Laufkolumne von Anne Mertens: Von Bierflaschen und Biertrinkern

+
Anne-Kathrin Mertens wird glücklich sein, wenn sie den Münster-Marathon geschafft hat.

Diese Woche ist Entspannung angesagt, denn am Sonntag ist Marathon. Der Schönste hier in der Gegend, in Münster.

Der Zieleinlauf am Prinzipalmarkt lässt die Schmerzen in den Beinen schnell vergessen und sorgt für Gänsehaut pur! Ich bin da bisher zweimal gelaufen. Einmal mit Lauffreundin Andrea vor vier Jahren, da waren es ca. 30 Grad und Sonne pur; ein richtig schöner Tag um im Garten zu liegen, aber nicht, um Marathon zu laufen. Wir sind auch ziemlich abgekackt (darf man das so schreiben?) und hätte sie mich nicht davon abgehalten: ich wäre an jedem Staffelpunkt ausgestiegen, weil von dort aus die Staffelläufer mit Bussen zum Ziel gebracht werden.

Einmal bin ich sogar extra hinter ihr langsamer geworen und wollte mich davon schleichen, aber sie zerrte mich zurück auf die Strecke: „Du wolltest hier unbedingt mitrennen und du hast dafür bezahlt, dann lauf auch weiter.“

Bei Kilometer 30 wurden wir von einem Typen überholt, der bei der Hitze in einem Ganzkörper-Bierflaschen-Kostüm lief. Ja, wir wurden von einer Bierflasche überholt. Ich hätte lieber eine getrunken. Da half auch das schöne Lied „Mein Herz läuft Marathon“ von Helene bei Kilometer 32 nix mehr – ich war mehr als bedient.

Als uns bei Kilometer 37 ein super motivierter Typ mit witzigen Sprüchen zum Weiterlaufen aufmuntern wollte (wir gingen schon wieder), hab ich dem nur ‘nen Vogel gezeigt und gesagt: „Reicht, wenn ich bei Kilometer 41 nochmal laufe, da stehen die Zuschauer.“

Ja, das war eine echte Hitzeschlacht – und gar nicht mehr lustig. Seit dem Tag quatsche ich übrigens auch keine gehenden Läufer bei Wettkämpfen mehr an – so „Komm lauf doch weiter, ist nicht mehr weit.“ Weil ich selber weiß, dass man ja meistens einen guten Grund hat, wenn man geht.

Dafür war es im letzten Jahr umso schöner und der Lauf steht jetzt immer fest auf dem Plan. Vor allem muss man nicht so weit fahren und ist nachmittags wieder zuhause.

Mein Mann läuft übrigens auch mit, in der Familien-Staffel. Da geht´s dann um die Ehre: bin ich alleine schneller oder sie als Staffel? Ich werde berichten...

Diese Woche also Beine schonen: So nach dem Motto: die Ruhe vor dem Sturm. Da kommt auch der Firmenlauf in Hamm alle Jahre wieder genau richig. Fünf Kilometer FunRun mit den Kollegen. In diesem Jahr waren über 6 000 Läufer, Walker und Spaziergänger unterwegs. Da ist Slalom laufen angesagt herum um die walkenden HotDogs, die echt lecker aussahen, dann vorbei an Flamingofrauen und den schleichenden Ladies im Blümchenkostüm rüber zu den laufenden Orthopäden, die Knochen-Hüte trugen.

Viele waren verkleidet, denn die Firma, die sich kostümmäßig am besten präsentiert, wird prämiert. Ein Blick in die Menge zeigt uns schnell: Wir haben mit unseren schlichten blauen Shirts, mit einer (Zeitungs-) Ente drauf, zwar keine Chance auf den Sieg, aber sind gut weggekommen. Vor allem die Männer, die ihren KollegINNEN zuliebe in pinken Shirts oder niedlichen Baströcken aufliefen, taten uns etwas leid.

Alle liefen also eher gemütllich, ganz nach Grönemeyers Lied „Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden“, durch Hamm. Unsere „jungen Wilden“, Azubis und Volontäre, die uns mal richtig zeigen wollen, was sie so drauf haben, warteten brav, wie vorher besprochen, in der letzten Kurve, damit wir alle gemeinsam ins Ziel laufen. Oder haben sie nur gewartet, weil der Chef das Geld fürs Ziel-Bier in der Tasche hatte? Mir fiel vor allem auf: Früher hat man den Chefs die Getränke geholt. Und heute? Holt der Chef und die Azubis trinken. Man muss mit der Zeit gehen, auch als Chef. Das gemütliche Zusammenstehen am Bierwagen nachher passte zwar eigentlich so gar nicht in meine Marathonvorbereitung, aber da bin ja spontan, was sowas angeht. Und jetzt Beine hoch bis Sonntag, Daumen drücken ab 9 Uhr...

Die gebürtige Wernerin Anne-Kathrin Mertens (35) schreibt an dieser Stelle in loser Folge über ihre Trainings- und Lauferlebnisse. Die dreifache Mutter von Frida (7), Fiete (5) und Oskar (3) wohnt mit ihrem Ehemann David in Capelle und läuft mittlerweile für den SV Herbern.

Weitere Folgen

„Ach, schon wieder neue Laufsachen...?“

Ohne Schweiß keinen Preis

Papas Flucht vor dem Mittagessen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare