Nach Sané-Wechsel zu ManCity

Kommentar: Ein Grat so schmal wie die Toraus-Linie

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Leroy Sané verlässt Schalle 04 Richtung Manchester City.

Hamm - Der Transfer von Schalke 04 zu Manchester City zeigt, wie befremdlich die aktuelle Lage im Fußball ist. Selbst vermeintliche gefühlsduseligen Claims dienen nur noch der Vermarktung. Kommentar.

Als Leroy Sané in der vergangenen Woche doch noch überraschend zum Training des FC Schalke 04 erschien, keimte bei dem ein oder anderen Fan die Hoffnung auf, dass der hoch veranlagte Kicker doch noch ein weiteres Jahr das Schalker Trikot tragen würde. Allerdings war hier eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

Die Schalker Fans hatten sich bereits seit Monaten darauf eingestellt, dass Sané den Klub nach dieser Saison verlassen wird. Sie haben es fast schon als Automatismus und wirtschaftliche Notwendigkeit angesehen. Das ist einerseits bewundernswert pragmatisch. Andererseits auch sehr traurig.

Mit dem Spektakelfußballer Sané wird die Liga eine ihrer Attraktionen verlieren – und der FC Schalke 04 ein großes Versprechen in die Zukunft. Die Summe, die für den 20-Jährigen bezahlt wird, der gerade einmal 47 Bundesliga-Spiele absolviert hat, ist allerdings fast schon surreal. Aber in heutigen Zeiten fast schon normal, werden nun einige einwerfen.

Wirklich? Kann man diese Ablösesummen tatsächlich als normal einschätzen?

Ablösesummen nicht mehr zu vermitteln

Der Profi-Fußball wandelt derzeit auf einem Grat, der nicht breiter als eine Toraus-Linie ist. Die Gelder, die in dieser Branche mittlerweile fließen, sind so exorbitant hoch, dass sie einem Normal-Bürger nicht mehr zu vermitteln sind. Und eben jene Normal-Bürger sind es, die den Volkssport Fußball so groß gemacht haben – durch den Kauf von Merchandise-Artikeln, Eintrittskarten und vor allem Pay-TV-Abonnements. Viele Fans dürften die Ablöse-Summen und Gehälter, die letztlich sie finanziert haben, für sehr befremdlich halten. Der Fußball droht genau jene Basis zu verlieren, auf der er sein Fundament gebaut hat. Da helfen auch keine gefühlsduseligen Claims wie „Wir leben dich“ oder „Echte Liebe“. Sie sind lediglich eine romantische Illusion und dienen vor allem der besseren Vermarktung.

Das sind die teuersten Neuzugänge der Vereinsgeschichte

Das Augenmaß zu behalten, fällt angesichts der milliardenschweren TV-Verträge in England und Deutschland zugegebenermaßen schwer. Hoffnung machen Aussagen wie die von BVB-Trainer Thomas Tuchel, der sich zuletzt äußerst skeptisch geäußert hatte: „Die Preise sind außer Kontrolle und fernab jeglicher Vernunft.“

Ob solche selbstkritischen Analysen das Aufblähen der großen Blase aber verhindern können, ist mehr als fraglich. Denn auch ein Thomas Tuchel, dessen Jahresgehalt bei vier Millionen Euro liegen soll, ist Teil dieses Spiels, das einem immer fremder werden kann. Zur Erinnerung: Der BVB hat in diesem Sommer gut 110 Millionen Euro durch Verkäufe eingenommen. Und 120 Millionen in neue Spieler investiert.

Jens Greinke

Ticker zum Schalke-Trainingslager in Mittersill

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