Ein unerfreulicher Nachmittag auf Schalke für Julian Draxler

   
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Gelsenkirchen - Julian Draxler war nicht danach, an der Stelle, an der er schon so oft gefeiert worden war, lange zu verharren. Zu unerfreulich war dieser Nachmittag in der Schalker Arena gewesen: Für seinen neuen Verein, den VfL Wolfsburg, der mit 0:3 regelrecht untergegangen war. Aber vor allem für ihn, dem ehemaligen Schalker Versprechen für die Zukunft.

Eigentlich wollte der 22-Jährige ganz schnell weg. Doch als wenn nicht schon genug schief gelaufen wäre, musste er auch noch zur Dopingprobe und verpasste deshalb die Abfahrt des Wolfsburger Mannschaftsbusses. „Es war ein Spiel zum Vergessen, von vorne bis hinten“, klagte Draxler.

Bei jedem Ballkontakt war der Ex-Schalker, der im Winter für kolportierte 36 Millionen Euro zu den „Wölfen“ gewechselt war, vom Publikum ausgepfiffen worden. Zudem war Draxler mit Schimpfwörtern bedacht worden, nach dessen Aussprache sich selbst der übelste Gossen-Bursche den Mund mit Seife ausgewaschen hätte. „Alle, alle, alle auf die 10“, war da noch der netteste Sprechchor für den neuen Wolfsburger Spielmacher bei seiner ersten Rückkehr in die Veltins-Arena gewesen.

Aber, immerhin: „Das war nicht so schlimm wie bei Neuer damals“, meinte Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar in Erinnerung an die Schmährufe gegen den Ex-Keeper der Schalker nach dessen Wechsel zum FC Bayern München.

Während Draxler nach dem Spiel zumindest viel Trost bei seinen ehemaligen Mannschaftskameraden in Blau und Weiß fand, die ihn ausgiebig und herzlich trösteten, ließ sich das Herz von Horst Heldt nicht erweichen. „Ich habe kein Mitleid gehabt“, sagte Schalkes Manager und schnarrte in bester Vito-Corleone-Manier: „Da hat einer freiwillig die Familie verlassen. Das kommt hier nicht gut an.“

Heldt empfand die Schmähungen gegen den ehemaligen Schalker angesichts der „hohen Emotionalität“ in diesem Klub als gerechtfertigt: „Damit muss man als Spieler, der in der Öffentlichkeit steht, zurecht kommen. Das sind Situationen, die man als Profi durchstehen muss.“ Mit Blick in die Zukunft ergänzte Heldt: „Jetzt hat er wieder ein Jahr Zeit.“ Und schloss schließlich versöhnlich: „Ich hoffe, dass es sich irgendwann beruhigt.“

Beruhigt hatte sich am Samstag auf alle Fälle die Situation auf Schalke. Und zwar gänzlich. Nach der öffentlich gewordenen Kritik an Trainer André Breitenreiter gewann die Mannschaft das zweite Spiel in Folge. Dieses Mal ein besonders wichtiges: Denn durch den Sieg über Wolfsburg wurde der Werksklub auf sechs Zähler distanziert. Zudem verringerte sich der Abstand auf Hertha BSC auf zwei Punkte. Gewohnt lautmalerisch verkündete Breitenreiter sodann: „Wir haben heute ein fantastisches Spiel meiner Mannschaft gesehen.“

Die Schalker Fans waren schließlich ebenfalls komplett zufrieden. Nicht nur, dass sich die Tabellensituation ihres Klubs wieder ein wenig entspannt hatte. Am Samstag bemerkten sie auch, dass die Lücke, die Draxler vermeintlich hinterlassen hat, gar nicht so groß ist. Während der Ehemalige zwar einige gute, aber letztlich uneffektive Szene hatte, ließen insbesondere Max Meyer und Leroy Sané die Erinnerung an das einstige Schalker Supertalent verblassen. Zwar gelang keinem von beiden an diesem Tag ein Treffer oder ein Assist, doch sorgten einige ihrer Aktionen wieder für ein bewunderndes Raunen auf den Rängen.

Die Tore hatten dieses Mal andere erzielt: Zum 1:0 hatte Klaas-Jan Huntelaar nach Vorlage von Junior Caicara in der 24. Minute mit einem Schuss aus 17 Metern gesorgt. In der 35. Minute war es Johannes Geis gewesen, der einen Freistoß aus gut 20 Metern in den Maschen versenkte. Bei beiden Treffern hatte Wolfsburgs Keeper Diego Benaglio keinen guten Eindruck hinterlassen. D

er dritte Treffer gegen eine komplett enttäuschende Wolfsburger Mannschaft hatte schließlich der kurz zuvor eingewechselte Neuzugang Alessandro Schöpf erzielt (87.). Danach kannte die Schalker Glückseligkeit keine Grenzen mehr. Und die Fans vergaßen fast, Julian Draxler auszupfeifen. Aber nur fast. Der Gescholtene selbst verließ als einer der letzten den Schalker Kabinentrakt. Und fuhr mit dem Wolfsburger Teamarzt dem Mannschaftsbus des VfL schließlich hinterher.

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