Vor dem Liga-Start

Das runderneuerte Schalke: ein spannendes Projekt

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Markus Weinzierl und Christian Heidel wissen, worauf sie sich eingelassen haben.

Gelsenkirchen - Christian Heidel ist ein zu rationaler Mensch, als dass er sich auf seine Emotionen verlässt. „Ein Gefühl ist meist wenig aussagekräftig“, glaubt Schalkes neuer Sportvorstand vor dem Saisonauftakt bei Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr).

Doch wenn er sein Gefühl, dass er seit seinem Amtsantritt im Mai entwickelt hat, beschreiben soll, dann sagt der 53-Jährige: „Ich spüre, dass es innerhalb des Klubs eine große Zustimmung gibt für den Weg, den wir gehen wollen.“ Und dieser Weg, der ist ein ziemlich neuer.

Der FC Schalke 04 könnte vor einem seiner größten Umbrüche stehen. Auf alle Fälle ist das Projekt, das Heidel dort leitet, eines der spannendsten der gesamten Liga. Ein neuer Manager, mit Markus Weinzierl ein neuer Trainer und auch ein komplett runderneuerter Kader; dazu jede Menge Veränderungen innerhalb des Klubs und seiner Infrastruktur – es weht ein enormer und vor allem frischer Wind am Berger Feld. Einmal gut durchlüften, bitte!

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Heidel und Weinzierl wissen, worauf sich sich in Gelsenkirchen eingelassen haben. Schalke gilt als einer der am schwersten zu führenden Klubs in der Liga. Das Umfeld ist oftmals so nervös, wie die Engländer beim Elfmeterschießen. Die Anhängerschaft ist vereinnahmend und fordernd. Und die Grundstimmung innerhalb des Klubs tendierte in den vergangenen Jahren eher gegen Depression als gegen grenzenlosen Optimismus. Alles Hürden, der die ein oder andere Führungskraft, die mit großem Enthusiasmus auf Schalke gestartet war, letztlich entnervt und frustriert zurückgelassen hatten.

Ein Neustart im Doppelpack

Doch Heidel und Weinzierl wissen, dass sie eine historische Chance haben, weil sie ihre Arbeit unbelastet aufnehmen können. Es ist ein Neustart im Doppelpack, ein Reset der besonderen Art. Bereits vor einem Jahr stand der Trainer Weinzierl auf der Wunschliste der Schalker, doch damals sagte der 41-Jährige noch ab. Nun glaubt er: „Es ist ein guter Moment, hier anzufangen.“ Das Konzept, an dem Heidel seit seinem Amtsantritt arbeitet, ist auf viele Jahre angelegt. Nachhaltigkeit ist hier eine wichtigen Vokabel. Doch mit dieser ist es im kurzlebigen Profifußball so eine Sache.

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Falls der Erfolg ausbleibt, geraten auch die vielversprechendsten und ausgeklügelsten Pläne ins Wanken, erst recht in einer chronisch aufgeregten Umgebung wie Schalke. Doch die beiden neuen Chefs dürfen hoffen. Bereits die Sommerpause verlief medial vergleichsweise ruhig. Sogar der Weggang von Publikumsliebling und Spektakel-Fußballer Leroy Sané wurde von den Fans mit enormer Fassung getragen, wozu sicherlich die rund 50 Millionen Euro Ablöse betrugen, die Heidel durch seine offenbar geschickten Verhandlungen mit Manchester City erzielte.

Die Zuversicht überwiegt

Dennoch wird dem Saisonstart eine besondere Bedeutung zukommen. Weinzierl, nach eigener Aussage „ein stets positiv denkender Mensch“, geht davon aus, „dass wir gut in die Saison starten“. Zwar sei die Vorbereitung ein wenig „zerrissen“, dennoch überwiege die Zuversicht, dass der Start bei Eintracht Frankfurt glückt. Was aus Schalker Sicht wichtig wäre. Denn bereits am zweiten Spieltag in 14 Tagen kommt der Rekordmeister FC Bayern München zum ersten Heimspiel der Saison in die Arena. Ansonsten könnte der neue Schalker Weg schnell ein steiniger werden.

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