Spiel gegen Mönchengladbach: Die Rückkehr des Fußballgottes

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Der Schalker Torschütze zum 2:1 Leon Goretzka (Mitte) jubelt mit Leroy Sane (links) und Ralf Fährmann. Schalke gewinnt 2:1.

Gelsenkirchen - Granit Xhaka hockte nach dem Schlusspfiff derart niedergeschlagen auf dem Rasen, dass eine psychologische Erstbetreuung empfehlenswert schien. Der Schweizer erweckte den Eindruck, als habe er gerade zumindest ein WM-Finale auf geradezu unmenschliche Weise verloren.

Das mit dem Endspiel stimmte zwar nicht so ganz, aber unmenschlich, ja, das war es gewesen für die Spieler von Borussia Mönchengladbach. Dieses Spiel beim FC Schalke 04, das groteskerweise mit einem 2:1 (0:0)-Sieg für die Gastgeber geendet hatte. „Heute können wir mit einem breiten Grinsen nach Hause gehen“, sagte Schalkes Leon Goretzka. Was die Knappen dann auch taten. Selten war ein Sieg unverdienter zustande gekommen. Zum einen war da die unbestechliche Spielstatistik, die die Gladbacher als extrem dominantes Team in dieser seltsamen Partie auswies: 64 Prozent Ballbesitz auf des Gegners Platz und 22:6 Torschüsse waren für Gladbach dort ausgewiesen. In der Kategorie „Meiste Schüsse“ erreichte bei der Borussia Raffael den Wert von sieben. Auf Schalker Seite waren sechs Spieler mit jeweils einem einzigen Schuss aufs Tor aufgeführt. Granit Xhaka schlussfolgerte blitzgescheit, „dass die Schalker froh sein müssen, überhaupt Torchancen gehabt zu haben“.

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Bereits zur Pause hätten die Gladbacher mit 4:0 oder 5:0 führen können, wenn nicht gar müssen. Doch Raffael, Lars Stindl und Thorgan Hazard waren entweder an ihren eigenen Nerven oder an Ralf Fährmann gescheitert, der seit Freitagabend durchaus den Spitznamen „Magnet“ tragen dürfte (siehe „Im Fokus“). Eines der kuriosesten Eigentore der Bundesliga-Geschichte leitete dann die Gladbacher Niederlage ein (59.), als Harvard Nordtveit und Martin Hinteregger nach einem Querpass von Leroy Sané vor dem eigenen Tor einen slapstickhaften Doppelpass spielten und der Ball von Hintereggers Fuß schließlich ins eigene Netz trudelte. „Glück hat vielleicht nur der Tüchtige“, versuchte Fährmann eine alte Weisheit ins Spiel zu bringen. Aber soviel hätten die Schalker sich gar nicht anstrengen können, dass das Glück derart in Kübeln über sie ausgegossen wurde. Die Gladbacher schafften zwar noch den Ausgleich durch Andreas Christensen (79.), doch nur vier Minuten später zog Leon Goretzka einfach mal von der Strafraumgrenze ab. Sein Schuss wurde abgefälscht und schlug unhaltbar für Gladbach-Keeper Yann Sommer im Netz ein.

Schalke schlägt Mönchengladbach 2:1

„Max Eberl wollte mir erst nicht die Hand geben“, schmunzelte Schalkes Manager Horst Heldt über seinen Gladbacher Kollegen: „Dann hat er sich aber doch noch hinreißen lassen zu gratulieren.“ Heldt gab zu, dass er sich an Eberls Stelle „genauso maßlos ärgern“ würde. „Wir wissen, dass es ein kurioser Sieg war. Doch im Pokalspiel im vergangenen Oktober hatten wir einen ähnlichen Verlauf – nur anders herum“, so Heldt weiter. „Heute war ein Tag, an dem sich der Fußballgott mal wieder hat blicken lassen auf Schalke“, sagte der 46-Jährige in Anspielung an das berühmte Zitat von Rudi Assauer nach der Vier-Minuten-Meisterschaft 2001.

Der Manager bestätige am Freitagabend noch einmal das erste Gespräch mit seinem Nachfolger Christian Heidel, dass am Freitagmittag stattgefunden hatte. „Christian Heidel ist vollumfänglich über sein künftiges Aufgabengebiet informiert worden“, so Heldt. Sämtliche Entscheidungen, die in den kommenden Wochen anstünden, würden ab sofort in Absprache mit dem neuen Sportvorstand getroffen. „Es soll ein fließender Übergang werden“, so Heldt. Die Unterschrift unter neuen Verträgen käme zwar bis zum 30. Juni noch von ihm, doch die Inhalte würden bereits durch Heidel bestimmt.

Durch den Dusel-Sieg lösten die Schalker die Gladbacher auf dem vierten Tabellenrang ab. Diese Momentaufnahme dürften die meisten Fans allerdings mit äußerster Zurückhaltung registrieren. Denn am Freitag wurden erneut viele Mängel im Schalker Spiel deutlich, zudem erwies sich die eigentümliche Taktik von Trainer André Breitenreiter in der ersten Halbzeit als Flop. Leon Goretzka glaubt zwar, „dass in zwei Wochen keiner mehr fragt, wie wir hier gewonnen haben“. Doch dürfte dieses Glücksspiel nicht so schnell vergessen werden.

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