Bayerischen Agrargipfel steht bevor

Milchkrise: "Haben das Tal noch nicht erreicht"

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Wegen des anhaltenden Preisverfall in der Milchkrise droht über 30.000 Bauern das Aus.

München - Die Milchbauern leiden unter dem stetig fallenden Milchpreis. Bei einem Agrargipfel in der Staatskanzlei sollen Lösungswege für die Krise in der Landwirtschaft aufgezeigt werden. Doch die Standpunkte sind sehr unterschiedlich.

Vor dem bayerischen Agrargipfel zur Preiskrise in der Landwirtschaft hat es zunächst nach wie vor keine Einigkeit in Bauernschaft und regierender CSU gegeben. Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) plädierte vor Beginn des Treffens in der Staatskanzlei am Montag erneut für Maßnahmen Brüssels zu einer Beschränkung der Milchproduktion, um die Preise zu stabilisieren. „Am schnellsten und am wirksamsten würde wahrscheinlich eine obligatorische Mengenkürzung verpflichtend für alle Staaten und alle Milcherzeuger eingeführt“, sagte Brunner. Das solle zeitlich beschränkt gelten, „bis sich der Markt wieder erholt“. Der Bund solle eine Führungsrolle übernehmen

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hingegen favorisiert europaweite Selbstdisziplin der Branche, um die Überproduktion zu beenden. „Es muss um Mengendisziplin gehen“, sagte Schmidt. Der Bayerische Bauernverband lehnt Vorgaben zur Reduzierung der Milchproduktion ab, wie Verbandspräsident Walter Heidl sagte.

"Haben das Tal noch nicht erreicht"

Vor der Staatskanzlei demonstrierte der konkurrierende Bund der Milchviehhalter (BDM) mit geschätzt 1000 bis 2000 Teilnehmern und etwa 200 Traktoren gegen Schmidt und den Bauernverband. Sie forderten CSU-Chef Horst Seehofer auf, für die Entlassung seines Parteifreundes aus dem Bundeskabinett zu sorgen. „Schmidt muss weg“, stand auf mehreren Plakaten. Sowohl Schmidt als auch Heidl wurden mit wütendem Protestlärm begrüßt.

Wegen des anhaltenden Preisverfalls droht einer unbekannten Zahl der 32 000 bayerischen Milchbauern das Aus. Derzeit liegen die Erzeugerpreise deutschlandweit im Schnitt unter den Herstellungskosten. „Die Molkereien signalisieren, dass wir das Tal noch nicht erreicht haben und dass wir in den nächsten Wochen und Monaten weitere Preiskürzungen zu erwarten haben“, sagte Brunner zu den aufgebrachten Landwirten.

Bei der kurzen Rede kam es zum Beinahe-Eklat: Eine Bäuerin verschüttete eine dunkle Flüssigkeit vor dem Podium und warf der Politik vor, das Blut der Bauern zu vergießen. Der verärgerte Brunner musste vom BDM-Landesvorsitzenden Manfred Gilch wieder besänftigt werden. „Die Lage ist dramatisch, viele Bauern können ihre Nerven nicht mehr zügeln“, versuchte Gilch zu beschwichtigen. „Wir sind hier, um die bayerische Staatsregierung zu unterstützen.“

dpa

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