"Spatz von Avignon"

Mireille Mathieu wird 70: beliebt und zeitlos wie eh und je

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Mireille Mathieu feiert 70. Geburtstag.

Paris - Mireille Mathieu singt noch heute wie vor 50 Jahren. In Frankreich gehört die französische Sängerin zum nationalen Kulturerbe. In Deutschland wird der „Spatz von Avignon“ verehrt.

Schwarzer Pagenkopf, porzellanweißer Teint und rot geschminkte Lippen: So steht Mireille Mathieu seit Jahrzehnten auf der Bühne. Auch die kraftvolle und glockenhelle Stimme der kleinen Französin hat sich nach mehr als 1000 Liedern nicht verändert. Seit einem halben Jahrhundert singt sie von Liebe und Leid. Mathieu, die an diesem Freitag (22. Juli) 70 Jahre alt wird, hat jeden Musiktrend überlebt. Sogar die amerikanische Popsängerin Lady Gaga würde gern einmal mit Mathieu gemeinsam singen.

In einer sich immer schneller verändernden Welt verkörpert Mathieu Zeitlosigkeit. Sie fühle sich in ihrer Haut wohl, erklärte sie in einem Interview. Sie sei eben so gestrickt. Auch bei ihrem Publikum findet man diese Beständigkeit. Noch heute füllen ihre Fans die Musikhallen weltweit.

In Frankreich wird die nur 1,53 Zentimeter große Mathieu la „Grande Dame“ genannt. Denn die Sängerin gehört mit mehr als 130 Millionen verkauften Tonträgern kommerziell zu den erfolgreichsten französischsprachigen Sängerinnen. Im Jahr 2014/15 hat sie ausgiebig ihre 50-jährige Karriere gefeiert - mit einer Dreifach-Best-of-CD und einer ausverkauften Tournee durch mehrere Länder.

Oktoberfest 2015 mit Florian Silbereisen und ihrer Schwester Matite.

Mathieu gehört neben Dalida und Edith Piaf zum nationalen Kulturerbe Frankreichs. Sie sang Duette mit der schwedischen Popgruppe Abba, dem spanischen Opernsänger Plácido Domingo und dem deutschsprachigen Star-Entertainer Peter Alexander. Im Jahr 1984 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft, 1999 wurde sie Ritterin der Ehrenlegion in Frankreich.

Ihr Erfolgsgeheimnis? Der Kontakt zum Publikum. „Ich glaube, die Menschen spüren, dass ich es liebe, auf der Bühne zu stehen“, lautet seit Jahren die Antwort der Musikerin. Die Deutschen haben eine besondere Schwäche für die in der südfranzösischen Stadt Avignon geborene Sängerin. Mehr als ein Drittel ihrer Tonträger verkaufte sie in Deutschland. Bei ihrer 50-jährigen Jubiläumstour begeisterte sie ihre Fans in zehn deutschen Städten. Mit „Hinter den Kulissen von Paris“ erreichte sie 1969 den dritten Platz der deutschen Hitparade.

„Der Spatz von Avignon“, wie Mathieu im Land des Schlagers genannt wird, spielt Titel in den verschiedensten Sprachen ein, unter anderem auch in russisch und chinesisch. Zu ihren Welterfolgen gehören „Pariser Tango“ und „Akropolis Adieu“. In Französisch zu singen, sei für sie sehr wichtig: „Die französische Sprache sei so bedeutend wie der Eiffelturm.“

Mathieu ist die Älteste von 14 Geschwistern und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihr Vater, ein Steinmetz, habe ihr die Liebe zur Musik vermacht. Ihre ersten Auftritte hatte sie schon als Kind in der Kirche und auf Festen. Weil sie unter Legasthenie litt, verließ sie die Schule und begann in einer Papierfabrik zu arbeiten, wo sie Briefumschläge faltete. 1964 gewann sie den Wettbewerb für unbekannte Musiktalente in Avignon. Über Nacht wurde aus der einstigen Hilfsarbeiterin ein Star.

Die Sängerin ist katholisch und konservativ, eine Frau, von der keine Skandale bekannt sind und keine Geschichten. Nur wenig ist über ihr Privatleben publik geworden. Sie meidet die Sonne, schläft durchschnittlich neun Stunden, isst vorzugsweise Bioprodukte, raucht nicht und trinkt (Bordeaux und Champagner) nur in Maßen. Und über Liebe singt sie viel, redet aber kaum darüber. Es habe durchaus Männer in ihrem Leben gegeben. Aber eine große Liebe habe sie nicht erlebt, sagte sie einer deutschen Zeitschrift. Verheiratet war sie nie.

Im März diesen Jahres ist ihre Mutter im Alter von 94 Jahren gestorben. „Meine Mama fehlt mir sehr, und meine Trauer ist unermesslich“, sagte die Sängerin vor kurzem in einem Interview der Musikzeitschrift „Meine Melodie“. Ob sie ihren Geburtstag feiern werde, wisse sie deshalb noch nicht.

dpa

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