Wütende Pfiffe gegen Aufsichtsratchef Tönnies vor magerem Remis

Ein weiterer enttäuschender Nachmittag

Gelsenkirchen - Schon vor dem Spiel dürfte Clemens Tönnies am Samstag klar geworden sein, dass man gute Laune und Frohsinn nicht mal eben auf Knopfdruck verordnen kann. Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender gab sich zwar alle Mühe, als er die zu verabschiedenden Horst Heldt, Joel Matip und Marco Höger lobte und würdigte. Und schließlich in gewohnt lautsprecherischer Manier auch noch die Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Gazprom verkündete, die den Schalkern bis 2022 gut 150 Millionen Euro in die Kasse spülen könnte. Doch der 59-Jährige kam kaum gegen die Pfiffe und „Tönnies raus“-Rufe an.

Und wie gesagt: Diese Szenen spielten sich vor dem Spiel des FC Schalke 04 gegen den FC Augsburg ab. Wäre Tönnies nach dem Schlusspfiff nochmals vor die Fans getreten, hätte wohl nicht mehr für die persönliche Sicherheit des umstrittenen Aufsichtsratsvorsitzenden garantiert werden können. Denn das 1:1 (0:0) gegen die Schwaben verschlechterte die Stimmung in der Schalker Arena noch einmal derart schlimm wie ein Island-Tief das Wetter in Europa versaubeuteln kann. 

Klaas-Jan Huntelaar, der die Schalker in der 82. Minute mit 1:0 in Führung geschossen hatte, wirkte geradezu konsterniert: „Das ist bitter und enttäuschend“, sagte der Niederländer, nachdem seine Mannschaft in der 89. Minute doch noch den Ausgleich durch einen feinen Schuss von Augsburgs Daniel Baier kassiert und damit endgültig die letzte Chance auf die Champions-League-Qualifikation verzockt hatte. Denn niemand rechnet damit, dass diese Schalker Mannschaft am letzten Spieltag bei 1899 Hoffenheim mit mindestens 17:0 gewinnt, während die Borussia aus Mönchengladbach in Darmstadt verliert, ohne selbst ein Tor zu schießen.

Augsburg zerstört Schalker Champions-League-Träume

Eher wird es so sein, dass die Schalker das Kunststück schaffen, mit einem negativen Torverhältnis in die Europa League einzuziehen. Was bemerkenswert wäre, aber keine Leistung, die der Schalker Anhang zu würdigen wüsste. Das Remis gegen Augsburg war einer der unzähligen Matchbälle, die die Schalker in dieser Saison vergeben haben und diese gefühlt zu einer Qual haben werden lassen. Dass André Breitenreiter auch in der kommenden Spielzeit auf der Trainerbank sitzen wird, wäre mittlerweile so irritierend wie gefrierende Nässe im August. 

Breitenreiter verwundert mit Geis-Einwechslung

Auch gegen Augsburg verwunderte der Schalker Übungsleiter mit der Einwechslung des defensiven Johannes Geis für den offensiven Max Meyer in der 83. Minute, die es den Augsburger letztlich ermöglichte, näher an das Schalker Tor heran zu rücken und noch den Ausgleich zu erzielen. Doch um solche Details dürfte es in den kommenden Wochen nicht mehr gehen auf Schalke. Mit Spannung wird erwartet, welchen Weg die Königsblauen in der Zukunft gehen werden – und vor allem, mit welchem Personal. 

Der vermeintliche Nachfolger von Breitenreiter, Augsburgs Trainer Markus Weinzierl, wollte sich auch trotz des geschafften Klassenerhalts der Schwaben nicht weiter zu seiner Zukunft äußern, sondern lieber „erst mal feiern“. „Das ist eine interessante Frage, die sich mir heute aber nicht stellt“, sagte der 41-Jährige lächelnd. Lieber lobte er die Leistung seiner Mannschaft in dieser Saison, in der die Augsburger die Doppelbelastung Europa League und Meisterschaft hatten schultern müssen. „Das ist für mich mehr wert, als der fünfte Platz in der vergangenen Saison“, sagte Weinzierl. 

In einer Woche geht es für die Schalker nun darum, zumindest noch auf Rang fünf oder sechs vorzurücken, um sich direkt für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren. Denn Rang sieben wäre verbunden mit einem zusätzlichen Qualifikationsspiel. Und diese „Ehrenrunde“ wäre nach Auskunft des scheidenden Managers Horst Heldt „nervig“, da die Schalker ihre Planungen für den Sommer umstellen müssten. Doch damit wird sich Heldt nicht mehr groß herumschlagen müssen. 

Ganz andere Sorgen muss sich Clemens Tönnies machen. Am 26. Juni steht die Schalker Mitgliederversammlung an, wo der Großmetzger aus Rheda zur Wahl steht. Dass der 59-Jährige, dem ein gewisser Hang zum Populismus nicht abgesprochen werden kann, sich erneut auf seine lautmalerische Rhetorik verlassen kann, scheint mittlerweile mehr als fraglich. Immer mehr setzt sich bei den Mitgliedern die Ansicht durch, dass dieser Mann mehr Fluch als Segen für den Verein ist, am Samstag wandte sich bereits die gesamte Nordkurve von „CT“ ab. Es wird ein spannender Sommer auf Schalke, so viel steht fest.

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