Formel 1 muss sich Gedanken machen

Zeit nach Ecclestone - Wolff: Sport für Zukunft aufstellen

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Toto Wolff ist seit Januar 2013 Motorsportchef bei Formel-1-Branchenprimus Mercedes.

Sotschi - Die Formel 1 ohne Bernie Ecclestone? Kaum vorstellbar. Doch die Königsklasse des Motorsports sollte sich auch über eine Nachfolgeregelung Gedanken machen, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Interview.

Bernie Ecclestone ist eine Ikone der Formel 1. Man kann sich die Königsklasse des Motorsports nach mehr als 40 Jahren ohne den gerissenen Chefvermarkter kaum vorstellen. Doch die Formel 1 muss sich für eine Zeit nach dem mittlerweile 85-Jährigen rüsten. „Manche mögen glauben, dass sie vielleicht unsterblich sind, und dass die Performance die gleiche bleibt. Man hat aber eine große Verantwortung für den Sport und da zählt es auch, den Sport richtig für die Zukunft aufzustellen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Zuletzt hatte schon Fiat-Boss und Ferrari-Patron Sergio Marchionne gemahnt, man müsse sich darüber Gedanken machen, dass man auf eine Zeitrechnung nach dem lange unantastbaren Ecclestone vorbereitet sein sollte. „Ecclestone ist sehr gut in den Verhandlungen, aber früher oder später müssen wir alle in Rente gehen. Und wenn es soweit ist, sollten wir alles überdenken und eine stabilere Formel 1 aufbauen. Mit einer richtigen Struktur“, hatte Marchionne gesagt. „Auto, Motor und Sport“ zufolge kursieren Gerüchte, wonach Ecclestone zum Jahresende entmachtet werden soll.

Die Kontakte des ehemaligen Autohändlers sind aber eine seiner großen Stärken. In Sotschi sorgte Ecclestone dafür, dass Mercedes in einer Nacht-und-Nebel-Aktion noch ein neues Benzinsystem für Lewis Hamilton durch den russischen Zoll bekam. „Er ist super auf Zack, intelligent. Er ist ein Unternehmer und Geschäftsmann mit einer großen Portion britischem Humor und war ein wirklich inspirierender Leader für diesen Sport, den er groß gemacht hat, auch weil er so eine Persönlichkeit ist“, beschrieb Wolff die Strahlkraft des Briten. Da könne man ihm auch mal kontroverse Schlagzeilen nachsehen.

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Sich selbst verlangt Wolff, der mit Mercedes seit 2014 zweimal die Fahrer- und zweimal die Konstrukteurs-WM gewonnen hat, ein hohes Maß an Berechenbarkeit ab. „Du musst als Chef generell für deine Mitarbeiter und dein Umfeld berechenbar sein. Irrationalität und übertriebene Emotionalität haben in keinem Job einen Platz. Die Zeiten verändern sich, wir leben in einer digitalen Welt und alle paar Tage irgendeine Schlagzeile herauszuschleudern, ohne darüber nachzudenken, ist sicher nicht der richtige Weg“, erklärte Wolff.

Erfolgreicher als der Österreicher kann man als Motorsportchef kaum sein. Wie hoch ist da seine Motivation? „Meine Motivation ist insofern auf einem hohen Level, als ich das Mercedes-Motorsport-Programm weiterentwickeln und beitragen will, eine Struktur zu schaffen, die die Benchmark in diesem Sport ist. Diese Motivation ist in mir nach wie vor ungebrochen“, versicherte er.

Sollte Ecclestone einmal abtreten, dürfte auch der Name Wolff als Kandidat für die Nachfolge fallen. Der Anteilseigner an der Mercedes-Benz-Grand-Prix Ltd. und neben dem ehemaligen Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen Mitbesitzer einer Fahrer-Managementagentur verfolgt einen Masterplan für seine Laufbahn als Funktionär. „Den Plan habe ich, aber über den zu sprechen ist es zu früh“, beteuerte er. „Die Rolle bei Mercedes macht mir Spaß.“

dpa

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