Heidel übernimmt direkt Wort und Verantwortung

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Christian Heidel in Gelsenkirchen vor einem Bild der Schalker Legende Stan Libuda.

Gelsenkirchen - Es hatte schon einige bemerkenswerte Sätze von Christian Heidel an diesem Nachmittag auf Schalke gegeben, als noch ein ganz besonders bemerkenswerter fiel: Just in dem Moment, in dem Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ansetzte, eine an ihn gerichtete Frage zu beantworten, preschte der neue Schalker Manager dazwischen und sagte: „Das muss ich mal reingrätschen.“

Und gab die Antwort anstelle von Tönnies. Was früher beim machtbewussten Aufsichtsratschef wohl für Schnappatmung gesorgt hätte, wurde nun mit wohlwollendem Nicken begleitet. Zumal es bei der Frage auch um den versteckten Vorwurf ging, dass Tönnies die Verpflichtung von Heidel als neuen Sportvorstand auf Schalke früher als verabredet öffentlich gemacht hatte.

„Es kam in Mainz raus, nicht auf Schalke. Der Vorwurf muss also an meine Person gehen“, sagte der 52-Jährige Heidel – und übernahm so nicht nur das Wort, sondern auch die Verantwortung. Und Tönnies soufflierte: „Er ist der neue starke Mann auf Schalke.“

Glaubt man den Aussagen der handelnden Personen, so wird künftig auf Schalke ganz offenbar ein neuer Wind wehen. „Das operative Geschäft ist Aufgabe des Vorstandes. Ansonsten wäre ich nicht gekommen“, beschreibt Heidel ganz klar die Bedingungen, die er innerhalb der fast neunmonatigen Gespräche mit Tönnies diktiert hatte. Und die dieser akzeptiert: „Was wir brauchen, ist eine klare Richtung. Und die gibt ab jetzt Christian Heidel vor. Und alle müssen sich danach richten.“

Wobei Tönnies die Betonung ganz eindeutig auf das Wörtchen „alle“ legte. Heidel versuchte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Schalker Sportvorstand auch zu erklären, warum er den „wohl sichersten Arbeitsplatz im deutschen Fußball“ als Manager vom FSV Mainz 05 nach 24-jähriger Amtszeit aufgab, um im chronisch aufgeregten Schalke anzuheuern. „Etwas Langweiliges interessiert mich nicht. Und Schalke ist schwierig“, so Heidel, der während der Gespräche mit Tönnies den Eindruck gewann, „dass ich hier etwas bewegen kann“.

Dabei will Heidel „das große Ganze“ sehen und „über den Tellerrand des Transfergeschäftes hinweg schauen“. „Es muss ein klares Konzept und eine Vereinsphilosophie geben – unabhängig von den handelnden Personen“, sagt Heidel: „Schalke hat eine Strahlkraft, eine Power, die wir in eine Spur bringen wollen und nicht in zehn verschiedene. Wenn es gelingt, diese Kräfte zu bündeln, dann wird dieser Verein nur schwer aufzuhalten sein.“

Dass er nach den gefühlt 47 Neuanfängen auf Schalke in den vergangenen Jahren auch auf große Skepsis stoßen würde, war Heidel nach eigener Aussage bewusst: „Aber ich freue mich sogar, dass viele Skeptiker da sind, denn das stachelt meinen Ehrgeiz noch einmal an.“

Mit welchem Trainer er diese herkulische Aufgabe angehen wird, verriet Heidel noch nicht. Alles deutet weiterhin auf die Verpflichtung von Augsburgs Coach Markus Weinzierl hin, die bislang an der Ablöse-Forderung der Schwaben scheiterte. Doch der neue Schalker Manager schloss auch andere Alternativen nicht aus: „Ich würde meinen Job nicht gut machen, wenn ich mich auf eine einzige Personalie konzentrieren würde.“

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