Schalke feiert Millionentreffer von Draxler

GELSENKIRCHEN ▪ Gegen 23 Uhr am Dienstagabend konnte Kyriakos Papadopoulos das Potenzial seiner breiten Schultern endlich einmal richtig ausnutzen. Der junge Grieche, seit wenigen Tagen 18 Jahre alt, hievte sich den noch jüngeren Julian Draxler (17 Jahre und vier Monate) aufs Kreuz und trug den Helden in Richtung Nordkurve, wo er von den Fans frenetisch umjubelt wurde. Von Jens Greinke

Beiden Jünglingen glühten die Wangen vor Aufregung. Und bei den älteren Zuschauern wurden Erinnerungen wach an einen Abend vor 26 Jahren, als ein gewisser Olaf Thon einen Tag nach seinem 18. Geburtstag auf Schultern durchs Parkstadion getragen wurde, weil er im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München mit seinem dritten Treffer den 6:6-Ausgleich erzielt hatte. Und Felix Magath ist sich sicher, dass der FC Schalke 04 mit Julian Draxler nun endlich wieder ein großes Talent in seinen Reihen hat. „Er wird uns noch viel Freude machen“, sagte der Schalker Trainer.

Die bereitete er den Fans der Königsblauen bereits im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Nürnberg. Als beim Spielstand von 2:2 kurz vor Ablauf der Verlängerung ein Elfmeterschießen unausweichlich erschien, wechselte Magath in der 116. Minute Draxler ein, der nur drei Minuten später mit seinem zweiten Ballkontakt aus 20 Metern das 3:2-Siegtor erzielte. Ein Millionentreffer, der den Schalkern nicht nur den Weg ins Pokal-Halbfinale bahnte, sondern vielleicht auch in den europäischen Wettbewerb. „Ich habe nicht viel nachgedacht, sondern aus Instinkt das gemacht, was ich immer in der A-Jugend gemacht habe“, sagte Draxler später. Nämlich aus solchen Positionen aufs Tor zu schießen. „Ich hatte schon im Gefühl, dass ich den Ball ganz gut getroffen hatte. Aber das er letztlich so einschlägt, hätte ich mir nicht erträumt“, sagte der Schlaks nach dem Spiel. Und ergänzte noch, dass der linke Fuß, mit dem er den Treffer erzielt hatte, eigentlich sein schwächerer sei.

Damit hatte sich bereits beim dritten Einsatz Draxlers in der Profi-Mannschaft Magaths Prognose bewahrheitet, dass der Klub mit Draxler über ein „unglaubliches Talent“ verfüge. Der 57-Jährige hatte den offensiven Mittelfeldspieler bereits nach dem Winter-Trainingslager im türkischen Belek über alle Maßen gelobt und danach im Hause Draxler darauf gedrängt, „ganz auf die Karte Fußball zu setzen“ und die schulische Laufbahn am Heisenberg-Gymnasium in Julians Geburtsstadt Gladbeck zu unterbrechen. Magath stieß zwar auf Widerstand bei den Eltern („Sie haben sich mit der Entscheidung schwer getan“), doch schließlich stimmten sie dem Abschluss eines Profi-Vertrag bis 2014 zu. Dieser tritt zwar erst im September 2011 in Kraft, wenn Draxler volljährig wird, doch die Abschluss-Prüfungen am Heisenberg-Gymnasium werden in eineinhalb Jahren ohne ihn stattfinden. Magath ist sich sicher: „Wenn alles normal verläuft, braucht er kein Abitur mehr.“ In sportlicher und finanzieller Hinsicht dürfte er damit Recht haben. Was noch alles auf ihn zukommen könnte, erlebte Draxler gestern Morgen beim Training, als ihn sechs Kamerateams auf Schritt und Tritt verfolgten.

Draxler schwieg.

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