Champions League

Schalker Analyse nach Lissabon-Pleite schwierig

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LISSABON - Tobias Hellwig, Videoanalyst des FC Schalke 04, marschierte strammen Schrittes durch die Katakomben des Estádio José Alvalade. In der Hand jene Kamera, die recht belastungsfähiges Beweismaterial abgespeichert hatte, nach dem die Mannschaft nach Ansicht ihres Trainers Roberto Di Matteo „ein paar Fehler gemacht hatte, die uns einiges gekostet haben“.

Von Jens Greinke

Wohl wahr. Die Stimmung beim FC Schalke 04 hielt sich nach diesem seltsam zustande gekommenen 2:4 (1:1) bei Sporting Lissabon in argen Grenzen. Anstatt die Riesenchance zu nutzen, durch einen Sieg den Einzug ins Achtelfinale der Champions League so gut wie sicher zu zementieren, manövrierten sich die Gelsenkirchener in eine recht unangenehme Situation.

Zwar haben sie es als Tabellenzweiter der Gruppe G weiterhin in eigener Hand, die K.o.-Runde aus eigener Kraft zu erreichen. Doch dass enorme Anstrengungen in den verbleibenden beiden Vorrunden-Spielen gegen Tabellenführer FC Chelsea und bei NK Maribor nötig sein werden, war jedem im Schalker Lager bewusst. „Wir müssen jetzt versuchen, möglichst viele Punkte aus diesen Spielen zu holen“, sagte Di Matteo, während Schalkes Manager Horst Heldt kurz darauf vollkommen korrekt und mit fast hörbarem Zähneknirschen anfügte: „Es bleibt spannend.“ Dem 44-Jährigen war anzumerken, dass er auf diese Art des Nervenkitzels gerne verzichtet hätte.

Die Analyse der Partie in Lissabon fiel schwer. Die Schalker hatten durch das recht frühe Eigentor von Islam Slimani nach einem Freistoß durch Dennis Aogo (17.) eigentlich die perfekte Basis für den erwünschten Auswärtssieg geschaffen. Warum am Ende eine 2:4-Pleite gegen die Portugiesen stand, war für Heldt „eine sehr berechtigte Frage“. Sowohl der Manager als auch der Trainer wiesen in ihren Ausführungen immer wieder auf „spielentscheidende Situationen“ hin, die ihrer Meinung nach letztlich zu diesem aus Schalker Sicht unerfreulichen Ergebnis geführt hatten. Dazu gehörten die vergebenen Großchancen von Max Meyer (36.) zur 2:1-Führung und Chinedu Obasi (66.) zum 2:2-Ausgleich – aber vor allem die Gegentore zwei und drei durch Jefferson (52.) und Nani (74.), die durch ein erschreckend nachlässiges Schalker Defensiv-Verhalten ermöglicht wurden.

Bilder vom Spiel in Lissabon:

FC Schalke verliert bei Sporting Lissabon mit 4:2

„Der zweite und dritte Gegentreffer waren unnötig, da haben es die Portugiesen viel zu einfach gehabt“, so Heldt. Vor allem beim dritten Gegentor sprach Heldt Klartext bezüglich der recht wenig erbauenden Leistung von Außenverteidiger Christian Fuchs: „Da muss er sich besser verhalten“, meinte Heldt – übrigens just in jenem Moment, als der österreichische Nationalspieler hinter seinem Rücken in Richtung Mannschaftsbus stiefelte. Fuchs war in besagter Situation dem auf dem rechten Flügel davon eilenden Andre Carrillo wie ein treuer Knappe hinterher getrabt, ohne ihn maßgeblich an der unheilbringenden Flanke auf Nani zu hindern.

Heldt monierte zudem, „dass wir drei Situationen hatten, in denen wir auch über Elfmeter für uns hätten reden können“. Doch angesichts der Tatsache, dass die Schalker im Hinspiel durch einen ungerechtfertigten Strafstoß in der Nachspielzeit den 4:3-Sieg sicher gestellt hatten, verwies der Manager lieber auf ein Zitat des 2013 gescheiterten SPD-Kanzlerkandidates Peer Steinbrück: „Hätte, hätte, Fahrradkette“.

Klaas-Jan Huntelaar, der im vierten Champions-League-Spiel der Saison erstmals ohne Torerfolg blieb, war letztlich ziemlich bedient: „Wir sind derzeit fußballerisch nicht in der Lage, viel Druck auf unsere Gegner auszuüben.“ Der 31-Jährige, der auch in Lissabon wieder mit vorbildlichem Laufeinsatz bewies, dass die Verteidigung am besten im Angriff beginnen sollte, gleichzeitig aber selten verwertbare Bälle erhielt, sagte schließlich schmallippig: „Es war heute sicherlich ein schweres Spiel für mich.“ Wohl wahr.

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