Enttäuschung, aber auch Zuversicht

Applaus trotz Fehlstart: Schalke zeigt sein neues Gesicht

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Leon Goretzka (l.) hofft, dass es nach dem engagierten Schalker Auftritt gegen den FC Bayern 'Klick' gemacht hat.

Gelsenkirchen - Bei Schalke 04 herrscht nach der Niederlage gegen Bayern Enttäuschung - aber auch Zuversicht. Das Team zeigt, wie es künftig auftreten soll. Die Fans honorieren es schon jetzt.

Gelsenkirchen - Der Lautstärkepegel in der Arena war enorm. „Kennst du den Mythos vom Schalker Markt“, sangen die Fans in der Nordkurve, um die Mannschaft zu feiern. Sich für das zuvor Geleistete gegen den FC Bayern zu bedanken. „Wenn einer in diesem Moment gekommen wäre, hätte er geglaubt, wir hätten das Spiel gewonnen“, beschrieb Sportvorstand Christian Heidel die Situation nach dem Schlusspfiff. Dabei hatte S04 soeben 0:2 gegen München verloren. Null Punkte nach zwei Partien. Der Fehlstart war perfekt.

Umso erstaunlicher war die Stimmung auf den Rängen. Da musste selbst der Manager staunen. „Das habe ich in der Art selten erlebt“, erklärte Heidel. Leon Goretzka meinte: „Das war brutal geil.“ Statt wegen der unglücklichen Pleite geknickt zu sein, „hauen die da noch einmal den ‚Mythos‘ raus, das war Gänsehaut pur.“

Der Anhang der Königsblauen reagiere eben sehr empfindlich auf das, „was die Mannschaft da unten abliefert“, so Heidel. Und das war eben durchweg positiv. Die Königsblauen haben bewiesen, dass sie entwicklungsfähig sind und demonstriert, wohin die Reise unter dem neuen Chefcoach Markus Weinzierl gehen soll.

"Schalke war in der ersten Halbzeit besser"

"In der ersten Halbzeit hat man denen in die Augen geschaut, und die wussten auch nicht so richtig, was los ist“, schilderte Goretzka seine Eindrücke der Münchner. „Es hat schon ein bisschen Spaß gemacht, diese Jungs so in Bedrängnis zu bringen.“ Selbst FCB-Coach Carlo Ancelotti meinte: „Schalke war in der ersten Hälfte besser.“

Doch weil die bayerische Ballbesitz-Maschine samt ihrer Zirkulationen noch einmal Fahrt aufgenommen hatte, sorgten Robert Lewandowski (81.) und Joshua Kimmich (90.+2) dafür, dass S04 trotz der engagierten Leistung mit leeren Händen da stand. „Dann waren wir in der einen oder anderen Situation vom Kopf her ein bisschen müde und haben zwei, drei Meter zu wenig gemacht“, meinte Goretzka.

Doch die Tatsache, wie sich Schalke präsentierte, stimmt zuversichtlich. „Wir waren nicht schlechter und haben Bayern München vor viele Aufgaben gestellt“, sagte Weinzierl. Heidel stellte fest: „Die Mannschaft hat ein Gefühl dafür bekommen, dass es Spaß machen kann zu verteidigen.“ Vor allem, wenn „man in die Zweikämpfe kommt und die Wege nicht umsonst laufen muss“, erläuterte Goretzka. Er habe aber schon vorher gewusst, dass diese Tatsache Freude bereiten kann und hofft, „dass es bei uns jetzt ‚Klick‘ gemacht hat. Wir haben sehr sehr gut gegen den Ball verteidigt über weite Strecken. Jetzt müssen wir da hin kommen, dass wir das über 90 Minuten und in jeder Situation hinkriegen.“

Weinzierl zuversichtlich

Den Weg dorthin ist eingeschlagen. Auch, weil Weinzierl und Heidel tatsächlich den richtigen Menatlitäts-Mix gefunden haben. Der Coach ging das Risiko und veränderte seine Mannschaft im Vergleich zur Partie in Frankfurt auf sechs Positionen, fünf Neuzugänge standen in der Startelf. Auch wenn bislang selten alle auf dem Trainingsplatz gestanden hatten: Das Gefüge schien stimmig. Jeder hat wohl begriffen, was von ihnen verlangt wird: alles für die Mannschaft zu geben.

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Die Tatsache, dass Klaas-Jan Huntelaar vor seinem Lattenknaller (56.) nicht auf den frei stehenden Breel Embolo weitergeleitet hatte, passte bei einigen Beobachtern in diesem Zusammenhang nicht so recht ins Bild. Doch es mag nur ein winziges Haar in der Suppe sein, denn: „Wir haben heute das Schalke gesehen, was wir abgeben wollen“, sagte Kapitän Bededikt Höwedes. „Genauso“, erklärte der Coach, „müssen wir in den kommenden Partien agieren, dann werden wir auch punkten.“ Die Fans werden es mit einem entsprechenden Lautstärkepegel honorieren.

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