Dabei verläuft die Vorbereitung auf die Titelkämpfe in Halle/Saale alles andere als gut. Bei der Anreise verunglückt der Bulli, mit dem auch Dihrs Stäbe transportiert werden.
Die Anfahrt ist chaotisch: Neun Stunden hat die Gruppe am Freitag gebraucht, um nach Halle zu kommen. 20 Kilometer vor dem Ziel passiert der Unfall. Carolin Dihr: „Am nächsten Morgen mussten wir erstmal hin, um unsere Stäbe zu holen.“ Gottlob sind keine Verletzten zu beklagen, und auch die Sportgeräte bleiben unversehrt.
„Ich war trotzdem richtig geschockt, wollte erst eigentlich nur noch ,just for fun’ springen“, sagt Carolin Dihr, die doch noch das richtige Wettkampfgefühl bekommt. „Beim Einspringen war dann alles okay“, erzählt die angehende Chemielaborantin, und so steigt sie – wie geplant – bei 3,45 Meter in den Wettbewerb ein. Die Höhe meistert sie locker im ersten Versuch. Bei 3,50 Meter hat sie „einen kleinen Hänger, deshalb schaffe ich die auch erst im zweiten Versuch.“
Doch die 3,60 und die bisherige Bestmarke von 3,70 knackt sie wieder im ersten Versuch. Und auch bei 3,80 Meter zeigt sie starke Nerven. Es reicht der erste Versuch: „Und da bin ich richtig hoch drüber“, erzählt sie. Zu diesem Zeitpunkt sind nur noch fünf Springerinnen im Wettbewerb.
Die spätere Meisterin, Franziska Kappes (Leverkusen) braucht für 3,90 Meter den zweiten Versuch, die drei anderen schaffen es im ersten. Carolin Dihr reißt dreimal, „aber die Höhe wäre schon drin gewesen“, sagt sie. Problem: „Beim zweiten Sprung ist der Stab zu weich geworden. Das gibt nur Weite, keine Höhe, und deshalb musste ich beim dritten Versuch einen härteren nehmen.“
„Trotzdem, mit dem Wettkampf bin ich zufrieden. Die Dreiachtzig kommen genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt sie – und sieht auch ihr Saisonziel, die vier Meter, als realistisch an. „Springen würde ich die gerne schon vor der Deutschen Meisterschaft“, sagt sie. Diese findet im Juli in Rostock statt. „Es wäre schön, wenn ich die dann drin habe. Das gibt Sicherheit. Dann könnte ich mich vielleicht sogar noch ein bisschen steigern“, hofft sie.
Das nötige Rüstzeug holt sie sich inzwischen ausschließlich in Dormagen bei Techniktrainer Michael Kühnke. Eine Trainingsweltmeisterin ist sie aber nicht: „Ich bin eher der Wettkampftyp, brauche davon so viele wie möglich.“ Ab Mai geht es draußen damit los.
Ihre Mehrkampfambitionen stehen hinten an. Disziplinen wie der Speerwurf trainiert sie kaum noch. „Das mache ich dann eher spontan. Dafür habe ich eigentlich auch keine Zeit.“
Deutsche Meisterschaft U20, Stabhochsprung (Frauen), Endstand: 1. Franziska Kappes (Leverkusen) 4,00; 2. Desiree Singh (Lippe-Süd) 4,00; 3. Friedelinde Petershofen (Oldenburg) 3,90; 4. Ria Möllers (Melle) 3,90; 5. Carolin Dihr (LAV Bayer) 3,80 - gu
















