Gebürtiger Hammer Tobias Stock ist Athletik-Trainer bei Schalker Profis

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Immer vorne weg: Tobias Stock, Athletiktrainer des FC Schalke 04, mit den Profis Matija Nastasic, Johannes Geis, Marco Höger und Dennis Aogo (von links).

Gelsenkirchen - Auf die Frage, ob er der Mann sei, der den Schalker Profis derzeit Beine macht, hebt Tobias Stock die Augenbrauen, denkt kurz nach und sagt: „Ja. Auch.“

Doch ganz so einfach ist das im heutigen Profifußball nicht mehr mit der Fitness und Athletik, die vermittelt werden soll. Man könnte auch sagen: Es ist ein Wissenschaft für sich geworden.

Wer ein längeres Gespräch mit Stock über diese Materie führt, der hat daran keine Zweifel mehr. Der gebürtige Hammer und Ex-Spieler der Hammer SpVg ist seit dieser Saison Athletikcoach beim FC Schalke 04.

Es ist der Mittwoch vor Ostern, und obwohl das Wetter ungemütlich ist und viele der Schalker Nationalspieler mit ihren Auswahlmannschaften unterwegs sind, sind mal wieder rund 200 Zuschauer zum Training gekommen. Der 36-jährige Stock kommt mit anderen Assistenztrainern eine gute Viertelstunde vor Trainingsbeginn auf den Platz und bereitet die Übungseinheit vor. Gemeinsam mit den Co-Trainern sowie dem weiteren Schalker Athletik-Coach Ruwen Faller werden Parcours abgesteckt und Übungen abgesprochen. Dann kommt Cheftrainer André Breitenreiter dazu und trifft mit seinem Stab die letzten Absprachen.

Ghettoblaster beim Training

„Der Spaß beim Training ist wichtig“, sagt Stock, was heute nicht so schwer fällt, da Sascha Riether und Eric Maxim Choupo-Moting Geburtstag haben und ihnen vor Trainingsbeginn ein fröhliches Ständchen geträllert wird. „Das Los des Athletiktrainers ist es eben, dass er oft Übungen ohne den Ball anordnet“, so Stock. Um die ganze Sache aufzulockern, bringt er in diesen Fällen auch schon mal einen Ghettoblaster mit zum Training. „Mit Musik geht‘s oft besser.“

Stock, der im Alter von sechs Jahren bei der Hammer SpVg selbst mit dem Fußball begann, durchlief sämtliche HSV-Jugendteams, unter anderem spielte er lange Zeit mit Daniel Bremser zusammen. Edwin Boekamp hatte den Linksfuß dann als A-Jugendlichen von der Hammer SpVg zu Borussia Dortmund gelockt, wo er 1998 mit dem BVB prompt deutscher A-Jugendmeister wurde, sein sportlich größter Erfolg. Danach folgten Stationen in der Regionalliga-Mannschaft des BVB, im Jahr 2000 dann nochmals eine halbe Saison bei der Hammer SpVg unter Trainer Hermann Erlhoff. Weiter ging es über den FC Gütersloh zu Heessen Kassel (wo er ein halbes Jahr gemeinsam mit André Breitenreiter spielte) und schließlich zum SV Lippstadt, wo Roger Schmidt, der heutige Cheftrainer von Bayer Leverkusen, zu seinen Teamkollegen gehörte. Beides Begegnungen, die nicht folgenlos für Stock bleiben sollten.

Breitenreiter nahm Stock mit nach Schalke

Denn als dieser wegen einer rätselhaften Leistenverletzung nach eineinhalb Jahren quälender Reha seine aktive Karriere aufgeben musste, holte ihn zunächst Schmidt als Co-Trainer zum SC Delbrück. Der gebürtige Kiersper, der dort seinen ersten Trainerjob annahm, engagierte Stock als Assistenten und behielt ihn auch bei den nächsten Stationen Preußen Münster und SC Paderborn (ab da als Athletiktrainer) in seinem Stab. „Roger hatte damals einen Co-Trainer mit sportwissenschaftlichen Background gesucht“, sagt Stock, der während seiner aktiven Fußballerkarriere seinen Master-Studienabschluss im Bereich Sportwissenschaft in Bielefeld absolviert hatte. Gleichzeitig erwarb er auch die Trainer-A-Lizenz. Als Schmidt zu RB Salzburg wechselte, blieb Stock in Paderborn – und gehörte bald darauf zum Trainerteam von Breitenreiter, der ihn im vergangenen Sommer mit nach Schalke nahm.

Wer sich die Arbeit des ehemaligen Beisenkamp-Schülers Stock anschaut, der merkt schnell, dass die Zeit der gnadenlosen Drill-Inspektoren an der Seitenlinie vorbei ist. „Natürlich kommt es vor, dass ich die Jungs durch die Gegend scheuche“, sagt Stock: „Aber wir sind keine Personal-Trainer. Wir können die Spieler beraten und bestmöglich anleiten, aber ein Stück Eigenverantwortung gehört auch dazu.“ Diese ist laut Einschätzung des 36-Jährigen aktuell weitaus höher, als noch vor einigen Jahren. „Gerade die junge Generation fragt nach, warum wir diese oder jene Übung machen. Wir versuchen, unser Vorgehen generell so transparent wie möglich zu gestalten“, sagt Stock. Die körperliche Entwicklung auf Schalke sieht er in den vergangenen Monaten positiv: „Wir haben die läuferische Wettkampfleistung optimieren können und die Verletzungsanfälligkeit kontinuierlich gesenkt.“ Die mehr athletischen Trainingseinheiten wie zuletzt am Gründonnerstag arbeitet Stock selbst aus und leitet sie dann auch.

"Fußball wird noch athletischer werden"

Ständig versuchen Stock und Faller in ihrem Ressort „das Training und die Abläufe zu optimieren“. Stock steht dabei stets im engen Austausch mit vielen seiner Kollegen in der Bundesliga, besucht zudem regelmäßig Fortbildungen und recherchiert in seinem Fachgebiet. „Ich möchte meine Philosophie im Athletik-Training weiter entwickeln“, sagt Stock. Ambitionen, selbst noch den Fußball-Lehrer-Schein zu erwerben und Cheftrainer zu werden, hat er indes nicht: „Meine Stärken und Interessen fokussieren sich ganz klar auf den athletischen Bereich.“ Dass es in dieser Beziehung noch viel zu lernen und zu tun gibt, davon ist er felsenfest überzeugt: „Der Bereich ist noch lange nicht ausgeschöpft. Der Fußball wird in Zukunft noch athletischer werden.“ Seine Ziele in sportlicher Sicht sind, sich stetig weiter zu entwickeln und jede Herausforderung anzunehmen.

Sein Kontakt nach Hamm beschränkt sich auf die familiären Kreise. „Meine Eltern und viele Verwandte leben dort, weshalb ich öfter zu Besuch in Hamm bin“, sagt Stock, der mit seiner Frau in Recklinghausen wohnt: „So bekomme ich immer mit, wie sich meine Heimatstadt im Laufe der Jahre verändert.“

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