Die Ruhe selbst: Heidel lässt sich auf Schalke nicht treiben

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Der Neu-Schalker Christian Heidel mit Vereinsboss Clemens Tönnies.

Gelsenkirchen - Seit Pfingstsonntag ist Christian Heidel nun als neuer Schalker Sportvorstand in Amt und Würden, und die gesamte Vereinsfamilie wartet begierig auf seine Entscheidung bezüglich des neuen Trainers.

Dass Augsburgs Markus Weinzierl ganz oben auf der Wunschliste des neuen Schalker Machers steht, ist kein Geheimnis. Doch gestalten sich die Verhandlungen mit den Schwaben als sehr zäh. Die Augsburger wollen eine Entschädigung von mindestens fünf Millionen Euro für die vorzeitige Auflösung von Weinzierls Vertrag, Heidel ist das zu viel. Auch wenn er sagt: „Der Trainer ist die wichtigste Personalie im Verein.“

Weshalb es für Heidel auch von großer Bedeutung wäre, wenn sein erster Schuss sitzt. Denn seine Arbeit auf Schalke zielt auf Nachhaltigkeit, das sei für ihn „das A und O“. Deshalb bittet er vorab um eine entsprechende Geduld im chronisch unruhigen Schalker Umfeld: „Ich habe ein klares Konzept und eine bestimmte Spielphilosophie vor Augen. Und ich weiß, dass die Umsetzung kein Prozess ist, der von heute auf morgen vonstatten gehen kann.“

Heidel gilt als ein Manager, der große Trainer entdeckt hat. Jürgen Klopp und Thomas Tuchel waren seine bisherigen Königsverpflichtungen, und vom aktuellen Mainzer Coach Martin Schmidt glaubt Heidel, „dass er den gleichen Weg gehen wird“. Allerdings nicht über die Station Schalke. Schmidt, dessen Vertrag noch bis 2018 läuft, sagte vor einigen Wochen: „Christian kann hier vieles machen, aber sicher nicht den Trainer mitnehmen. Das geht schon vom Gedankengang her gar nicht.“ Was Heidel aufgrund der 24-jährige Verbundenheit zu seinem Ex-Klub genauso sieht. Nicht alle Trainer-Verpflichtungen von Heidel endeten allerdings glücklich. So scheiterten Jörn Andersen nach zehnmonatiger (2009) und Kasper Hjulmand (2015) nach nur siebenmonatiger Amtszeit in Mainz.

„Der Trainer, der jetzt kommt, hat eine besondere Aufgabe. Denn hier auf Schalke steht eine Zäsur an“, betont Heidel. Weshalb der neue Sportvorstand selbst auch keine Personalentscheidungen treffen wird, ohne sich mit dem neuen Übungsleiter abzusprechen. „Ich werde mit dem neuen Trainer abstimmen, mit welchen Leuten er zusammenarbeiten will“, sagte Heidel. „Naldo war der einzige, den ich ohne Trainer verpflichtet habe“, ergänzt der Manager. Doch bei dem Abwehr-Routinier, der ablösefrei vom VfL Wolfsburg kam, habe er einfach nicht nein sagen können. „Er hat einen super Charakter. Vor allem braucht diese junge Mannschaft Spielertypen wie ihn“, sagt Heidel. Was bedeutet, dass die Schalker wahrscheinlich noch den einen oder anderen gestandenen Spieler mehr verpflichten werden. Tatsächlich war den jungen Schalker Profis wie Leroy Sané, Max Meyer oder Leon Goretzka in den vergangenen Monaten zu viel Verantwortung aufgebürdet worden.

Über einen großen Erfahrungsschatz muss der neue Schalker Trainer nach Ansicht von Heidel übrigens nicht verfügen. Der 52-Jährige setzt hier andere Prioritäten und malt zur Veranschaulichung eine Pyramide auf ein Blatt Papier, die er in verschiedene Schichten einteilt: „Die Basis bildet die Intelligenz, dann folgen Fachwisssen, soziale Kompetenz, Authentizität sowie Charisma und Rhetorik“, sagt Heidel. Für die Erfahrung reiche oben die kleine Spitze der Pyramide. „Intelligente Trainer mit Sachverstand können Erfahrung ganz schnell kompensieren.“

Zeitlichen Druck sieht Heidel in der Trainercausa nicht, schließlich stehe die Liga aufgrund der Europameisterschaft vor einer langen Sommerpause. Allerdings lassen sich einige Personalentscheidungen nicht unbegrenzt aufschieben: Die Verträge von Younes Belhanda, Pierre-Emile Höjbjerg, Sascha Riether oder auch Roman Neustädter, der in der Mainzer Ära von Heidel als Jugendspieler beim FSV ausgebildet wurde, laufen in diesem Sommer aus. Zudem hätten die ausgeliehenen Timon Wellenreuther (RCD Mallorca), Donis Avdijai (Sturm Graz), Felix Platte (SV Darmstadt 98) oder Kaan Ayhan (Eintracht Frankfurt) die Möglichkeit, nach Schalke zurückzukehren. Doch Heidel bleibt gelassen und sagt: „Gedulden Sie sich noch ein bisschen.“

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