Saisonstart verpatzt

Nach Anfangs-Pleite: Dicke Luft auf Schalke

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Zwei Niederlagen aus zwei Pflichtspielen in der neuen Saison. Schalke-Trainer Jens Keller ist jetzt schon unter Druck.

Gelsenkirchen - Pleiten auf dem Platz und die scheinbar unvermeidliche Trainer-Diskussion auf der Chefetage: Bei Schalke 04 brennt nach dem Saisonfehlstart schon gleich wieder der Baum.

Schalke 04 gleicht nach seinem Saisonfehlstart schon beinahe wieder einem Tollhaus. Manager Horst Heldt muss nach dem Erstrunden-Pokal-Aus in Dresden und der Bundesliga-Auftaktpleite in Hannover außer für den schon wieder in die Kritik geratenen Trainer Jens Keller besonders auch für „Sündenbock“ Kevin-Prince Boateng als Abfangjäger herhalten. „Wir sind weit davon entfernt, irgendjemanden zum Fraß vorzuwerfen“, sagte Heldt: „Kevin wird nicht an den Pranger gestellt.“

Doch vor dem Schlagerspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Double-Gewinner Bayern München tobt bei den Knappen die Debatte über die enttäuschenden Auftritte des Ghanaers. Ausgerechnet Weltmeister und Kapitän Benedikt Höwedes hatte nach dem 1:2 am vergangenen Samstag bei Hannover 96 das eherne Verbot von öffentlicher Einzelkritik gebrochen und den entscheidenden Fehler des Leaders vor dem Ausgleich der Gastgeber vor laufenden Kameras und Mikrofonen moniert.

„Kaiser“ Franz Beckenbauer prophezeit den Königsblauen, die erst in der vergangenen Saison durch ihre beste Bundesliga-Rückrunde noch furios in die Champions League gestürmt waren, denn auch wieder schwere Zeiten: „Das ist keine Mannschaft. Die machen sich schon gegenseitig Vorwürfe. Das ist der Anfang vom Ende“, orakelte Münchens Ehrenpräsident beim Pay-TV-Sender Sky.

Zwar will sich Heldt beim Champions-League-Starter „nicht alles in Schutt und Asche reden“ lassen. Doch falsch verstandene Solidarität wiederum dürfte weder Boateng selbst noch Schalke insgesamt wieder aus der Misere, die nur nach offizieller Lesart keine Krise ist, heraushelfen. Nach Lage der Dinge allerdings birgt die komplizierte Boateng-Frage auch für Keller gehöriges Konfliktpotenzial: Nibelungentreue zum formschwachen und unfitten Halbbruder von Bayern-Weltmeister Jerome Boateng könnte für den Coach ebenso zum Bumerang werden wie die womöglich mit Ärger verbundene Verbannung des exzentrischen Mittelfeldstars auf die Bank.

Widersprüchliche Situationen jedoch sind Keller auf Schalke jedoch nur allzu vertraut. Seine Verwunderung nach der Hannover-Reise über die bereits aufkommende Kritik an seiner Person, obwohl er in der Rückserie der Vorsaison schlichtweg „geliefert“ hatte, ist dennoch verständlich.

Gleichwohl waren Kellers Erwartung, nunmehr wenigstens über einen gewissen Kredit zu verfügen, angesichts der im Frühjahr bekannt gewordenen Gespräche von Heldt mit Thomas Tuchel kaum mehr als ein frommer Wunsch: So lange der ehemalige Coach des FSV Mainz vereinslos ist, wird auch das „Tuchel-Getuschel“ in Schalke anhalten. „Ich kenne das und weiß, wie ich damit umgehen muss“, sagte Keller denn auch am vergangenen Wochenende mehrmals.

Seine Gedanken kreisen ohnehin schon um dass Bayern-Spiel. Doch mitten in der unversehens schon richtungweisend gewordenen Anfangsphase der Saison hat Keller nur eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten: Außenverteidiger Sead Kolasinac erlitt in Hannover einen Kreuzbandriss, sein Backup Christian Fuchs steht eigentlich auf Heldts Verkaufsliste, Weltmeister Julian Draxler fehlt noch Fitness, Rekonvaleszent Dennis Aogo ist noch nicht völlig wiederhergestellt, und Youngster wie Max Meyer haben noch nicht wieder ihre Verfassung aus der Rückrunde.

Etwas mehr Möglichkeiten für die Ausarbeitung von Lösungen verschaffte sich Keller durch die Streichung des trainingsfreien Montags. Geht es nach „Abfangjäger“ Heldt, kann der Ex-Profi seine verunsicherte Mannschaft auch völlig ungestört von Sorgen um seinen eigenen Arbeitsplatz auf das Duell mit den Bayern einschwören: „Es gibt keine Trainer-Diskussion. Jens Keller ist und bliebt unsere Trainer.“

SID

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