Raus aus dem "Keller-Loch"

Schalkes neue Hoffnung heißt Di Matteo

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Roberto di Matteo wurde mit Chelsea 2012 Champions-League-Sieger.

Gelsenkirchen - Schalke 04 hat Trainer Jens Keller (43) freigestellt und den Italo-Schweizer Roberto Di Matteo (44) als neuen Chefcoach verpflichtet. Dieser wird am Mittwoch präsentiert.

Champions-League-Sieger Roberto Di Matteo soll Schalke 04 vom Ballast des schon seit Wochen angezählten Ex-Trainers Jens Keller befreien. Mit dem Italiener als neuem Coach wollen die Königsblauen nach Ende der quälenden Trainerdebatten den weitestgehend verkorksten Saisonstart vergessen machen - in Bundesliga und Champions League retten, was noch zu retten ist.

Heldt: Di Matteo wie, wie man mit Stars umgeht

„Wir möchten einen neuen Impuls setzen und sind der festen Überzeugung, dass Roberto Di Matteo das Team stabilisiert und es schafft, Ruhe reinzubekommen. Wir werden unsere Ziele, die wir uns vor der Saison gesteckt haben, nicht verändern“, sagte Sportvorstand Horst Heldt und nahm nach dem zweiten Trainer-Wechsel der laufenden Bundesliga-Saison nach dem Aus von Mirko Slomka beim Hamburger SV die Mannschaft in die Pflicht: „Jetzt ist jeder einzelne Spieler gefordert.“

Di Matteos geschasstem Vorgänger Keller, der beinahe seine gesamte 22-monatige Amtszeit in der Kritik gestanden hatte, trauten Klub-Boss Clemens Tönnies und Heldt eine Wende nach der 1:2-Pleite drei Tage zuvor bei 1899 Hoffenheim nicht mehr zu. „Es fehlt die notwendige Konstanz. Wir haben nie Stabilität reinbekommen. Daher haben wir uns dazu entschieden, einen Schnitt zu vollziehen“, begründete Heldt das Ende der „Ära Keller“.

Als Heldt die Vorzüge Di Matteos lobte, klangen auf einer am Dienstag kurzfristig einberufenen Pressekonferenz aber auch die Vorwürfe an Keller durch. „Er fordert Disziplin. Di Matteo wird für eine gute Organisation auf dem Platz stehen“, sagte Heldt und fügte an: „Er hat eine Spielphilosophie. Er weiß, wie man mit Stars umgeht. Wir haben nicht nur junge und unerfahrene Spieler.“

Entscheidung fiel bereits am Sonntag

Heldt verdeutlichte, dass der Wechsel aus Vereinssicht angesichts von erst zwei Siegen aus den ersten zehn Pflichtspielen der Saison unvermeidlich gewesen sei: „Die fehlende Stabilität war der ausschlaggebende Punkt. Der Trend war negativ. Wir mussten handeln.“

Die Entscheidung zum Trainerwechsel fiel bereits am Sonntag. Heldt reiste danach nach London und erzielte Einigung mit Di Matteo. Erst am Montag wurde Keller, der am Sonntagabend noch in einem TV-Studio saß und über seine Zukunft bei Schalke sprach, dann seine Freistellung mitgeteilt.

Der neue Chefcoach, der im Herbst 2012 nach dem Champions-League-Triumph mit dem FC Chelsea im „Finale dahoam“ bei Bayern München seinen Posten in London räumen musste und seitdem arbeitslos war, erhielt beim Bundesliga-Elften einen Vertrag bis 2017. Seinen Einstand gibt der 44-Jährige, der am Mittwoch (13.00 Uhr) offiziell vorgestellt wird, am 18. Oktober im Heimspiel gegen Hertha BSC. Am Mittwochmorgen wird Di Matteo der Mannschaft präsentiert, sein erstes Training leitet er am Donnerstag.

Di Matteo der dritte italienische Coach in der Bundesliga

Keller half letztlich auch der allzu rasch verblasste Glanz des Derby-Triumphes gegen Vizemeister Borussia Dortmund (2:1) Ende September nicht mehr, zu enttäuschend war die bisherige Saisonbilanz des 43-Jährigen. Zumal die Schalker, mit denen Keller in der vergangenen Saison durch die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte zum zweiten Mal in Serie die Champions League erreichte, im DFB-Pokal schon in der ersten Runde gescheitert und in der Königsklasse nach den ersten beiden Gruppenspielen noch sieglos sind.

Gleichwohl war Keller die Ausweglosigkeit seiner Situation bis zu seinem Rauswurf nicht 100-prozentig klar. „Ich denke nicht, dass der Verein ohne mich plant. Wir sind immer offen miteinander umgegangen, und ich bin immer noch Trainer“, hatte der Ex-Profi noch 24 Stunden vorher bei Sky90 erklärt.

Für seinen Nachfolger, der schon in der vergangenen Rückrunde als neuer Knappen-Coach und im Sommer auch als Nachfolger von Armin Veh bei Eintracht Frankfurt gehandelt wurde, ist Schalke die vierte Station als Trainer. Der in der Schweiz geborene Ex-Nationalspieler saß vor seinem Engagement bei Chelsea in England auch bei den Milton Keynes Dons sowie West Bromwich Albion auf der Bank.

In der 51-jährigen Bundesliga-Geschichte ist der frühere Mittelfeldspieler nach Giovanni Trapattoni (Bayern München und VfB Stuttgart) sowie Nevio Scala (Borussia Dortmund) der dritte Trainer aus Italien.

sid

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