Kommentar zum Trainer-Wechsel

Keller hat Mannschaft nicht in den Griff bekommen

Die Überraschung hielt sich in engen Grenzen, als der FC Schalke 04 die Beurlaubung von Jens Keller bekannt gab. Wer die Blauweißen in den letzten Wochen hatte spielen sehen, musste annehmen, dass sich die eh schon schwache Einflussnahme dieses Trainers auf die Mannschaft von Tag zu Tag weiter verringert.

Von Jens Greinke

Redakteur Jens Greinke begleitet seit vielen Jahren für unsere Sportredaktion den FC Schalke.

Die These, dass Keller ein Stehaufmännchen sei und in brenzligen Situationen das Ruder immer wieder herumreißen würde, war ebenso falsch wie die Annahme, dass der 43-Jährige in das Profil dieses chronisch nervösen Klubs passen würde. Denn es waren die Spieler, die aus eigenem Antrieb und sozusagen nach Gutdünken an ihre Leistungsgrenzen gingen, wenn es ihnen gerade beliebte. Bevorzugt gegen so genannte „große Mannschaften“, während sie gegen die „Kleinen“ stets scheinbar mysteriöse Einbrüche erlebten. So gesehen waren sie die Stehaufmännchen – und nicht der Trainer.

Keller hat es nicht geschafft, diese mit schwierigen Charakteren gespickte Mannschaft in den Griff zu bekommen und ihr konstante Leistungen abzufordern. Dass nun Einzelheiten über Cliquen-Bildung und interne Spannungen im Team an die Öffentlichkeit geraten, passt da ebenfalls ins Bild eines recht überforderten und machtlosen Übungsleiters.

Jens Keller: Emotionen eines umstrittenen Trainers

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Aus dem Schalker Umfeld hieß es, dass im Sommer wahrscheinlich eh Schluss gewesen wäre für den ehemaligen B-Jugend-Trainer. Zu dieser These passt das Indiz, dass die Schalker stets vor einer vorzeitigen Vertragsverlängerung zurückschreckten – selbst, nachdem Keller in der vergangenen Saison die erfolgreichste Rückrunde der Vereins absolviert hatte. Auch, als die Schalker zuletzt eine kleine Erfolgsserie mit dem Derbysieg als Höhepunkt hingelegt hatten, wich Horst Heldt entsprechenden Fragen immer wieder aus.

Der Manager selbst war zuletzt ebenfalls immer wieder in die Kritik geraten, hat sich durch die Freistellung von Keller aber nun etwas Luft verschafft. Der 44-Jährige setzt jetzt auf die Trainerkünste eines Roberto Di Matteo, ein Coach von internationaler Reputation und ein völlig anderer Typ als Keller. Dass in den nächsten Wochen ein anderer Wind wehen wird auf Schalke, ist anzunehmen. Und wünschenswert.

Rubriklistenbild: © dpa

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