Jungstar hat sein Spiel verändert

So kämpft Julian Draxler um sein WM-Ticket

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Julian Draxler (r.) gibt alles für ein WM-Ticket.

Gelsenkirchen - Julian Draxler kämpft nach langer Verletzungspause und Formschwäche um sein WM-Ticket. Dafür hat der Jungstar von Schalke 04 sein Spiel umgestellt.

Julian Draxler blickte ernst. Er habe mit Bundestrainer Joachim Löw telefoniert, berichtete der Jungstar von Schalke 04, „er hat mir zu 99 Prozent ein WM-Ticket versprochen“. Der 20-Jährige schaute in die Runde, dann lachte er lauthals los.

Es war nur ein Scherz, aber einer mit ernstem Hintergrund. Denn Draxler kämpft um seine Brasilien-Reise. „Ich will mit aller Macht zur WM“, sagte der Mittelfeldspieler, „ich brenne darauf.“

Draxler läuft mehr - auch ohne Ball

Dem Schalker, der lange als sicherer WM-Fahrer galt, läuft die Zeit davon. Mehr als zwei Monate hatte er wegen eines Sehnenabrisses im linken Oberschenkel tatenlos zuschauen müssen, wie sich seine Konkurrenten in der Nationalmannschaft in Position brachten.

Dann gelang nach seiner Rückkehr zunächst wenig, der Leistungsträger wurde zum Mitläufer. Erst beim 2:0 gegen Eintracht Frankfurt setzte Draxler wieder Akzente, gab fünf Schüsse ab, leistete vier Vorlagen, erzielte sogar ein Tor - das allerdings wegen Abseits wieder zurückgenommen wurde.

Dass der 20-Jährige so schwer Tritt fasste, hatte einen guten Grund: Draxler hat sein Spiel umgestellt, er läuft mehr ohne Ball, arbeitet intensiver nach hinten. „Durch die Umstellung fehlen momentan die genialen Momente in der Offensive etwas“, hat Schalkes Sportvorstand Horst Heldt festgestellt, „aber es ist genau der richtige Weg. Er ist noch jung, und es wird ihn genau dahin führen, wo er hingehört.“

Ratschläge von Löw

Draxler hatte sich während seiner Verletzungspause Gedanken über seinen Spielstil gemacht und dabei auch Anregungen des Bundestrainers aufgenommen. „Ich nehme Verbesserungsvorschläge an und bin dabei, es umzusetzen“, sagte er. Gegen Frankfurt standen bis zur Auswechslung (86.) 10,7 Kilometer Laufleistung und zwölf gelungene Defensivaktionen zu Buche.

Seine Karten bei Löw sollten sich dadurch verbessern, glaubt Heldt: „Der Bundestrainer fordert ja alles ein, und eben auch, dass man nicht nur nach vorne arbeitet. Die Defensive kann Julian helfen, das sieht der Bundestrainer gerne.“

Die Weiterentwicklung ihres Ausnahmetalents sehen auch die Schalker gerne. In der Schlussphase der Saison, in der es um die direkte Qualifikation für die Champions League geht, wäre ein Draxler in starker Form Gold wert.

Am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) beim VfB Stuttgart mit dem Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens fehlt er zwar nach seiner fünften Gelben Karte. Dann bleiben ihm noch die Spiele gegen Borussia Mönchengladbach (27. April) und beim SC Freiburg (3. Mai), um sich bei Löw zu empfehlen. Der Bundestrainer benennt am 8. Mai seinen vorläufigen WM-Kader.

Draxler rechnet damit, dass er zu den etwa 30 Auserwählten gehören wird. „Ich gehe davon aus, dass ich in der Vorbereitung zum Team stoße“, sagte er: „Dann muss ich mich dem Bundestrainer beweisen. Es gibt große Konkurrenz.“ Denn: Versprochen ist noch nichts.

sid

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