Parlament in Athen stimmt über neues Sparpaket ab

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Die Finanzminister der Euro-Staaten wollen in Brüssel die griechischen Reform- und Sparbemühungen überprüfen. Foto: Julien Warnand

Schuldendrama ohne Ende in Griechenland: Das Parlament berät härtere Einschnitte. Die Gewerkschaften streiken und demonstrieren dagegen. Die Alternative zu den neuen Sparmaßnahmen ist aber die Pleite des seit 2010 taumelnden Krisenlandes.

Athen/Brüssel (dpa) - Im griechischen Parlament hat am Morgen der letzte Tag der Debatte über ein neues hartes Sparprogramm mit Rentenkürzungen und Erhöhungen der Einkommenssteuer begonnen. Am späten Abend soll darüber namentlich abgestimmt werden.

Die Gewerkschaften laufen gegen diese Maßnahmen Sturm. Am Montag steht das Thema abermals bei den Euro-Finanzministern in Brüssel auf der Tagesordnung. Die Hoffnungen, dass es bereits bei dem Sondertreffen grünes Licht für weitere Hilfen gibt, sind jedoch sowohl in Brüssel als auch in Athen gering. Diplomaten rechnen damit, dass sich die Verhandlungen noch bis zum regulären Treffen der Finanzminister am 24. Mai hinziehen werden.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht das Krisenland auf einem guten Weg. "Wir sind gerade bei der ersten Überprüfung des Programmes, und die Ziele sind so gut wie erreicht", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die europäischen Finanzminister würden am Montag "erste Diskussionen darüber führen, wie man die Schulden für Griechenland langfristig tragfähig machen kann". Vor allem der Internationale Währungsfonds (IWF) macht sich dafür stark, schnell über Schuldenerleichterungen zu verhandeln. Das Thema müsse "sofort auf den Tisch", schrieb IWF-Chefin Christine Lagarde an die 19 Eurozonen-Länder.

Die griechischen Wirtschaftsdaten seien besser als erwartet, sagte Juncker. Die Kommission gehe von einer Rückkehr zum Wachstum im zweiten Halbjahr 2016 aus, das sich im kommenden Jahr noch beschleunigen werde. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone sei schon im vergangenen Jahr keine Option gewesen "und ist es jetzt erst recht nicht".

Aus Protest gegen weitere Rentenkürzungen und Erhöhung der Einkommenssteuer versammelten sich bereits am Vormittag mehrere Tausende Menschen vor dem griechischen Parlament. "Nieder mit den Sparmaßnahmen-Fallbeil für unsere Renten", hieß es auf Transparenten, wie das griechische Fernsehen zeigte. Zu der Demonstration hatte die kommunistische Gewerkschaft PAME aufgerufen. Die Polizei schätzte, die Zahl der Demonstranten auf etwa 5000 Menschen, berichtete das Staatsradio. Am Nachmittag wollten auch die Gewerkschaft der Staatsbediensteten (ADEDY) sowie der Dachverband des privaten Bereichs (GSEE) vor dem Parlament gegen das Sparpaket in Höhe von 5,4 Milliarden Euro demonstrieren.

Das Sparpaket hat ein Volumen von insgesamt 5,4 Milliarden Euro. Das Parlament entscheidet am Sonntagabend über Rentenkürzungen mit denen 1,8 Milliarden Euro gespart werden sollen. Zudem sollen weitere 1,8 Milliarden Euro durch Steuererhöhungen in die Staatskassen fließen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Parlament über Erhöhungen der indirekten Steuern in Höhe von 1,8 Milliarden Euro entscheiden.

Die Regierung unter dem linken Premier Alexis Tsipras verfügt über eine knappe Mehrheit von 153 Abgeordneten im Parlament mit 300 Sitzen. Die Sparmaßnahmen sind Voraussetzung für weitere Hilfen seitens der Gläubiger für das von der Pleite bedrohte Griechenland. Die Mittel würden aus dem im Sommer 2015 grundsätzlich vereinbarten dritten Hilfspaket stammen. Griechenland wird bereits seit 2010 mit internationalen Krediten vor der Pleite bewahrt.

Vor allem der IWF fordert weitere Sparanstrengungen in einem Umfang von 3,6 Milliarden Euro. Die Schritte sollen aber nur in die Tat umgesetzt werden, falls das Krisenland Budgetziele nicht erreicht. Das "Sparpaket auf Vorrat" ist umstritten: Der IWF ordnet den griechischen Staat in einer weitaus prekäreren finanziellen Lage als die Europäer ein. Die Europäer unterstützten die IWF-Forderung, denn sie wollen den Weltwährungsfonds beim dritten Hilfspaket in Höhe von von bis zu 86 Milliarden Euro mit an Bord haben. Die Regierung in Athen sieht indes keine Chance, einen solchen Vorratsbeschluss durchs Parlament zu bekommen.

Der IWF verlangt zudem von der Eurozone unverzügliche Verhandlungen über Schuldenerleichterungen für Griechenland. Einen entsprechenden Brief von IWF-Chefin Christine Lagarde hatte am Freitag ein IWF-Sprecher in Washington bestätigt. "Ich kann bestätigen, dass es den Brief gibt", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Die Gespräche über weitere Haushaltseinsparungen in Griechenland in Höhe von drei Milliarden Euro seien fruchtlos. Die Vereinbarung mit der EU, mittel- und langfristig einen Haushaltsüberschuss (ohne Schuldendienst) von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erwirtschaften, sei unrealistisch. Dieses Ziel müsse auf 1,5 Prozent nach unten korrigiert werden. "Machen wir uns nichts vor - dieses höhere Ziel wäre nicht nur sehr schwer zu erreichen, es wäre möglicherweise auch kontraproduktiv", schrieb Lagarde. Um 3,5 Prozent zu erreichen, müsste Griechenland noch heftiger sparen.

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