Dritter Tag in Wimbledon

Nach Geduldsprobe: Zverev und Petkovic gewinnen Auftaktspiele

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Erfolgreich gestartet: Alexander Zverev steht in Wimbledon in der zweiten Runde (Archivfoto).

London - Alexander Zverev und Andrea Petkovic behalten in Wimbledon die Ruhe. Die beiden DTB-Stars gewinnen ihre am Vortag abgebrochenen Auftaktspiele.

Als Alexander Zverev nach stundenlanger Regenpause endlich sein Werk im wolkenverhangenen Wimbledon vollenden konnte, hatte Andrea Petkovic längst wieder Feierabend. Die deutsche Nummer zwei aus Darmstadt nutzte am Mittag einen der wenigen trockenen Momente zum Auftaktsieg über die Japanerin Nao Hibino. Für die letzten sieben Ballwechsel der am Vortag abgebrochenen Partie benötigte Petkovic nur noch vier Minuten.

Zverev stand am frühen Abend immerhin 22 Minuten in seiner Endphase gegen Paul-Henri Mathieu auf dem Platz. Der Teenager aus Hamburg hatte gegen den 15 Jahre älteren Franzosen am Dienstag nach Belieben dominiert - alleine der Regen verzögerte seinen Sieg (6:3, 6:4, 6:2) immer wieder aufs Neue. Am Mittwochmittag wurde die erste Fortsetzung des Matches schon während des Einschlagens abgebrochen.

Vor dieser quälend langen Hängepartie hatte sich auch Petkovic gesorgt. "Ich kannte ja die Vorhersage und habe gedacht: Das kann heute noch den ganzen Tag dauern", sagte Petkovic nach dem 3:6, 7:5, 6:2 gegen Hibino. Die 28-Jährige zog als sechste deutsche Spielerin in die zweite Runde ein. Wann das Match gegen die Russin Jelena Wesnina gespielt wird, ist allerdings noch völlig ungewiss. Der Wetterbericht für den Londoner Südwesten sagt wenig Gutes für die kommenden Tage voraus.

Petkovic: "Stimmung schlägt in Sarkasmus um"

Andrea Petkovic.

Wimbledonund Regen - das gehört schon immer zusammen. Auch wenn der Centre Court seit Jahren ein Dach hat, unter dem Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien am Mittwoch bereits in die dritte Runde einzog: Der großen Mehrzahl aller Profis bleibt nichts anderes übrig, als auszuharren und sich nicht die Laune verderben zu lassen, wenn die ersten Tropfen fallen. "Oft schlägt die Stimmung in Sarkasmus um, und es wird dummes Zeug erzählt", plauderte Petkovic über die Atmosphäre in der Kabine. Die meisten Spieler hängen jedoch am Handy, sie selbst greife zum Buch.

Die Kommunikationspolitik des Clubs sei "naja, sehr spontan", erzählte Petkovic: "Man muss entspannt bleiben. Es wird versucht, in jede Lücke ein wenig Tennis zu quetschen." Da fällt es schwer, das Essen, Einspielen und Entspannen zu planen. Als Petkovic und Hibino aufgerufen wurden, ihr Spiel beim Stand von 5:1 und 15:40 im dritten Satz fortzusetzen, aß Petkovic gerade eine Schüssel Reis.

Petkovic siegt mit vollem Bauch

Trotz des vollen Bauchs ließ sie sich den Sieg nicht mehr nehmen. Zufrieden war sie mit ihrem Auftritt nicht, "ich habe mir aber nicht erlaubt zu verlieren", sagte Petkovic. Auf dem bislang ungeliebten Rasen habe sie endlich zu ihrem Biss zurückgefunden, der ihr auf Sand abhanden gekommen war.

Zverev gab sich nach der Wiederaufnahme beim Stand von 3:0 im dritten Satz keine Blöße mehr. Der 19-Jährige folgte souverän seinen Davis-Cup-Kollegen Dustin Brown (Winsen/Aller) und Benjamin Becker (Orscholz) in die nächste Runde. Dort spielt er gegen Michail Juschni (Russland) oder Horacio Zeballos (Argentinien). Publikumsliebling Brown bekommt es mit Nick Kyrgios (Australien/Nr. 15) zu tun, während Becker auf den früheren Finalisten Tomas Berdych (Tschechien/Nr. 10) trifft.

Aus für Maria und Mayer

Die Weltranglisten-104. Tatjana Maria scheiterte dagegen als dritte deutsche Tennis-Dame in der ersten Runde. Im Duell zweier Qualifikantinnen musste sich die 28-Jährige am Mittwoch gegen Julia Boserup aus den USA 4:6, 6:0, 2:6 geschlagen geben. Die Partie war bereits am Dienstag begonnen worden. Zuvor waren auch Laura Siegemund und Julia Görges in ihren Auftaktpartien gescheitert. Im vergangenen Jahr hatte Maria beim Rasen-Grand-Slam-Turnier die dritte Runde erreicht.

Florian Mayer verlor auch sein zweites Duell mit dem Österreicher Dominic Thiem binnen elf Tagen. Der Bayreuther zog am Mittwoch nach langer Regenunterbrechung mit 5:7, 4:6, 4:6 den Kürzeren. Die Partie sollte ursprünglich schon am Dienstag gespielt werden, war dann aber wegen Regens beim Stande von 2:1 im ersten Satz aus Sicht von Mayer abgebrochen worden. Am Mittwoch wurde sie bei 4:4 erneut unterbroche. Beim Rasenturnier im westfälischen Halle hatte Mayer den French-Open-Halbfinalisten Thiem besiegt und anschließend mit dem Turniersieg den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert.

Federer beendet Willis-Märchen

Marcus Willis (l.) und Roger Federer.

Der siebenmalige Champion Roger Federer stoppte den sensationellen Lauf des Tennis-Nobodys Marcus Willis. Dem Weltranglisten-772. ließ der Schweizer am Mittwoch beim 6:0, 6:3 6:4 keine Chance. Der Top-Star beendete somit in der zweiten Runde die Auftritte des britischen Außenseiters beim bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt.

"Ich bin fertig, aber ich habe mir jetzt ein paar Bier verdient", sagte Willis. Der Brite hatte noch nie zuvor ein Match auf ATP-Tour-Level, geschweige denn bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt, bevor er am Montag in der ersten Runde den Weltranglisten-54. Ricardas Berankis aus Litauen in drei Sätzen bezwang.

sid

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