Nach Doppel-Rauswurf

Schalkes Manager Heldt immer stärker unter Druck

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Der Druck auf Schalkes Manager Horst Heldt wächst.

Gelsenkirchen - Nach dem Rauswurf von Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam sowie der Suspendierung von Marco Höger gerät bei Schalke 04 auch Sportvorstand Horst Heldt immer mehr unter Druck.

Roberto Di Matteo redete am Mittelkreis gestikulierend auf die Spieler ein, die Fans am Spielfeldrand diskutierten vor allem über Horst Heldt. Am Tag nach dem Rauswurf von Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam bemühten sich bei Schalke 04 Trainer und Mannschaft um Normalität, immer mehr in die Kritik gerät jedoch der Manager.

Nicht nur die Zaungäste beim Training, auch zahlreiche Fans in Internetforen und sozialen Netzwerken haben Sportvorstand Heldt als Schuldigen für die Krise beim abgestürzten Champions-League-Anwärter ausgemacht. Der Tenor: Die Mannschaft, der er immer häufiger Charakterschwäche und falsche Berufsauffassung vorwirft, hat er selbst zusammengestellt.

Heldt spürt, dass der Gegenwind auf Schalke stärker wird. Bislang konnte sich der 45-Jährige auf die Rückendeckung des mächtigen Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies verlassen. Der Fleischfabrikant billigte auch jetzt den doppelten Rauswurf der Großverdiener Boateng und Sam und die vorläufige Suspendierung von Marco Höger ausdrücklich, stellte aber auch klar: „Ich hätte es schon viel eher gemacht.“

Vor sieben Wochen hatte Tönnies noch die Verlängerung des bis 2016 laufenden Vertrages mit dem Ex-Profi angekündigt. Heldt sei „für Schalke gesetzt“, betonte er damals. Jetzt lässt er dessen Zukunft offen: „Ich baue Druck auf und sage: Du bist verantwortlich“, sagte Tönnies und forderte: „Wir müssen die Europa League erreichen.“

Aogo und Neustädter unter Beobachtung

Nach Saisonende werde es ein Gespräch mit dem Sportvorstand geben, „dann setzen wir uns in Ruhe hin und sprechen über die Zukunft“. Ein klares Ja zu einer weiteren Zusammenarbeit vermied er: „Ich stelle ihn nicht infrage, ich spreche ihn aber auch nicht heilig.“

Fakt ist: Heldt hat - nach dem Rauswurf des Trainer-Managers Felix Magath 2011 - die Schalker Mannschaft sukzessive umgebaut. Die Personalkosten wurden nur unwesentlich gesenkt, noch immer liegen die Königsblauen mit einem Gehaltsvolumen von 90 Millionen Euro ganz weit vorne in der Bundesliga. Und die Spieler, die nach dem Absturz in der Rückrunde besonders in der Kritik stehen, hat Heldt selbst verpflichtet und dabei, wie er stets betonte, besonderen Wert „auf Charakter und Mentalität“ gelegt: Neben Boateng und Sam auch Roman Neustädter und Dennis Aogo, die nicht nur bei den Fans unter besonderer Beobachtung stehen. Die Bild berichtete, Trainer Di Matteo habe auch den Rauswurf der beiden Nationalspieler gefordert.

Der Coach selbst steht indes nicht zur Diskussion - trotz der rasanten sportlichen Talfahrt unter seiner Führung. Das kollektive Versagen beim 0:2 am Sonntag in Köln nahm der Italiener auf seine Kappe und wirkte ziemlich ratlos. Sein Team vermittelte zum x-ten Mal den Eindruck, dass es die Vorstellungen des Champions-League-Siegers von 2012 entweder nicht versteht oder nicht umsetzen kann. „Er bleibt unser Trainer, er bekommt die Zeit“, stellte aber Tönnies klar.

SID

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