Tränenreicher Abschied aus Bergkamen für Sarah Connelly

Die Gastfamilie und enge Freunde nahmen Abschied: (vorne von links) Alina Padding, Sarah Connelly, Daline Eisenhuth (hinten von links) Thomas und Susanne Eisenhuth, Mutter Mary Connelly und Dirk Hanke, sportlicher Leiter des ECB. - Fotos: Tatenhorst

Bergkamen -„Ich kann kaum glauben, dass die Zeit um ist“, sagt Sarah Connelly. Vor acht Monaten kam die amerikanische Eishockeyspielerin für eine Auslandssaison zu den Bergkamener Eisbärinnen. „Damals dachte ich, was für eine lange Zeit das wäre.“

Doch in dieser Woche hieß es Abschied nehmen – zuletzt von ihrer Gastfamilie, an den Tagen zuvor von Mitspielerinnen, Trainingskids und Gesamtschülern. Denn Sarah Connelly stand nicht nur selbst als Spielerin auf dem Eis, sie gab ihr Wissen auch an andere weiter und trainierte neben Vereinskindern auch eine AG an der Willy-Brandt-Gesamtschule und brachte sich dort in den Englischunterricht ein.

Viele Freunde gewonnen

„Es gab viele Tränen“, erzählt Sarah, die selbst nicht so genau weiß, was sie eigentlich fühlt. Auf der einen Seite freut sie sich auf die Heimat, auf ihre Familie, ihren Freund, ihre Hunde und das gewohnte Leben als Eishockey-Coach bei einem Club, der Verbindungen in die NHL hat. Zum anderen ist sie traurig, zu gehen. „Ich kam nur hierher, um Eishockey zu spielen, aber es passierte so viel mehr.“

Was genau, haben Gastfamilie und neugefundene Freunde in einem Fotoalbum festgehalten, das sie Sarah am Mittwochabend bei einer kleinen Abschiedsparty überreichten. „Da ist ja alles drin, jeder Moment“, freute sich Sarah.

Stammgast auf der Sunray Ranch

Der erste Abend, als sie gleich mit zu einer Party musste, Tickets für Eishockey-Spiele, Eintrittskarten und Bilder vom Movie Park, Fotos vom Bierkrug-stemmen, das Sarah beim Oktoberfest der CDU mit Bravour gewann, vom Trip nach Irland, wie sie an Thanksgiving für ihre Gastfamilie Truthahn kochte und natürlich vom Karneval. „Der Zug fiel ja leider aus“, bedauert Gastmutter Susanne Eisenhuth, „aber wir haben im Werner Kolpinghaus gut gefeiert.“

Verkleidet war Sarah als Cowgirl. „Das war lustig, es gibt nichts vergleichbares bei uns“, erzählt sie lachend, doch eine echte Verkleidung war es für sie ohnehin nicht. „Ich komme aus Tennessee und Michigan. Wir sind die Hochburg des Country-Stils. Country-Musik ist quasi unsere Hymne.“

Vielleicht fühlte sie sich auch deshalb auf der Bergkamener Sunray Ranch so wohl, wo sie mit Gastschwester Daline die Pferde pflegte und in Albert Schulz einen Gesprächspartner fand. Der schrieb ihr ins Fotoalbum, dass sie auf der Sunray Ranch immer willkommen sei.

Schwieriger war es da für sie, auf der Eisfläche heimisch werden zu werden. Die Mitspielerinnen machten es ihr menschlich zwar leicht, aber die Spielweise war für die Amerikanerin doch sehr ungewohnt. Sie war es gewohnt, mit dem Puck zu skaten und durch den Gegner zu kreuzen.

„Hier wird eine ganz andere Strategie gespielt, es war schwer, diesen neuen Stil zu lernen“, gibt sie zu, zumal sich ihr nicht immer Sinn der erschloss.

Besuch der Gastfamilie ist schon geplant

Der in Deutschland übliche schnelle Pass ins andere Drittel sei für Amerikaner und Kanadier oft ungewohnt, weiß Dirk Hanke, Sportlicher Leiter beim EC Bergkamen. Dennoch ist er begeistert, welchen Spirit Girls wie Sarah Connelly immer wieder mit ins Team bringen. „Es ist ein Lerneffekt, die Schludrigkeit ist vorbei, die bei den Deutschen immer wieder Einzug hält“, beobachtete Hanke. Der Gast hätte wieder den Ehrgeiz der anderen Damen geweckt.

Den Kontakt nach Deutschland wird Sarah in jedem Fall halten. „Das ist in unserer Zeit so einfach geworden“, sagt sie. Und bald schon wird es ein Wiedersehen geben: Ihre beste neue Freundin Alina wird im August zu ihr nach Amerika fliegen, ihre Gastfamilie über Silvester.

Abgeholt wurde Sarah von Mutter Mary, mit der sich noch eine zehntägige Europareise unternahm. Die Terrorangriffe hier machten beiden Angst. „Ich war noch nie so nah dran. 9/11 war viel, viel weiter weg“, sagt Sarah.

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