Olympia spaltet die Golfwelt - McIlroy erstaunt

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Während Martin Kaymer (r) seinen Jahresplan nach den Olympischen Spielen ausgerichtet hat bezeichnte Rory McIlroy (l) das Ereignis als "belanglos". Foto: Tannen Maury

Die abwertenden Aussagen des Nordiren Rory McIlroy waren Gift für die Rückkehr von Golf zu Olympia. Die Angst vor Zika scheint bei einigen nur vorgeschoben, der Terminkalender ist einfach zu eng.

Troon (dpa) - Sogar Boris Becker war erstaunt. "Ich bin sehr überrascht von Rory McIlroys Aussagen über seine Gründe, nicht in Rio zu spielen", twitterte der Tennis-Olympiasieger im Doppel.

Auch IOC-Präsident Thomas Bach fühlte sich bemüßigt, ein wenig zu drohen: Nach den Absagen von 20 Golf-Profis werde die Sportart nach den Spielen evaluiert. Zika-Gründe könne man respektieren, andere sehe man nicht gern. "Eine der Hauptkategorien für die Evaluation ist natürlich die Frage, ob die besten Spieler dabei sind", sagt Bach.

In ungewohnter Offenheit kritisierte der Chef des Organisationskomitees die Absagen. "Sie haben versucht, die Schuld auf Zika zu schieben, aber die Medien haben gezeigt, dass sie nicht kommen, weil es kein Preisgeld gibt", sagte Carlos Nuzman bei einer Diskussionsveranstaltung in Rio. "Zika ist in Florida viel schlimmer als in Brasilien, und in Florida spielen die Golfer."

Besonders krass reagierte Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste auf die Herabwürdigung der Sommerspiele. "Rory McIlroy, du bist ein Idiot! Du bist kein Sportler. Kein echter. Du bist Geschäftsmann", erklärte der Kapitän des Nationalteams. In der Tat hat der viermalige Majorsieger aus Nordirland seiner Sportart einen Bärendienst erwiesen.

"Ich habe sieben Jahre über Olympia nachgedacht und nun beschlossen, dass es Zeit ist, nicht weiter um das Thema herumzutanzen. Einigen Leuten wird das nicht gefallen, aber es ist meine Meinung und so fühle ich. Niemand kann mir übelnehmen, dass ich ehrlich bin", sagte der ehemalige Weltranglisten-Erste McIlroy einen Tag nach der Auftaktpressekonferenz, in der er übellaunig über für Golfer "belanglose Olympische Spiele" doziert hatte.

Auch Branchenprimus Jason Day aus Australien, US-Open-Champion Dustin Johnson und Jordan Spieth werden nicht nach Brasilien fliegen. Spieth behauptete, die Entscheidung sei die schwierigste in seinem Leben gewesen. Nur gesundheitliche Gründe seien ausschlaggebend, er sei in den vergangenen Monaten angeschlagen gewesen. In Tokio in vier Jahren werde er mit Sicherheit dabei sein, beteuerte der Texaner.

Oldie Bernhard Langer will die Aufregung nicht überbewerten. Er frage sich, ob eine Olympia-Teilnahme es wert sei, zu riskieren, möglicherweise keine Kinder bekommen zu können in Folge einer Zika-Ansteckung.

Die Absagen überschatten die Freude vieler Golfer auf die Rückkehr nach 112 Jahren ins olympische Programm. Martin Kaymer richtete seinen ganzen Jahresplan nach dem neuen Höhepunkt der Luxus-Sportart. Für ihn soll schon die Eröffnungsfeier zum Erlebnis werden, er will früh anreisen und die ganze Zeit im Dorf wohnen. Auch US-Star Bubba Watson, verheiratet mit einer ehemaligen Basketballerin, ist ein Olympia-Fan: Er bestellte sich schon Handball-Tickets.

Zum Erstaunen vieler gibt es nur bei den Männern reihenweise Absagen. Die Damen wollen fast alle kommen - dabei soll Zika für den weiblichen Körper viel gefährlicher sein. "Man nimmt ein gewisses Risiko in Kauf, ich bin ein wenig besorgter als sonst", sagte die Berlinerin Miriam Nagl, die für ihr Heimatland Brasilien an den Start geht. Vor jeder Übungsrunde in der Natur werde sie ihr Moskito-Spray sorgfältig benutzen.

Aber bei den Golferinnen ist es wie in anderen olympischen Sportarten, die kaum TV-Präsenz bekommen: Olympia ist das Highlight. Bei gutem Abschneiden haben viele die Hoffnung, ihren Marktwert zu steigern. Wie die Tennisspieler vor Jahren zögern nun auch die Golf-Millionäre vor dem olympischen Wettbewerb. Novak Djokovic, Roger Federer, Andy Murray & Co. sind in diesem Jahr in Rio dabei.

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