Serie: Was macht eigentlich?

Sascha Ehlert: Vom Fußballer zum Bergläufer

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Sascha Ehlert aus Werne und seine spanische Freundin Luisa Nevado Carrasco sind leidenschaftliche Bergläufer. Am Donnerstag startete Luisa rund um den Mont Blanc über 55 Kilometer, Sascha läuft am Freitag die 98 Kilometer lange Strecke

Werne -  In den 80er- und 90er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Sascha Ehlert als Fußballer ein unermüdlicher und vom Gegner gefürchteter Mittelfeldkämpfer. Nun läuft der 47-Jährige mittlerweile am liebsten Berge hinauf. Am Freitag wollte er auf einer Strecke von 98 Kilometern den Mont Blanc umrunden und dabei etwa 6 000 Höhenmeter absolvieren. Und das hat er auch geschafft.

Ein Renner war der torgefährliche Spieler des damaligen Bezirksligisten VfL Werne, dem Vorgängerverein von Eintracht, schon immer. In der Saison 1995/96 schaffte er mit seinem Verein unter Spielertrainer Peter Schemann den Gewinn die Kreismeisterschaft und wurde von den Trainern der 15 Liga-Konkurrenten wie SuS Olfen und dem damaligen SSV Werne zum Spieler der Saison gewählt.

2001 nach Spanien ausgewandert - der Liebe wegen

Nach der Saison 2000/01 war aber Schluss – und das hatte nichts mit dem bitteren Abstieg aus der Bezirksliga zu tun, sondern mit einer Wohnort-Wechsel von Werne ins spanische Denia. Die Stadt an der Costa Blanca in der Provinz Alicante ist zwar als beliebter Auswanderungsort für deutsche Rentner bekannt, doch Ehlert zog mit seiner aus der Region stammenden spanischen Freundin Luisa Nevado Carrasco in ihr Heimatland. Mit ihr lebte er zuvor auch einige Jahre in Werne.

Der frühere Fußballer arbeitete an der spanischen Ostküste in seinem angestammten Beruf als Metzger. „Da hatten wir uns irgendwann in den Kopf gesetzt, den Marathon in New York zu laufen“, sagt Ehlert.

Daraus wurde bislang nichts, aber da direkt vor den Toren Denias der 750 Meter hohe Hausberg Montgo liegt, hatten Sascha Ehlert und seine Freundin eine andere Herausforderung gefunden. „Das war abwechslungsreich, ich habe Spaß gehabt und mich gut gefühlt“, erinnert sich der Ausdauerläufer an seine ersten Bergläufe.

Leben und arbeiten in der Nähe von Zürich

In der Folgezeit bildete sich eine Clique von Gleichgesinnten heraus, die später auch andere Berge hinauf lief. Es folgte irgendwann der erste gemeinsame Langstrecken-Wettkampf über 63 Kilometer, inklusive 3 700 Höhenmetern. „Wir wussten nicht so recht, was uns erwartet. Aber wir haben ihn alle geschafft“, erinnert sich Ehlert.

Im November 2014 folgte ein Lauf über 85 Kilometer und mit 5 500 Höhenmetern in der Sierra de Aitana in der Nähe von Benidorm. Dafür brauchte der Ausdauerläufer 16 Stunden.

Sascha Ehlert (unten, Zweiter von rechts) im Jahr 2000/2001 in seiner letzten Saison im Fußballdress beim damaligen Bezirksligisten VfL Werne, u.a. mit seinem Bruder René (Vierter oben von links).

Seine Ausstattung ist natürlich auch auf das Laufen in dem unwegsamen Gelände mit unterschiedlichsten Temperaturen und Wetterlagen ausgerichtet. „Ich habe gute Wetterkleidung und laufe mit einer Kopfleuchte. Auch einen Nachtmarathon habe ich bereits absolviert“, berichtet Ehlert, der nun lieber außergewöhnliche Läufe absolviert.

Seit August 2015 arbeitet und lebt er in der Nähe von Zürich – und führt mit Luisa entsprechend eine Fernbeziehung. Immerhin kann er in der Schweiz sein Hobby ausgiebig ausleben.

Er läuft bei jedem Wetter, im Herbst, im Winter und im Frühjahr. „Regen macht mir nichts aus. Ich habe bei Schnee und Matsch trainiert, aber gut wäre es, wenn es nicht zu warm wäre“, sagt der Werner, der im Schnitt vier- bis fünfmal pro Woche den Weg in die Berge sucht.

Als er vom Ultra-Trail du Mont Blanc (abgekürzt UTMB) als einen Ultramarathon hörte, war sein Ehrgeiz geweckt.

Ehlert entschied sich für den Lauf über 98 Kilometer, der auf Trails von Courmayeur über Champex nach Chamonix (CCC) führt und der zweitlängste im Angebot ist. Er musste sich für einen Platz bewerben und ist einer von 7 500 Startern. Seine Freundin Luisa startete am Donnerstag beim Berglauf auf 55 Kilometer und hatte auch Glück, dass sie nachrücken konnte. Denn sie war sich erst noch nicht sicher, ob sie sich der Herausforderung stellen sollte.

Für den Lauf am Freitag auf der Strecke plante Ehlert mit einer Zeit von 20 bis 24 Stunden. „Ich den letzten drei Wochen konnte ich allerdings kaum trainieren, weil ich so viel arbeiten musste“, sagt Ehlert. Deshalb musste er in dieser Woche noch einiges an Training nachholen. Und das hat sich gelohnt: Nach 23 Stunden und 40 Minuten lief er durchs Ziel.

Für den Lauf rund um den höchsten Berg der Alpen suchte er noch seine Schwester Kirsten in Bern auf, die dort mittlerweile mit ihrem Mann Matthias Gentz lebt. Sie sorgte mit reichlich Beinmassagen dafür, dass die Muskeln für das Abenteuer präpariert sind. Danach folgte die Anreise mit einem paar Tagen Urlaub in Chamonix. Wobei der Hauptanteil des Urlaubs für Luisa und Sascha darin bestanden hat, die Berge hochzulaufen...

Neue Serie:

In Werne, Bergkamen und Herbern gab und gibt es unzählige Sportler, die nach ihrer aktiven Laufbahn eher ungewöhnliche Wege eingeschlagen haben. In einer Serie stellt der Westfälische Anzeiger nun einzelne dieser ehemaligen Athletinnen und Athleten vor – und vor allem das, was sie heute antreibt.

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