Nach 0:3-Pleite gegen Donezk

Kritik von allen Seiten nach Schalker Aus in der Europa League

Fuflball, Europa League, K.o.-Runde, Zwischenrunde, R¸ckspiele: FC Schalke 04 - Schachtjor Donezk am 25.02.2016 in der Veltins Arena, Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen). Leroy SanÈ von Schalke nach dem Spiel. Das Spiel endete 0:3. Foto: Maja Hitij/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der Frust nach dem Ausscheiden aus der Europa League war auch bei Leroy Sané groß.

Gelsenkirchen - Als die letzten Spielminuten in der Veltins-Arena liefen, war auf der Gegengerade bereits deutlich der gewaltige Schriftzug „FC Schalke 04“ auszumachen, der dort aus unzähligen weißen Sitzschalen gebildet wird. Ein bitteres Zeichen.

Zu lesen ist der Klubname nur, wenn die meisten dieser Schalen nicht mehr besetzt sind. Und am Donnerstag empfanden es sehr viele Zuschauer als gute Idee, ihren Platz vorzeitig zu räumen, um den Restabend noch ein wenig sinnvoller zu verbringen. 

Viele wollten auch einfach nicht mehr hinsehen. Das 0:3 (0:1) der einstigen „Euro Fighter“ des FC Schalke 04 gegen ein international allenfalls durchschnittliches Team von Schachtjor Donezk sorgte für schwere Verwerfungen zwischen vielen Parteien.

Selbstkritik blieb großteils aus

Denn es hagelte nach dem frühen Aus in der Zwischenrunde der Europa League Kritik von allen Seiten für fast alle Seiten. Nur die hehre Eigenschaft, Selbstkritik zu üben, war so gut wie nicht zu erkennen. 

Trainer André Breitenreiter fühlte sich jedenfalls genötigt, noch einmal die Erwartungshaltung beim FC Schalke 04 anzuprangern. Von der Champions League oder gar der Deutschen Meisterschaft zu reden, sei „derzeit überhaupt nicht realistisch“.

Fans pfeifen Team aus 

„Wenn das permanent gepusht und gefordert wird“, so Breitenreiter weiter, würden die Fans bei Rückschlägen eben entsprechend reagieren. Wie am Donnerstagabend, als sie die eigene Mannschaft ausgepfiffen und teilweise mit höhnischem Applaus bedacht hatten.

Die S04-Schlappe gegen Donezk in Bildern

Wenn sie denn noch im Stadion waren. Breitenreiter selbst allerdings hatte einen Tag zuvor noch beteuert, in der Europa League „so weit wie möglich kommen“ und diese am Ende sogar „gewinnen“ zu wollen. 

Auch hatte der 42-jährige Coach erklärt, sich mit der Mannschaft für die Champions League qualifizieren zu wollen. So, wie es der scheidende Manager Horst Heldt ebenfalls noch einmal gefordert hatte. 

Etwas befremdlich wirkte auch Breitenreiters Analyse der Partie gegen die Ukrainer, in der er immer wieder „individuelle Fehler“ hervorhob – wie beim 0:1 (27.) und vor allem beim 0:2 (63.), als Joel Matip den Ball vertendelt hatte. Breitenreiter: „Das hat uns das Genick gebrochen.“

Deutsche Meisterschaft kein Thema 

Unter dem Strich dürften die Aussagen des Trainers etwas irritierend gewirkt haben – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Vereins. Denn vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft redet schon lange keiner mehr in Gelsenkirchen.

Und dass sich die Fans angesichts des „Schneckenrennens“ innerhalb der Liga um die Champions League berechtigte Hoffnungen auf den dritten oder vierten Platz machen, kann nicht als übertriebene Erwartungshaltung gewertet werden. 

Denn angesichts der stetig patzenden Konkurrenz war es wohl selten so einfach, sie einen der begehrten Ränge zu ergattern. Doch dass das Team nun schon mehrfach trotz blendender Ausgangslage den Sprung auf die Champions-League-Plätze verpasst hat, sorgt logischerweise für Unmut. 

Kader ist einer der teuersten der Liga

Zumal der Kader zu den teuersten der Liga gehört. Mysteriös blieb zuletzt auch die Spielidee dieser Mannschaft. Die Offensive ist so gut wie abgeschafft, effiziente Angriffe aus der Bewegung heraus gelten mittlerweile als Rarität auf Schalke. 

Gegen das noch in der Vorbereitung steckende Team aus Donezk glückte den Schalkern in Hin- und Rückspiel kein Treffer. Das Zusammenspiel wirkt zudem immer wieder fahrig und unkonzentriert, Automatismen greifen zu selten, Laufwege stimmen oft nicht. 

Leistungsträger Goretzka verletzt ausgewechselt

Aufgefangen wurde dies zuletzt beizeiten durch individuelle Klasse. Doch diese wurde am Donnerstagabend zusätzlich geschmälert, als Leon Goretzka, in dieser Saison einer der konstantesten und besten Profis im Kader, kurz vor der Pause mit einer Schultereckgelenk-Sprengung vom Platz musste. „Er wird drei bis acht Wochen ausfallen“, sagte Breitenreiter. 

Frühes Aus im DFB-Pokal, unnötiges und ebenfalls zu frühes Scheitern in der Europa League – in zwei Wettbewerben haben die Schalker ihre Ziele bereits vorzeitig aus den Augen verloren. Dass sich die Mannschaft nun voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren kann, könnte normalerweise noch als kleiner Vorteil gesehen werden. 

Gegen Frankfurt sollte nicht verloren werden

Doch verliert der Anhang mehr und mehr den Glauben an dieses Team. Am Sonntagabend (19.30 Uhr) müssen die Schalker bei der abstiegsbedrohten Eintracht in Frankfurt antreten. Sollte ein weiterer Rückschlag folgen, dürfte es kurz vor dem Frühlingsanfang ziemlich frostig werden in Gelsenkirchen.

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