Blauweiß auf halbmast: Lage auf Schalke langsam prekär

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Gelsenkirchen - Es war ein bezeichnendes Bild, wie das Schalker Vereinsmaskottchen Erwin durch die Katakomben der Veltins-Arena schlich: mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf, gerade so, als würde die dicke Knollennase der Erdanziehungskraft nicht mehr standhalten können.

Vier Spieltage nach Beginn der Bundesliga-Saison 2016/17 befand sich nicht nur die Körperhaltung von Erwin auf halbmast. Der ganze Verein ist vorerst in seinen Grundfesten erschüttert.

„Fassungslos bin ich nicht“, meinte zwar der neue Sportvorstand Christian Heidel nach der vierten Niederlage im vierten Saisonspiel, dieses Mal hatte es sich um ein 1:3 (1:1) gegen den 1. FC Köln gehandelt. Aber Heidel umschrieb seine Gefühlslage dennoch dramatisch: „Tiefe Enttäuschung trifft es eher.“

Diese macht sich langsam auch auf den Schalker Rängen breit. Wurde das neuformierte Team bislang bedingungslos unterstützt, waren am Mittwochabend erste Pfiffe zu hören. Der bislang so loyalen Anhängerschaft scheint so langsam der Geduldsfaden zu reißen. „Ich verstehe, dass die Zuschauer enttäuscht sind. Da geht es uns doch genauso“, sagte Heidel, der sich aber sicher ist: „Die Zuschauer haben auch gespürt, dass die Mannschaft alles versucht.“ Nun gehe es vor allem darum zu wissen: „Wir kommen da nur gemeinsam raus.“

Ratlosigkeit pur! Bilder der Schalker Pleite gegen Köln

Tatsächlich dürfte es extrem kontraproduktiv sein, wenn sich die Anhängerschaft nun vom Team abwendet würde. Bereits gegen Köln war eine große Verunsicherung im Team zu spüren, nervöse Zuckungen auf den Rängen dürften da nicht förderlich sein. Es wird auch so schon eine Mammutaufgabe für Trainer Markus Weinzierl sein, der Mannschaft bis zum nächsten Spiel am Sonntag bei 1899 Hoffenheim neues Selbstbewusstsein einzuimpfen.

Entscheidend wird auch sein, wie das mediale Umfeld des Vereins reagiert, das sich bislang erstaunlich gelassen gezeigt hat. „Wenn hier negativ berichtet wird, dann ist es so. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen“, so Routinier Sascha Riether, der sich noch unter der Dusche gefragt hatte, ob er so einen Saisonstart schon einmal erlebt habe. Mit der Erkenntnis: „Ich kann mich nicht daran erinnern.“

Auf die Frage, welche Lösungsansätze er nun sehe, sagte Heidel: „Weiter arbeiten. Es gibt nichts anderes. Wir müssen trainieren, damit die Automatismen kommen.“ Dazu hat Weinzierl angesichts der Englischen Wochen nur wenig Zeit. Der Partie in Hoffenheim am Sonntag folgt am kommenden Donnerstag in der Arena das Europa-League-Spiel gegen RB Salzburg ehe am Sonntag darauf die Borussia aus Mönchengladbach anreist. Die Tage dazwischen will Weinzierl auch dazu nutzen, „die Jungs wieder aufzubauen.“

Die Hauptarbeit liegt weiterhin in der Offensive an. Zwar glückte den Königsblauen gegen Köln mit der 1:0-Führung durch Klaas-Jan Huntelaar (36.) der erste Saisontreffer, doch fehlte im Angriff weiterhin die Durchschlagskraft und das ein oder andere Mal auch das Quäntchen Glück. Wie in der Szene in der 80. Minute, als Breel Embolo den Ball noch einmal quer auf Huntelaar schob, anstatt selbst aus kurzer Distanz zum möglichen 2:2 zu verwandeln.

Bei den Kölnern hingegen war laut Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes „fast jeder Schuss ein Treffer“. Yuya Osako hatte nur wenige Sekunden nach dem 1:0 für Schalke den Ausgleich erzielt (38.), ehe Anthony Modeste (77.) und Simon Zoller (83.) ebenfalls trafen – jeweils mit teils äußerst freundlicher Unterstützung der Schalker Hintermannschaft. Auch Ralf Fährmann, Schalkes formidabler und meist gut gelaunter Schlussmann, steuert mittlerweile offenbar auf ein schweres Stimmungstief zu. Sascha Riether verriet aus der Kabine: „Ich habe vorhin mit dem Ralle gesprochen. Der sagte: .Letzte Saison musste ich so viele Bälle halten und im Moment geht irgendwie jeder rein’.“

Wie schnell eine Mannschaft in eine Negativ-Spirale geraten kann, hatte Schalkes Erzrivale Borussia Dortmund in der vorletzten Saison gezeigt, der am 18. Spieltag sogar auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht war. Am Ende reichte es immerhin noch zur Qualifikation zur Europa League für den BVB. Höwedes erinnert in diesem Zusammenhang lieber an Mönchengladbach, das in der vergangenen Saison sogar mit fünf Niederlagen in Folge gestartet war.

„Gladbach hat in der vergangenen Saison in einer ähnlichen Situation gesteckt, als sie schwach begonnen haben und noch bis in die Champions League gekommen sind. Das zeigt uns zumindest, dass man den Bock gut umstoßen kann“, so der 28-Jährige. Was Höwedes nicht erwähnte: Bei der Borussia nahm damals Cheftrainer Lucien Favre seinen Hut. Dass in dieser Hinsicht in den kommenden Tagen auf Schalke etwas passieren wird, gilt bislang noch als ausgeschlossen.

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