Laufkolumne von Anne Mertens: Wettkampfkater – Was nun?

Anne.Kathrin Mertens

Ich mag ja Katzen nicht. Und auch keine Kater. Jetzt hab ich einen. Einen Wettkampfkater nämlich. Körperlich ja sowieso, in Muskeln und Gelenken, doch der im Kopf, der ist noch schlimmer. Vor dem Marathon war ich voller Energie und Vorfreude.

Das Training hatte einen Sinn. Am Tag des Wettkampfs noch euphorisch, Endorphine ohne Ende, stolz es wieder mal geschafft zu haben. Die ganze Welt sollte das wissen (auch wenn es sie eigentlich nicht interessiert).

Wenn man das schon öfter gemacht hat, braucht man nicht mehr ganz soviel Freude der Mitmenschen, aber als Ersttäter ist das schon wichtig. So tat mir mein Lauffreund, ein Erst-Marathoni, doch etwas leid, als er mit Glücksgefühlen geladen und Medaille um den Hals sonntags nach Hause kam und dort statt einer stolzen Umarmung seiner Frau direkt die drei kleinen Kinder auf die Nase gedrückt bekam mit den Worten: „Hier Schatz, Willkommen. Ab jetzt hab ich frei für heute.“

Ich kann sie ja durchaus verstehen. Ihn aber auch, denn er wollte doch so gern erzählen wie es war, kam allerdings gar nicht dazu, denn seine 6-jährige Tochter war beim Schwimmen erstmals vom Dreier gesprungen und quasselte wie ein Wasserfall über den Sprung in die Tiefe. Natürlich vieeeel wichtiger als Papas Marathon. Abends bei der Siegesfeier hörten wir Mitläufer ihm aber doch noch gerne zu als ER dann endlich über sein Erlebtes quasseln durfte.

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Ja und jetzt ist „The day after“, der Tag (oder besser: die Woche) nach dem Marathon. Im Kopf eine gähnende Leere - die Spannung dahin, das große Ziel erreicht. Mein verschwitztes Trikot pausiert frisch gewaschen im Regal, die Laufschuhe hab ich einfach ins Schuhregal gepfeffert. Die Laufuhr wurde nochmal kurz durchgeklickt, nun liegt sie lieblos, nicht mal aufgeladen, in der Schublade. Nachbars neugierige Fragen zum nächsten Lauf wehre ich locker ab mit „Regeneration/Laufpause“.

Die ersten drei Tage mag ich dieses „Rumhängen“ ja ganz gerne, aber was ist dann? Die Kinder fragen schon ob ich krank sei und warum ich denn nicht abends zum Training gehe. Ganz klar vorgetäuschtes Interesse, denn es geht ihnen nur darum, dass sie ihren Papa abends allein schneller um den kleinen Finger wickeln können, wenn´s um nochmal 10 Minuten Verlängerung beim ins Bett bringen geht. Aus Langeweile und Bewegungsdrang hab ich übrigens sogar letztens das Haus gewischt. Doch bevor ich nun eine Allergie gegen das Reinigungsmittel riskiere oder auf dem Wischmop ausrutsche (die meisten Unfälle passieren schließlich im Haushalt), schnappe ich mir doch sicherheitshalber am Wochenende die Laufschuhe und nehme lieber Schwielen an den Füßen vom Laufen statt an den Händen vom Wischen in Kauf. Nur Haushalt ist mir echt auf Dauer zu anstrengend.

Ach übrigens, weil so viele nachgefragt haben, ich habe ganz vergessen zu erwähnen: Das Marathon-Rennen gegen die Familienstaffel habe ich gewonnen. Wobei es natürlich nur daran lag, dass mein Mann und seine Familie leicht verletzt waren („Männerschnupfen“) sonst hätten sie mich um Längen geschlagen. (zur Info: es geht um 15 Minuten Unterschied, nicht um zwei oder drei).

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (35) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (7), Fiete (5) und Oskar (3) wohnt mit ihrem Ehemann David in Capelle und läuft mittlerweile für den SV Herbern.

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