Ökonomen prognostizieren

Eingliederung von Flüchtlingen in Arbeitsmarkt dauert Jahre

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ARCHIV - Dozent Ludwig Pschierl (2.v.l.) erklärt den Teilnehmern des Projektes PIA (Pakt für Integration und Arbeit) für Flüchtlinge in einer Metallbau-Werkstatt in Miesbach (Bayern) die Arbeit mit einem Messschieber.

Frankfurt/Main - Deutschland altert - da kommen Hundertausende potenzielle neue Arbeitskräfte gerade recht. Doch viele Flüchtlinge sind noch ohne Job. Ökonomen werben für größere Anstrengungen.

Die Zuwanderung von Flüchtlingen ist trotz der schleppenden Integration in den Arbeitsmarkt nach Einschätzung von Ökonomen langfristig ein Gewinn für das alternde Deutschland. Durch ihre erfolgreiche Eingliederung könne „ein erheblicher Teil des demografisch bedingten Rückgangs des Trendwachstums in den nächsten 10 bis 15 Jahren vermieden werden“, bekräftigte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Nach seiner Einschätzung werden sich die Ausgaben von schätzungsweise gut 20 Milliarden Euro, die in den nächsten Jahren anfallen werden, „langfristig auszahlen“.

Folkerts-Landau hatte im Dezember gesagt: „Die Flüchtlinge sind das Beste, was Deutschland passieren konnte.“ Die Zuwanderung von Menschen etwa aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak sei „nach der Wiedervereinigung das Zweitbeste, was Deutschland passieren konnte, um seine Perspektiven zu verbessern und zukunftsfähig zu bleiben“.

Doch die Integration dieser Menschen in den deutschen Arbeitsmarkt verläuft schleppender als erhofft, wie die jüngste Bilanz der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt. Es werde „viel Geld kosten und lange dauern“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in der vergangenen Woche am Jahrestag von Kanzlerin Angela Merkels „Wir schaffen das“. Oft fehlt es an Sprachkenntnissen oder ausreichender Ausbildung.

„Mittlerweile haben auch die Optimisten eingesehen, dass sich die Integration der Flüchtlinge nicht in ein paar Jahren bewältigen lässt“, meinte Folkerts-Landau. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise pflichtet ihm bei: „Aus Erfahrungen der Vergangenheit wissen wir, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt im Durchschnitt eine Reihe von Jahren benötigt. Von daher brauchen wir einen langen Atem bei der Förderung der Integration.“ Entscheidend für eine erfolgreiche Eingliederung von Zuwanderern sei, „ihre Sprachkenntnisse und ihre schulische und berufliche Ausbildung rasch und nachhaltig voranzubringen“, erklärte Heise.

Folkerts-Landau warb für weitere Anstrengungen: „Gerade wurde berichtet, dass zum Start des neuen Ausbildungsjahres noch über 170 000 Lehrstellen unbesetzt sind. Dieser Mangel wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Es gibt keinen Grund, warum die zum großen Teil jugendlichen Migranten nicht dafür fit gemacht werden können.“

Der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt betonte: „Eine erfolgreiche Integration dürfte die in weiten Teilen saturierte und auf die - zum Scheitern verurteilte - Verteidigung des Status quo konzentrierte deutsche Bevölkerung überzeugen, dass es sich lohnt, Neues zu wagen und dabei auch allzu verkrustete Strukturen über Bord zu werfen.“

dpa

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