Clemens Tönnies übersteht Revolte auf Schalke

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Clemens Tönnies wurde nach einem harten Wahlkampf bei der Mitgliederversammlung auf Schalke wiedergewählt.

Gelsenkirchen - Der Umsturz blieb aus, Clemens Tönnies bleibt für mindestens drei weitere Jahre im Amt: Bei der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 wurde der 60-jährige Großmetzger aus Rheda für eine weitere Wahlperiode in den Aufsichtsrat gewählt, dem er seit 1995 angehört und seit 2001 vorsteht.

Damit blieb die von vielen vorher gesagte Revolte aus. Doch die Reaktion bei den 9.447 stimmberechtigten Mitgliedern in der Schalker Arena zeigte, dass sich weiter tiefe Risse durch den Verein ziehen: Die Wiederwahl von Tönnies wurde mit Applaus, aber auch vielen Pfiffen begleitet. 

Damit kommt es nicht zu einem kompletten Neustart auf Schalke. 

Nachdem die sportliche Leitung mit dem neuen Manager Christian Heidel und dem Trainer Markus Weinzierl in diesem Sommer ausgetauscht worden war, zieht hinter den Kulissen weiterhin Clemens Tönnies die Strippen. 

Die beiden neuen Kandidaten, die sich neben Tönnies und Peter Lange ebenfalls um die zwei neu zu besetzenden Posten im Aufsichtsrat beworben hatten, fielen bei der Abstimmung letztlich weit zurück. Während Lange 5.684 und Tönnies 5.367 Stimmen erhielten, fielen die als Tönnies-kritisch geltenden Michael Stallmann (2.565) und Andreas Goßmann (1.680) weit zurück. 

Tönnies beschwört eine neue Zeit

Damit bleiben auch die Machtverhältnisse im Aufsichtsrat unverändert. Als Tönnies gefragt wurde, ob er die Wahl annehme, sagte er: „Was für eine Frage. Natürlich nehme ich die Wahl an.“ Außerdem kündigte er an: „Wenn wir mit diesem neuen Sportvorstand und Trainer die PS auf die Straße bekommen, dann werden wir eine völlig neue Zeit auf Schalke erleben.“ 

Kommentar zur Wiederwahl

Zudem versprach der Großunternehmer: „Ich möchte all meinen Kritikern die Hand reichen.“ Es war einerseits die blasse Vorstellung von Großmann und Stallmann, die bei ihren Vorstellungsreden nicht überzeugen konnten, andererseits auch der taktisch gut geführte Wahlkampf von Tönnies und Lange, die unter dem Strich zu diesem Ergebnis führten. 

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Bereits vor den Wahlen hatte der neue Manager Christian Heidel für Zusammenhalt plädiert: „Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, dann ist Schalke nur ganz schwer aufzuhalten“, hatte der 53-Jährige gesagt, und: „Lasst uns heute zusammen ein Zeichen setzen.“ 

Ein klarer Fingerzeig auf die teilweise unappetitlichen Wendungen, die dieser Wahlkampf vor allem in der vergangenen Woche genommen hatten, als die drei Aufsichtsratsmitglieder Thomas Wiese, Axel Hefer und Dr. Andreas Horn offen gegen Tönnies opponiert hatten.

Spektakuläre Transfer-Karte 

Breel Embolo

Neben der Fürsprache Heidels spielte Tönnies auch wieder eine spektakuläre Transfer-Karte aus: Zu Beginn der Versammlung war die Verpflichtung von Breel Embolo bekannt gegeben worden. Der 19-jährige Schweizer Nationalspieler wird auf Schalke einen Fünfjahres-Vertrag unterschreiben. 

Das Riesentalent vom FC Basel dürfte die Schalker eine Ablösesumme von rund 25 Millionen Euro kosten. „Mit Breel Embolo haben wir einen hochtalentierten und bei vielen europäischen Topvereinen begehrten Angreifer gewinnen können, der bereits über sehr viel internationale Erfahrung verfügt“, freute sich Heidel über den Transfer. 

10.000 Fans bei der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04

Der Schweizer Nationalspieler war auch bei der Europameisterschaft in Frankreich im Einsatz. Er kam in allen vier Partien der Eidgenossen zum Einsatz. Bislang bestritt der 1,85 Meter große Stürmer 14 Länderspiele (ein Tor). 

Tönnies blickte in seiner Vorstellungsrede vor allem noch einmal auf die Vergangenheit zurück. „Wir haben das geilste Stadion Deutschlands gebaut“, sagte Tönnies. Zudem habe der Klub im vergangenen Jahr die beste Bilanz der Vereinsgeschichte erzielt. „Parallel zum Schuldenabbau – ich habe intensiv eingegriffen in der Krise – bauen wir gerade das beste und modernste Trainingszentrum. Darauf bin ich stolz“, so Tönnies weiter. 

Auf die Frage, warum er sich noch einmal zur Wahl stelle, sagte der 60-Jährige: „Ich liebe Schalke über alles, das ist der Grund, warum ich weitermachen will. Ich will mit dem Vorstand den FC Schalke weiter entwickeln und ihm den Rücken freihalten. Und uns um die kümmern, die in der Tabelle vor uns stehen und nicht hinter uns.“

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