Teure "Angsthasen"

Schalke zwischen Wut und Ratlosigkeit

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Schalke kassierte in der Champions League eine herbe 0:5-Klatsche gegen Chelsea.

Gelsenkirchen - Nach dem indiskutablen 0:5 gegen den FC Chelsea droht Schalke 04 das frühe Aus in der Champions League. Auf der Suche nach den Gründen werden die Verantwortlichen zunehmend ratlos.

Nach einer der dunkelsten Europapokal-Stunden der Vereinsgeschichte schwankten die Verantwortlichen von Schalke 04 zwischen Wut und Ratlosigkeit. Trainer Roberto Di Matteo wunderte sich nach dem 0:5 (0:3)-Debakel in der Champions League gegen den FC Chelsea, worauf er sich bei den Königsblauen eingelassen hat. Und Sportvorstand Horst Heldt attackierte frustriert die „Angsthasen“, die er selbst verpflichtete.

„Ich bin ein bisschen überrascht“, gab Di Matteo nach dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub zu. „Ich habe wirklich gedacht, dass wir eine andere Mannschaftsleistung zeigen würden.“ Doch von neuem Selbstbewusstsein nach dem 3:2-Befreiungsschlag gegen den VfL Wolfsburg war ebenso wenig zu sehen wie von taktischer Ordnung. Nach dem Überraschungscoup in der Bundesliga mit der Umstellung auf eine Fünfer-Abwehrkette hatte der Italiener seine Spieler mit einem erneuten Systemwechsel offenbar überfordert.

Während Di Matteo nach der „enttäuschenden Nacht“ beim Rendezvous mit seiner alten Liebe seine Worte noch vorsichtig wählte, ließ Manager Heldt „dem Frust freien Lauf“. Eine „blamable Leistung“ attestierte der Sportvorstand seinem Team, sprach von „Angsthasenfußball“ und resümierte: „Wir haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.“

Acht der elf Spieler, die von der ersten Minute an Chelsea hoffnungslos unterlegen waren, hatte Heldt in den vergangenen dreieinhalb Jahren selbst unter Vertrag genommen. Die überteuerte Mannschaft, die mehr als 90 Millionen Euro Jahresgehalt kassiert, steht nicht nur vor dem Champions-League-Aus schon nach der Gruppenphase. Mit einer weiteren Pleite beim Vorrundenabschluss am 10. Dezember beim krassen Außenseiter NK Maribor könnten die Großverdiener um Kevin-Prince Boateng sogar ganz aus dem Europapokal herausfallen.

Ex-Spieler attackiert Heldt

„Wir müssen schon einen abkriegen, das haben wir nicht anders verdient“, meinte Heldt. Die schärfste Attacke kam aus den USA: „Ich sage nur: Horst Heldt, wen machst du jetzt verantwortlich? Es ist schlimm, dass jemand einen Klub so ruinieren kann“, twitterte der Ex-Schalker Jermaine Jones, der im Januar im Streit den Klub verlassen hatte. Wenig später löschte der US-Nationalspieler, der seine Karriere beim MLS-Team New England Revolution ausklingen lässt, den Eintrag.

Heldt wollte den Angriff aus Übersee nicht kommentieren: „Das ist nicht mein Niveau.“ Die Kritik an der Arbeit des Ex-Nationalspielers war aber schon in den vergangenen Wochen lauter geworden. Mit dem Rauswurf von Jens Keller hatte er seinen einstigen Wunschtrainer dafür verantwortlich gemacht, dass die teure Mannschaft den hohen Ansprüchen hinterherhinkte. Mit dem Wechsel zum Champions-League-Sieger Di Matteo hat sich wenig geändert: 13 Gegentore in den letzten vier Spielen sind das Ergebnis der Bemühungen des Italieners, die Defensivprobleme zu lösen.

Gegen Chelsea dauerte es keine 90 Sekunden, bis John Terry die erneut umformierte Schalker Abwehr erstmals überwunden hatte. Willian (29.), der völlig indisponierte Jan Kirchhoff mit einem Eigentor (44.) sowie die eingewechselten Didier Drogba (76.) und Ramires (78.) erledigten den Rest.

SID

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