Schlusslicht SV Herbern: Videoanalyse statt Training

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Tief enttäuscht: Der derzeit außer Form agierende SVH-Kreativspieler Bastian Schütte.

Herbern - Die Spieler saßen lange auf dem Boden, der Blick von Co-Trainer Bernd Löcke ging ins Leere und der von Trainer Holger Möllers war auf den Boden gerichtet.

Keine Frage, die 2:3-Heimniederlage im Kellerduell der Landesliga 4 gegen das bisherige Schlusslicht RW Deuten hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. „Das zu verarbeiten war schwer. Das steckt heute noch in den Knochen“, sagte SVH-Trainer Holger Möllers am Montagmittag.

Sein Team, dass nach dem 6:1-Premierensieg beim SV Burgsteinfurt Spitzenreiter war, ist nach sechs sieglosen Spielen inklusive fünf Niederlagen am Tabellenende angekommen. Dabei sei im näheren Umfeld der Mannschaft Ruhe. „Für mich ist das beruhigend“, spürt Möllers die volle Rückendeckung durch die Vereins-Verantwortlichen.

„Wir sind leider nicht gefestigt genug. Welche sind nicht in Form und einige nicht bei hundert Prozent. Das hatte ich so nicht erwartet, dass wir nach einem Negativerlebnis so zusammenbrechen“, musste der 45-Jährige erkennen.

Möllers meinte das Handspiel von Kapitän Nils Venneker nach zwölf Minuten im Strafraum, dass durch Urbans Strafstoß das frühe 0:1 bedeute (12.). Weil kurz darauf Wilke unbedrängt flankte und Goecke in der Mitte viel Platz hatte, stand es 0:2 (18.).

Möllers zeigt sich einigermaßen ratlos. „Gefühlt ist es die falsche Maßnahme, draufzuhauen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wir uns das Spiel am Dienstag gemeinsam anschauen und dafür das Training sausen lassen.“

Anweisungen komplett ignoriert

Zum Beispiel würden die Spieler sehen, wie sie nach der Pause komplett die taktischen Anweisungen ignorierten. „Wir agieren nach dem schnellen 1:3 nur mit langen Bällen. Wir hatten aber etwas anderes besprochen und wollten weiter so wie in der Anfangsphase über die Außen kombinieren“, sagte Möllers: „Wir hatten ja noch genug Zeit, um zu Chancen zu kommen. Aber so nehmen wir unsere starken Leute aus dem Spiel“, bemängelte Möllers. So hing Mittelstürmer Dennis Kaminski genauso in der Luft wie der später als zweiter Angreifer eingewechselte Daniel Krüger.

Und es war zu erkennen, dass der SVH Schwierigkeiten hatte, in den gegnerischen Strafraum vorzudringen. Den ersten Torschuss nach der Pause für die Blau-Gelben gab es nach 85 Minuten durch Dominick Lünemann.

Bei einer Videoanalyse käme auch ein weiterer Aspekt zum Tragen, wenn die Akteure ihre Spielweise erläutern sollten: „Die Spieler müssen sich selbst hinterfragen, genau wie ich das mache. Ich habe am Sonntag viele Meinungen eingeholt, warum es so läuft. Aber jeder hat seine eigene dazu“, erzählt der SVH-Coach, der seine Ursachensuche für den sportlichen Absturz weiter betreiben muss. Offensichtliche Dinge wie „wir machen zu viele Fehler und bekommen zu viele Gegentore“ (Möllers) sind erste Erkenntnisse, im nächsten Schritt muss er aber Lösungen finden, um diese abzustellen.

„Vielleicht setzte ich ja auf die falschen Leute“, sagte Möllers direkt nach dem Abpfiff. Aber mit Blick auf die Aufgabe beim Tabellen-Achten Westfalia Gemen muss der Trainer sein Team zwangsläufig umbauen. Denn Mondrian Runde und Marcel Scholtysik sind am kommenden Wochenende im Urlaub, mit Nils Venneker und Dennis Kaminski fehlen die ganze Woche über zwei Stützen beim Training und sind erst am Sonntag zum Spiel zurück aus dem Urlaub.

„Aber vielleicht zeigen jetzt die mir, die hinten dran sind: Ich habe auch einen Anspruch auf einen Einsatz“, sagt Holger Möllers und er hört sich dabei wie jemand an, der gerade ein 1000-teiliges Puzzle vor sich ausgeschüttet hat.

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