und sie lieferte dem Poeten den Stoff für große Texte: Sonette, Kanzonen, Erzählungen.
Christoph Rüping bringt Dante nach Bochum: „Das neue Leben“
„Tokio, neue Stadt“: Ein packender historischer Roman von David Peace

„Tokio, neue Stadt“: Ein packender historischer Roman von David Peace

Die Leiche von Shimoyama Sadanori wurde wirklich am 6. Juli 1949 auf Gleisen im Adachi-Distrikt von Tokio gefunden. Bis heute ist nicht geklärt, ob der Präsident der Nationalen Japanischen Eisenbahngesellschaft ermordet wurde oder Selbstmord beging. Der britische Schriftsteller David Peace hat seinen Roman „Tokio, neue Stadt“ um diesen Fall geschrieben. Und auch der abschließende Band der Japan-Trilogie ist eine aufregende Lektüre, eine düstere Reise in menschliche Abgründe, fiebernd, pessimistisch, poetisch.
„Tokio, neue Stadt“: Ein packender historischer Roman von David Peace
Saara Turunen inszeniert ihr Stück „Das Gespenst der Normalität“ am Schauspielhaus Bochum

Saara Turunen inszeniert ihr Stück „Das Gespenst der Normalität“ am Schauspielhaus Bochum

Bochum – Es ist, als läge ein Spuk auf dieser Familie. Sie entspricht dem Ideal der Konservativen: Vater, Mutter, ein Sohn, eine Tochter. Freudlos leben sie nebeneinander her. Vater und Sohn schauen eine Tiersendung im Fernsehen an. Das Mädchen freilich wirkt noch etwas spukiger, steht starr beiseite, macht nicht mit. Bis die Mutter es an den Tisch führt und ihm ein Kleid überzieht. Dann gibt es eine Familienaufstellung wie für ein Foto. Alles geschieht stumm. Bis die Mutter sagt: „Ich habe nur einen Wunsch in diesem Leben. Und der lautet, dass ich normal sein darf, also ein ganz gewöhnlicher Mensch.“
Saara Turunen inszeniert ihr Stück „Das Gespenst der Normalität“ am Schauspielhaus Bochum
Das Werk des Architekten Arne Jacobsen im Forum Castrop-Rauxel

Das Werk des Architekten Arne Jacobsen im Forum Castrop-Rauxel

Castrop-Rauxel – Wenige Menschen werden Liebe auf den ersten Blick empfinden, wenn sie vor dem Rathaus-Komplex von Castrop-Rauxel stehen. Als Arne Jacobsen und Otto Weitling den fünf Hektar überspannenden Komplex aus Beton und Glas planten, da zeichnete sich der Niedergang des Bergbaus zwar schon ab. Aber es steckten doch noch Aufbruchstimmung und Geld im Revier. So entstand in den 1970er Jahren ein Ensemble buchstäblich auf der grünen Wiese, irgendwie schon mitten in der Stadt, aber eben ohne Anschluss an die alte Bebauung.
Das Werk des Architekten Arne Jacobsen im Forum Castrop-Rauxel
Der Kreis Unna zeigt auf Haus Opherdicke „Herman Stenner und seine Lehrer“

Der Kreis Unna zeigt auf Haus Opherdicke „Herman Stenner und seine Lehrer“

Holzwickede – Das sommerliche Licht flirrt durch das Laub der Bäume im „Kaffeegarten am Ammersee“. 1911 fing Hermann Stenner das Idyll ein. Es ist in seinem Werk ein Bild des Übergangs. Einerseits stammen Motiv und Lichtführung von den Impressionisten. Mit den Helligkeitsinseln, weißen Flecken im verschatteten Bereich holt der Künstler die spezielle Atmosphäre eines Sommertags in sein Gemälde. Andererseits arbeitet er mit härteren Konturen, mit kräftigeren Farben. So malten die Fauves in Frankreich, und ähnlich arbeiteten auch die Expressionisten.
Der Kreis Unna zeigt auf Haus Opherdicke „Herman Stenner und seine Lehrer“
Beaufort bringt zum siebten Mal Kunst an die belgische Küste

Beaufort bringt zum siebten Mal Kunst an die belgische Küste

Ostende – Schon von weitem sieht man den Stapel aus Sandsäcken, der sich in Ostende aus dem Meer erhebt, direkt vor einem dieser Hochhauskomplexe, die die belgische Küste entlang ziehen. Die Wogen umspülen das Gebilde. Die italienische Künstlerin Rosa Barba hat es für die Kunsttriennale Beaufort errichtet.
Beaufort bringt zum siebten Mal Kunst an die belgische Küste
Das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen zeigt „Dürer war hier“

Das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen zeigt „Dürer war hier“

Aachen – 20 Jahre alt ist Katharina 1521, als Albrecht Dürer sie in Antwerpen porträtiert. Sie ist die Dienerin von João Brandão, dem Faktor der portugiesischen Handelsvertretung in der flämischen Handelsmetropole. Es ist das früheste bekannte Porträt einer schwarzen Frau in der Kunstgeschichte. In seiner feinen Silberstift-Zeichnung geht der Künstler respektvoll mit seinem Modell um, er nimmt sein Modell ernst, zeigt ihren verlegen gesenkten Blick, ihre Unsicherheit. Dürer zeichnete viel auf seiner Reise in die Niederlande. Mit Porträts für zahlungskräftige Kunden besserte er seine Reisekasse auf. Das Bildnis Katharinas aber behielt er als Andenken.
Das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen zeigt „Dürer war hier“
Die dritte Triennale Brügge spürt dem „TraumA“ in der Idylle nach

Die dritte Triennale Brügge spürt dem „TraumA“ in der Idylle nach

Dieses Karussell dreht sich nicht. In stumpfes Grau verblasst steht das Kirmesgerät vor der Sint-Walburgakerk in Brügge und ruft uns die Vergänglichkeit des Seins in den Sinn. Auf dem Pferd reitet ein Skelett mit Zylinder. Eine feine Knochendame trägt historische Rüschen und einen Sonnenschirm und bleckt die fleischlosen Zähne. Ein Mädchen führt irritierenderweise eine Robbe an der Leine. Das alles hat der belgische Künstler Hans Op de Beeck lebensgroß und genau bis ins kleinste Detail geformt. Und die lebensfrohen Putti im altertümlichen Dekor der monströsen Skulptur kontrastieren mit den großen Totenschädeln, die den Reliefs auf Renaissance-Grabtafeln in alten Kirchen nachempfunden sind.
Die dritte Triennale Brügge spürt dem „TraumA“ in der Idylle nach
Bonn und Duisburg zeigen Beuys im Dialog mit seinem Lehrer Lehmbruck

Bonn und Duisburg zeigen Beuys im Dialog mit seinem Lehrer Lehmbruck

Bonn/Duisburg – Noch immer beeindruckt die „Honigpumpe am Arbeitsplatz“ durch ihre schiere Präsenz. Die Pumpe, der Elektromotor, die Fässer, die Metallrohre und Plastikschläuche sind eine Menge Material, das sortiert in der Bundeskunsthalle Bonn liegt. Aber so hatte Joseph Beuys seine Installation für die documenta 6 in Kassel nicht gemeint. Keine statische Skulptur sollte 1977 seiner Free International University, dem eigentlichen Beitrag zur Weltkunstausstellung, stoffliche Präsenz verleihen. Eine laufende Maschine sollte das Strömen von Energie versinnbildlichen. Der Honig sollte stetig strömen wie das Blut im menschlichen Organismus, durch den Raum, in dem über die soziale Plastik diskutiert wurde.
Bonn und Duisburg zeigen Beuys im Dialog mit seinem Lehrer Lehmbruck