Eine schier unbegreifliche Pleite

Entsetzen bei Schalke: In sechs Minuten den Sieg verdaddelt

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„Ich nehme die Niederlage auf meine Kappe“: Schalke-Keeper Ralf Fährmann bewies nach der Partie Größe.

Gelsenkirchen-  Ralf Fährmann trat vor die Mikrofone und wartete noch nicht einmal die erste Frage ab. Der Schalker Keeper wusste, was auf ihn zukommen würde nach diesem irrwitzigen Spiel, in dem er keine unwesentliche und vor allem eine tragische Rolle gespielt hatte. Also sagte der 27-Jährige: „Ich kann mich bloß entschuldigen, ich nehme diese Niederlage auf meine Kappe.“

Es war ein sehr ehrenwertes Verhalten des Schalker Schlussmannes, und dass er die Last dieses aus Schalker Sicht extrem trüben Tages auf seine breiten Schultern nahm, zeichnete diesen tadellosen Sportsmann aus. Doch es wäre zu einfach gewesen, die Schuld für diese bizarre 2:3 (2:0)-Niederlage der Schalker allein beim Torwart zu suchen. Viel zu einfach.

Diese Pleite der Knappen war nicht nur in der Konsequenz bitter, sondern sie war einfach unbegreiflich. Denn in der Pause hätten die meisten der 62.271 Zuschauer im Stadion wohl viel Geld auf einen Schalker Sieg gesetzt. 

Atemberaubender Fußball in Halbzeit eins

Der erste Durchgang gehörte zu den besten Darbietungen der Blauweißen in dieser Saison. Das zuletzt so arg in der Kritik stehende Team vom angeschlagenen Cheftrainer André Breitenreiter hatte einen entfesselten, teilweise atemberaubenden Fußball gezeigt und war hochverdient mit einer 2:0-Führung in die Halbzeit marschiert. Zwar hatte Klaas-Jan Huntelaar in der 5. Minute einen durch Ömer Toprak verursachten Foulelfmeter vergeben, als er am listigen Bayer-Keeper Bernd Leno scheiterte. Doch statt des befürchteten Durchhängers folgte eine Demonstration dessen, zu was diese Schalker Mannschaft in der Lage sein kann. 

Brillanter Choupo-Moting

Angetrieben vom brillant aufgelegten Eric Maxim Choupo-Moting, der in der 14. Minute zum 1:0 traf, spielten die Schalker den direkten Tabellenkonkurrenten bis zur Pause immer wieder an die Wand. Der Treffer zum 2:0 war ein wahre Augenweide, als Leroy Sané den Ball zunächst per Hacke auf Max Meyer weiterleitete, dieser sich mit einem Pass zurück auf Sané bedankte, den der 20-Jährige aus 14 Meter zum 2:0 in die Maschen drosch (29.). Beim Pausenpfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark schien Leverkusen so gut wie erledigt.

Schalke unterliegt 2:3 gegen Leverkusen

Abwurf wird zum Bumerang

Dann folgte eine zweite Hälfte, von der Schalkes scheidender Manager nachher sagte, dass er so etwas in „dieser Form noch nie erlebt“ hatte. In der 51. Minute hatte Fährmann einen Schuss von Karim Bellarabi noch an den Pfosten lenken können. Doch als sich Schalkes Keeper drei Minuten später einen schlecht getimten Abwurf gestattete, der sich regelrecht als Bumerang herausstellte, kippte dieses Spiel in einer Art und Weise, wie sie wohl tatsächlich selten zu beobachten ist: Der Ball gelangte zu Bellarabi, der den famosen Julian Brandt bediente, der zum 2:1-Anschluss traf.

Spektakulärer Ausgleich

Nach einem Lattenschuss von Charles Aranguiz (55.) glückte Bellarabi nur wenige Sekunden später ein spektakulärer Treffer, als er aus spitzem Winkel den Ball direkt aufs kurze Eck hämmerte, wo der an sich gut postierte Fährmann das Leder ins eigene Netz lenkte. In der 60. Minute gelang Chicharito dann die 3:2-Führung für Leverkusen, das Spiel war innerhalb von nur sechs Minuten komplett gekippt.

Heldt: „Der Schock ist gerade groß“

„Der Schock ist gerade groß“, sagte Heldt nach dem, Schlusspfiff: „Das müssen wir erst einmal verdauen.“ Statt den Rückstand auf Leverkusen auf drei Zähler zu verkürzen und weiter weiter Hoffnung auf die Teilnahme an der Champions League zu schüren, vergrößerte das Werksteam den Abstand auf Schalke auf neun Punkte. Dazu droht den Blauweißen nun erneut Gefahr von unten: Rechnerisch ist der siebte Tabellenrang, der zur Teilnahme an der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League berechtigen würde, noch nicht gesichert.

Maßlos enttäuscht

Das Schlimmste an diesem Abend aus Schalker Sicht war jedoch die Tatsache, dass die Mannschaft mal wieder maßlos enttäuscht hatte. Da konnte auch der erste Durchgang nicht trösten. „Es bringt nichts, über die erste Halbzeit zu sprechen, wenn man so eine zweite Hälfte abliefert“, sagte ein frustrierter Heldt.

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