Jan Tschernoster: „Man wird nicht Profi, nur weil man die Oder-Rundfahrt gewinnt“

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Jan Tschernoster (rechts) im Gelben Trikot und an der Seite des Hammer Etappensiegers Aaron Grosser.

Werne - Der Bergkamener rad-net ROSE-Fahrer Jan Tschernoster hat seinen Vorjahreserfolg bei der 37. Oderrundfahrt wiederholt (WA berichtete).

Eine Woche nach seiner Silbermedaille bei der U23-DM war der 19-Jährige war als Gesamtführender auf die 151,2 Kilometer lange Schlussetappe gegangen und beendete das Teilstück im Hauptfeld, wodurch er souverän die Führung verteidigte. Am Ende gewann Tschernoster die viertägige Rundfahrt mit 35 Sekunden Vorsprung auf seinen Nationalmannschaftskollegen Jasper Frahm (LKT-Team Brandenburg). Nach diesem neuerlichen Erfolg sprach WA-Redakteur Frank Zöllner mit dem früheren Fahrer des RSC Werne und über seine Pläne für die Zukunft.

Herzlichen Glückwunsch zum Gesamtsieg bei der Oder-Rundfahrt, eine Woche nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der U23-DM im Zeitfahren. Du hast einen Lauf, oder?

Jan Tschernoster: Im Moment klappt es wirklich gut. Aber es war auch mehr oder weniger so vom Trainigsaufbau so, dass wir den Schwerpunkt besonders auf die Deutsche Meisterschaft als ersten Saisonhöhepunkt gelegt haben.

Ist die Titelverteidigung höher zu bewerten als der Sieg im Vorjahr? Schließlich kannte die Konkurrenz dich ja jetzt genau.

Tschernoster: Ich denke nicht. Es ist vergleichbar. In diesem Jahr war ich mit der Nationalmannschaft am Start und entsprechend stark war unser Team. Von unseren sechs Leuten waren alle in der Lage, die Rundfahrt zu gewinnen. So hatten wir in diesem Jahr eine sehr gute Ausgangsposition. Nachdem ich das Zeitfahren für mich entschieden habe und das Gelbe Trikot übernommen hatte, war klar, dass wir das verteidigen wollten. Und in der anschließenden Etappe haben wir Jasper Frahm aus unserem Team noch von Position drei auf Platz zwei gebracht. Das war schon eine hervorragende Ausgangsposition für das Finale.

Welche Ziele gibt es im weiteren Saisonverlauf?

Tschernoster: Das wird man sehen, welche Einsätze ich bekomme. Jetzt ist er einmal ein bisschen Ruhe und Rausnehmen aus den Wettkämpfen angesagt, damit ich richtig gut für die zweite Saisonhälfte in Form bin.

Am vergangenen Wochenende ist die Tour de France gestartet. Wie intensiv verfolgst du das Geschehen dort?

Tschernoster: So weit wie möglich. Am Sonntag habe ich nur eine Zusammenfassung nach der Rückkehr am späten Abend gesehen. Am Samstag haben wir zwischen den zwei Etappen die Tour geschaut. Ich werde schon die ein oder andere Stunde vor dem Fernseher verbringen.

Wie weit siehst Du dich von einer großen Rundfahrt noch entfernt?

Tschernoster: Ganz weit. Absolut. Das ist ja eine ganz andere Liga. Ich studiere ja auch noch parallel. Die Oder-Rundfahrt zu gewinnen ist schon ein Erfolg. Das ist aber eine nationale Rundfahrt, die nicht von der UCI eingruppiert ist. Man wird jetzt nicht Profi, nur weil man die Oder-Rundfahrt gewonnen hat. Klar fahren wir auch das ein oder andere Profirennen mit. Wir sind ja als rad net ROSE Team in der dritten K/T-Kategorie einsortiert. Um ganz oben mitfahren zu können, muss man dabei schon ein paar Ergebnisse vorweisen können.

Wie bewertest Du die Aussagen vom Tour-Führenden Peter Sagan, der viele Fahrer bei der Tour für zu wild und unberechenbar hält...

Tschernoster: Da kann ich kein Urteil zu abgeben. Ich fahre ja erst in meinem zweiten Männerjahr. Daher kann ich nicht sagen, wie es vor drei oder vier Jahren war. Da war ich noch bei den Junioren und das ist nicht vergleichbar.

Ganz frei von Verletzungen bist Du bislang auch nicht geblieben. Anfang Mai warst Du ja in einem Massensturz beim Fleche du Sud verwickelt und hattest eine Rippenprellung...

Tschernoster: Das war eine heftige Geschichte und so etwas hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt. Aber es ist halt so, dass Du das nie ganz verhindern kannst. Man kann ja nicht immer ganz vorne oder ganz hinten fahren, um Stürze aus dem Weg zu gehen. Mit einer geschickten Fahrweise kann man zwar das Risiko minimieren. Aber wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, dann erwischt es einen.

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