HAMM/NIS ▪ Jiri Hynek lächelt. Nein, sagt der Abwehrspezialist des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, ein normales Spiel sei das beileibe nicht, was ihn erwartet. Wie auch? Es ist schließlich die erste Partie für die tschechische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Serbien.

© Rother
Jiri Hynek. ▪
Dass der Auftaktgegner in der Vorrunden-Gruppe B am Sonntag (17.30 Uhr/ZDF) in Nis ausgerechnet die deutsche Auswahl ist, verleiht der Begegnung eine besonders pikante Note. Schließlich stehen einige Bundesliga-Legionäre in den tschechischen Reihen, darunter der Star des Teams, Filip Jicha vom THW Kiel. Aber eben auch Hynek. „Ja, klar“, sagt der 30-Jährige mit Blick auf die morgige Auseinandersetzung, „das ist für alle, die in Deutschland spielen, etwas Besonderes.“
Immerhin wird es auf dem Parkett das eine oder andere teaminterne Duell geben. Und fast hätte auch Hynek einen alten Bekannten wiedergetroffen. Denn Martin Ziemer, mit dem Hynek gemeinsam für den ASV und die HSG Ahlen-Hamm aktiv war, ehe der Torwart zum HBW Balingen-Weilstetten wechselte, stand zunächst im deutschen Aufgebot, wurde dann aber vor wenigen Tagen aus dem Kader gestrichen. „Schade“, sagt Hynek. „Ich hatte gehofft, dass ‘Calli’ dabei ist. Das wäre eine schöne Sache gewesen.“ Und ein Kontakt zur „Gegenseite“. Den, so der Tscheche, habe er zu anderen deutschen Akteuren nicht.
Bei aller Brisanz – Hynek versucht, den Stellenwert der Begegnung nicht zu hoch zu hängen. „Wir dürfen uns nicht verrückt machen und uns nur auf dieses eine Spiel konzentrieren. Wir treffen danach ja noch auf Schweden und Mazedonien“, sagt der 1,98-Meter-Mann und verweist auf das übergeordnete Ziel: Die Tschechen, Achter der kontinentalen Titelkämpfe vor zwei Jahren, wollen als eines von drei Teams ihrer Gruppe in die Hauptrunde – und dabei möglichst ein paar Pünktchen mitnehmen. Als Basis für ein gutes Abschneiden bei der EM. „Mit dieser Mannschaft“, erklärt Hynek, „ist es vielleicht schon die letzte Chance. Unser Altersschnitt ist ziemlich hoch.“
Seit dem 3. Januar bereitet sich Hynek, der mit dem Wetzlarer Alois Mraz ein Zimmer teilt, mit dem Nationalteam auf die EM vor. Seit Montag ist das Team in Serbien. „Die Stimmung ist super“, sagt Hynek. Daran konnten auch zwei Testspiel-Niederlagen gegen die Gastgeber (23:31, 21:26) in Belgrad nichts ändern, nach denen die Tschechen am Donnerstag weiter nach Nis reisten, dem Austragungsort der Gruppenspiele. Fast wäre die ASV-„Delegation“ in den Reihen des Weltmeisters von 1967 (als Tschechoslowakei) noch ein wenig größer gewesen. Doch Torwart Tomas Mrkva erhielt kein Ticket nach Serbien, zumindest noch nicht. Er steht auf Abruf bereit. „Es hätte mich sehr gefreut, wenn Tomas dabei gewesen wäre. Er hatte ja zuletzt eine sehr gute Form“, sagt Hynek und ergänzt: „Aber der Trainer hat nun einmal so entschieden.“
Regelmäßigen Kontakt haben die beiden Teamkollegen dennoch. Auch zu anderen ASV-Mitspielern pflegt Hynek einen „heißen Draht“, telefonierte jüngst zum Beispiel mit Björn Wiegers. Und der Kapitän schaut auch regelmäßig ins Internet, um sich über den ASV auf dem Laufenden zu halten. „Ich weiß, was los ist“, sagt der 30-Jährige grinsend. „Die Jungs mussten zuletzt viel laufen.“
Die Phase haben die Tschechen hinter sich, Liptak hat die Belastung mittlerweile ein wenig heruntergefahren. Aus gutem Grund. Schließlich wartet am Sonntag ein Spiel. Ein ganz besonderes. ▪ fh



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.