Leichtathletik-EM in Amsterdam

Im Leihanzug zur Siegerehrung - und heute Start in der Staffel

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Die Soest-Fahne ist immer dabei – Gina Lückenkemper freut sich mit Mutter Dagmar, Trainer Uli Kunst und Vater Wolfgang über ihre Bronzemedaille bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam.

Amsterdam - Wenn Träume Realität werden, ergeben sich manchmal Probleme, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Diese Erfahrung machte Gina Lückenkemper, als sie am Donnerstagabend ihre erste Medaille bei einer großen internationalen Meisterschaft entgegennehmen sollte.

Spätestens hier zeigte sich, wie wenig die Soesterin tatsächlich mit Edelmetall bei der EM gerechnet hatte: Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat für Siegerehrungen einen offiziellen Trainingsanzug, der lag jedoch noch in Lückenkempers Hotelzimmer.

Während die Tagesschau am Donnerstagabend also vom bisher größten Erfolg der schnellsten Frau Deutschlands berichtete, musste die sich darum kümmern, wo sie nun zügig das passende Outfit für diese Gelegenheit herbekommt. „Ich habe ihr vorher extra nicht gesagt, dass sie den Anzug braucht. Ich wollte Gina doch nicht verrückt machen“, sagte ihr Trainer Uli Kunst, als er an der Bühne vor dem Amsterdamer Olympiastadion auf die Siegerehrung wartete.

Alles zu Gina Lückenkemper

Staffel

Am Wochenende steht für Gina Lückenkemper die 4x100 Meter-Staffel an. Der Vorlauf beginnt am Samstagabend um 20 Uhr, der Endlauf steht für Sonntag ab 17.35 Uhr auf dem EM-Zeitplan. Die genaue Aufstellung wird der Bundestrainer erst im Laufe des Tages bekanntgeben.

Gemeinsam mit Lückenkempers Eltern Dagmar und Wolfgang stieß er hier mit Bier und Sekt auf die Medaille an und verfolgte, was es bedeutet, EM-Medaillengewinner zu sein. „500 neue Facebookfreunde seit heute Morgen“, bemerkte Wolfgang Lückenkemper, als er auf dem Handy durch die Sozialen Netzwerke scrollte und dort jede Menge Bilder seiner jubelnden Tochter sah. „Ich bin gespannt, ob es ihr gelungen ist, die Soestfahne irgendwo in die Kamera zu halten.“

Das 200-Meter Finale

Mama Dagmar nahm unterdessen per Handy Glückwünsche aus der Heimat entgegen. Dann ein Anruf vom ZDF. „Die haben Gina morgen zum Interview ins Studio eingeladen, natürlich mit Medaille“, so Kunst. Und genau die nahm Lückenkemper nun entgegen – und machte auch im geliehenen Trainingsanzug eine gute Figur.

„Das ist einfach nur wahnsinnig geil“, sagte sie nach der Siegerehrung, als sie mit kleinen Tränen in den Augen und der Medaille um den Hals Eltern und Trainer in die Arme nahm. Bronze sei das, womit sie insgeheim geliebäugelt habe. „Asher-Smith und Lalova-Collio habe ich extrem stark eingeschätzt, da wusste ich, dass von denen noch etwas kommt“, analysierte sie – immer wieder unterbrochen von Fans, die ein Autogramm oder ein Foto mit ihr haben wollten. „Ich bin einfach nur wahnsinnig glücklich, dass das geklappt hat. Jetzt freue ich mich erst einmal aufs Abendessen.“

Donuts im Hotel als gute Vorbereitung

Bis zu ihrem nächsten EM-Einsatz mit der Staffel am Samstagabend ist nun erst einmal Ruhe angesagt: „Es wird viel geschlafen und gut gegessen, im Hotel gibt es Donuts. Das ist sehr gut für mich und dann klappt das schon“, gab Lückenkemper Einblick in ihr Vorbereitungs-Programm.

Gina Lückenkemper im Interview

Die Beschwerden im Beuger, über die sie einige Tage zuvor noch geklagt hatte, waren kein Thema mehr. Und so geht ihr Trainer Kunst ziemlich sicher davon aus, dass sie auch schon im Vorlauf der 4x100-Meter-Staffel antreten wird. „Das Team steht eigentlich. Wenn Gina fit ist, wird sie laufen“, so Kunst.

Gut möglich, dass es hier schon mit der nächsten Medaille klappt. Das deutsche Quartett ist vor einigen Wochen bei einem Wettkampf in Regensburg mit Weltjahresbestzeit von 42,00 Sekunden in die Saison gestartet und dementsprechend auch in Amsterdam Medaillenfavorit. „Das ist auf jeden Fall ein realistisches Ziel. Dafür müssen wir den Stab aber wieder so gut durchbringen wie zuletzt in Regensburg. Daher heißt das Ziel erst einmal Finale und da wollen wir dann alles geben.“

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