NBA-Finals: Meister führt 2:0

Warriors demütigen hilflose Cavaliers in Spiel zwei

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Entscheidender Mann: Draymond Green von den Golden State Warriors

Oakland - Das war eine Macht-Demonstration: In Partie zwei der NBA Finals schießt Meister Golden State die Cleveland Cavaliers mit 110:77 aus der Halle. Die Gäste verlieren nicht nur die Partie, sondern auch einen ihrer wichtigsten Spieler.

Für die Cleveland Cavaliers gab es nur noch einen Weg: raus. Weg aus der Oracle Arena, dem Tollhaus voll mit den gelb gekleideten Fans der Golden State Warriors. Als der Trainer der Cavs, Tyron Lue, sich den Fragen der Journalisten stellte, stand sein Superstar, LeBron James, schon geduscht und umgezogen vor dem Presse-Raum. Alles musste schnell gehen. Keiner aus dem Gäste-Lager wollte noch Zeit verschwenden am Ort, an dem die Cavaliers ihre bitterste Pleite der Playoffs erlitten hatten. 77:110 verloren sie beim amtierenden Meister, der mit 2:0 in der Best-of-7-Serie in Führung geht.

James selbst fuhr gleich zurück ins Hotel. Video schauen. Nicht irgendeines zum Spaß. Nein. Eine Aufzeichnung des kompletten Spiels. Das ganze Debakel noch einmal von vorne. Der 2,03 Meter große Forward des Vize-Meister lädt einen großen Teil der Schuld auf sich, sagt: "Ich muss besser sein. Von meinen Mitspielern bin ich weder enttäuscht, noch schiebe ich Frust auf sie." Genauso erwartet man die Reaktion eines Anführers in dieser schwierigen Situation. Mit 19 Punkten führte er zwar sein Team an, aber so wenig Zähler hatte James in bisher keinem einzigen Playoff-Spiel 2016 erzielt. Dazu leistete er sich sieben Ballverluste. Noch vor der Partie hatte der "King" seine Mitspieler mit einem besonderen Present motiviert: Er schenkte jedem einzelnen neue Kopfhörer. "Ich gebe ihnen ständig neues Zeug", sagt James hinterher.

Nach dem ersten Abschnitt waren die Gäste noch vorne gelegen. Allerdings nur, weil die Warriors dermaßen viele freie Würfe vorbeisetzten und die Bälle wegwarfen. Mit einem 20:2-Lauf im zweiten Viertel drehten sie die Partie. Cavs-Trainer Lue versuchte danach alle möglichen taktischen Varianten, schickte sogar mal Forward James auf der Center-Position aufs Feld. Verzweiflungs-Taten gegen eine Mannschaft, die kleinste Fehler erbarmungslos bestraft und so präzise wie ein Uhrmacher arbeitet. Warriors-Coach Steve Kerr lobt vor allem die Verteidigung. "Sie war der Schlüssel für alles heute Abend." Nur 35 Prozent der gegnerischen Würfe landeten im Korb der Warriors. Selbst die brachiale Urgewalt von James kam diesmal nicht dagegen an. Bester Spieler der Cavs: Richard Jefferson. Ein 35-jähriger Reservist. Sagt alles.

Mit dem (saisonübergreifend) siebten Sieg in Serie gegen Cleveland ist der Meister der Titelverteidigung einen Schritt näher gekommen. Trotzdem - das Understatement gehört natürlich zum Job - warnt der Trainer der Warriors vor Überheblichkeit. "Wir feiern nicht. Wir haben nur unseren Job erledigt und die zwei Heimspiele gewonnen." Kerr zitiert Danny Ainge, Manager des Rekordmeisters Boston. Der hat einmal nach einem ähnlich deutlichen Erfolg in den Endspielen gesagt: "Das ist nicht die Tour de France." Bedeutet übersetzt: Der große Vorsprung hilft den Warriors in Spiel drei in der Nacht auf Donnerstag (2 Uhr deutsche Zeit) nicht weiter. Wohl aber das Selbstvertrauen. Nach ihrer Rekordsaison mit 73 Siegen in der Hauptrunde - mehr hat  keine andere Mannschaft in der NBA-Historie eingefahren - wird viel diskutiert, ob diese Team nicht das beste aller Zeiten sei. Scharfschütze Klay Thompson antwortet ganz frech auf eine Frage: "Besser als die Showtime-Lakers sind wir." Und die spielten in den 1980er um Legende Magic Johnson die gesamte Liga schwindelig. 

Im Gegensatz zu den Cavaliers blieben die Hausherren noch ein wenig länger in der Kabine. Schließlich bekamen sie prominenten Besuch. Fußballstar Neymar schaute vorbei, seine Landsmänner Leandro Barbosa und Anderson Varejao anfeuern. Die ratschten und ratschten. Für Superstar Stephen Curry und Draymond Green brachte Neymar Trikots mit. Green schleppte seines - samt trendigem Hut - gleich zur Pressekonferenz mit. Mit 28 Zähler (5 Dreier) war er der entscheidende Mann. Sein Gegenspieler Kevin Love enttäuschte nicht nur ein weiteres Mal, er verletzte sich auch noch, als er im zweiten Viertel einen Ellenbogen abbekam. Nach der Halbzeit versuchte er weiterzuspielen, klagte aber über Schwindelgefühl. Für weitere Untersuchungen verließ er danach die Partie - sogar noch vor seinen Teamkollegen.

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