Marvin Pourie klagt: In Deutschland bekomme ich keine Chance

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Marvin Pourie will einen Neuanfang beim dänischen Randers FC – in Deutschland bekommt er derzeit keine Chance.

Werne - Fast sechseinhalb Jahre sind vergangen, seit der nun beim dänischen Erstligisten Randers FC spielende Marvin Pourie nach einer Rangelei mit Torben Hoffmann im Training beim Zweitligisten TSV 1860 München auf Anraten seines Vaters Rüdiger Pourie mit den Worten „Marvin, komm’ wir gehen!“ vom Feld beordert wurde.

Die Konsequenzen daraus spürt der mittlerweile 25-jährige Werner immer noch – und bezieht im Gespräch mit der WA-Sportredaktion erstmals Stellung zu dem Vorkommnissen aus dem April 2009.

„Was mich unglaublich nervt ist, dass mich keiner gefragt hat, was passiert ist“, sagt Marvin Pourie nun. Und er klagt zwei Spieler der „Löwen“ an, dass sie ihn „fertig machen wollten. Denn zwei gestandene Zweitliga-Spieler hatten sich auf ein Talent eingeschossen und beim Training gesagt: ‘Jetzt treten wir ihn krankenhausreif’ – was jeder auf dem Platz gehört hat, auch der damalige Interimstrainer Uwe Wolf“.

Schutz vom Trainer fehlte

Aber Wolf habe eben eine schwache Position gehabt und habe nicht seine schützende Hand über einen Nachwuchsspieler gehalten, wie es seine Aufgabe gewesen wäre. Stattdessen ließ er seine Routiniers gewähren.

„Es war nur eine Frage der Zeit, wann es eskaliert“, beschreibt Pourie die aggressive und angespannte Atmosphäre beim Training. Dass sein Vater als Zaungast nach der Prügelei – ausgelöst durch ein übles Foul – eingegriffen habe, sei zwar im Nachhinein ein Fehler, aber komplett verständlich: „Welcher Vater beschützt nicht seinen Sohn?“, fragt der neunfache U18-Nationalspieler.

Dafür wurde die Schalke-Leihgabe von Uwe Wolf umgehend gefeuert: „So lange ich Trainer bin, wird Pourie nicht mehr im Kader sein“, sagte er damals.

Und Pourie antwortet mit Verspätung: „Ich entschuldige mich jetzt dafür, dass ich vom Platz gegangen bin. Das hätte nicht sein müssen.“

„Leute erzählen, ich sei ein Störfaktor“

Die Auswirkungen sind bis heute spürbar für den Angreifer. „Dadurch wurde einem jungen Spieler die Chance verbaut, in Deutschland Fuß zu fassen. Das kann ich nicht verstehen“, sagt Pourie rückblickend – und das durchaus verbittert: „Ich bekomme in meinem eigenen Vaterland keine Chance mehr, nicht einmal in der zweiten Liga. Denn das von damals ist noch nicht vom Tisch. Es wird in Deutschland immer noch rumerzählt, dass ich ein Störfaktor bin. Und zuletzt hieß es bei einem ambitionierten Zweitligisten, der nun ganz tief im Keller steht, dass er eine Verpflichtung irgendwie verkaufen müsste, weil ich so ein schwieriger Typ sei. Aber ich weiß nicht, woher die Leute das nehmen.“

Und weiter erklärt der Werner: „Wenn ich so wäre, wie die Leute über mich erzählen, hätte ich jetzt nicht den Vertrag in Randers bekommen. Ich bin hochprofessionell. Ich lebe danach und trainiere hart. Ich bin kein Typ, der am Wochenende in die Clubs geht.“

Rückblende: Da es nach dem Trainingsvorfall in München in Deutschland nicht mehr weiter ging, folgte im Sommer 2011 der Wechsel in die dänische Superliga zu Silkeborg IF. Dort wurde Pourie in den zwei Jahren bei dem Abstiegskandidaten zum Publikumsliebling, der mit seinen Toren viel Anteil hatte, dass der Provinzklub die Klasse hielt. So wurde der Renommierklub FC Kopenhagen auf den jungen Angreifer aufmerksam und stattete ihn mit einem Vier-Jahres-Vertrag aus.

Doch kurz nach der Vertragsunterzeichnung wurde Stale Solbakken neuer Trainer beim aktuellen Double-Sieger. „In Kopenhagen habe ich mir nichts zu Schulden kommen lassen und ich habe immer noch Kontakt zu einigen früheren Mitspielern. Aus sportlicher Sicht fanden Trainer und Spieler nicht zueinander. Ich habe einfach nicht in sein System gepasst und bin mehr oder weniger zweimal geflüchtet. Daran gebe ihm keine Schuld. Er ist ein akribischer Trainer. Ich wäre gerne mit Kopenhagen Meister und Pokalsieger geworden“, sagt Pourie rückblickend.

Auch in der dänischen Hauptstadt war der junge Angreifer Publikumsliebling und bei seiner Ausleihe zum Abstiegskandidaten SonderjyskE habe er auch gezeigt, „dass ich die Qualität habe“. Der jüngste Wechsel von Kopenhagen in die 1. russische Liga zum FK Ufa bezeichnet der frühere Schalker aber als großen Fehler: „Das Jahr in Russland hat mir mein Vertrauen genommen. Ich hatte auch meine Familie nicht bei mir und es kamen viele Faktoren zusammen“, sagt Pourie. Er kam nur auf elf Spieler in der Premier Liga – das letzte davon im März diesen Jahres.

Umso glücklicher ist der Stürmer nun, erneut in Dänemark eine neue sportliche Heimat gefunden zu haben. „Ich bin froh, dass Randers mit die Chance gibt, obwohl ich ein dreiviertel Jahr nicht gespielt habe. Das zeigt aber auch, dass ich bislang in Dänemark überzeugt habe.“

„Können in der Liga zur Überraschung werden“

Marvin Pourie

Nun soll der Erfolg zurück kommen. „Ich bin einfach nur überglücklich, wieder in Dänemark zu sein.“ Und dass Pourie bei einem ambitionierten Verein spielt, sorgt bei ihm für weitere Motivation: „Für mich steht jetzt erst einmal Fußball an erster Stelle. Meine Familie unterstützt mich voll und ganz dabei. Mein Ziel ist es, mit Randers unter die ersten Drei zu kommen. Ich garantiere eine Menge Tore“, sagt Pourie bei seinem wiederholten Neuanfang. Er habe ein gutes Gefühl. „Wir können die Überraschung der Liga werden. Das Potenzial und die Qualität ist enorm. Und unser Trainer ist ein Taktiker, der viele Systeme trainieren lässt und mit viel Ballbesitz spielt.“

Wegen der Wertschätzung für seine Person sei das nördliche Nachbarland seine „zweite Heimat“ geworden. „Dänemark ist der Ort, der mir hilft“, sagt Pourie – und er ist doch hörbar gekränkt, dass es anscheinend Deutschland nicht sein will.

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