Flagge von Bürgermeister Ruthemeyer

Gina Lückenkemper: Mit dem Soester Schlüssel nach Rio

+
Gina Lückenkemper erhielt von Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer nicht nur die Flagge mit dem Soester Schlüssel, sondern auch ein T-Shirt mit der Soester Skyline.

Soest - Es gibt fürwahr unangenehmere Termine für Eckhard Ruthemeyer. Der Bürgermeister von Soest durfte sich eine halbe Stunde lang sonnen im Glanz einer jungen Frau, die den Namen der Bördestadt in alle Welt tragen wird. So nutzte er die Gelegenheit, Gina Lückenkemper, dem Shooting-Star der deutschen Leichtathletik-Szene, eine Flagge der Stadt mit dem Soester Schlüssel zu überreichen.

„Die können Mama und Papa schwenken, wenn sie in Rio de Janeiro auf der Tribüne sitzen“, so Ruthemeyer, der der wohl aktuell prominentesten Soesterin die besten Wünsche mit auf den Weg gab.

Gina Lückenkemper, seit einer Woche schnellste Frau Deutschlands, nahm die Vorlage beim Termin im Rathaus spontan auf, versprach, dass ihre Eltern schon bei den Deutschen Meisterschaften am übernächsten Wochenende in Kassel einen Probelauf mit der rot-weißen Flagge unternehmen können. Denn die 19-Jährige ist zwar sportlich zur LG Olympia Dortmund gewechselt, hat aber auch auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Brasilien ihre Heimat nicht vergessen.

Entsprechend erleichtert ist die Abiturientin, die nach Olympia Wirtschafts-Psychologie studieren will, dass sie noch ein wenig Zeit zur Entspannung im Zuhause findet. „Als ich aus Regensburg wieder zurück war, habe ich fast nur auf dem Sofa gelegen“, lässt sie augenzwinkernd durchblicken, dass auch Nichtstun dazu gehört auf dem Weg in die Weltspitze der Leichtathletik.

Hier hat die ehemalige LAZ-Sprinterin, die in Welver aufgewachsen ist, zumindest schon einmal angeklopft. Ihre Zeiten von 11,13 Sekunden über 100 Meter beim Kurpfalz-Meeting Ende Mai, ihre 22,67 Sekunden über 200 Meter und die grandiosen 42,00 Sekunden in der Sprintstaffel, beides binnen einer Stunde am Sonntag in Regensburg gelaufen, haben sie an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste katapultiert.

Über 200 Meter Nummer drei in Europa

Auch in Europa ist sie vorn dabei, über die 200 Meter sind nur die Niederländerin Dafne Schippers (22,02) und die Italienerin Libania Grenot (22,56) in diesem Jahr schon schneller gewesen. Gute Aussichten also für die EM in Amsterdam, die Anfang Juli über die Bühne geht und als Generalprobe für Olympia im August gelten darf.

Bis dahin ist viel Training angesagt. Gestern nach dem Termin im Rathaus ging es zum Krafttraining beim LAZ Soest, am Nachmittag weiter nach Dortmund. Das alles fällt ihr jetzt leichter als vor einigen Wochen. Denn der Abistress ging ans Eingemachte. „Das war kein Zuckerschlecken. Da brauchte ich viel Verständnis bei meinem Trainer. Denn auch wenn die Beine ja sagten, hatte der Kopf oft nein gesagt“, plauderte sie im Rathaus aus dem Nähkästchen.

Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer (links) verabschiedete mit Thomas Nübel Gina Lückenkemper.

Jetzt kann sich Gina Lückenkemper ganz auf die Leichtathletik konzentrieren, ist nahezu überwältigt von dem Medienrummel, der nun über sie hereinbricht. War es bislang schwerpunktmäßig der Soester Anzeiger, der über ihren Werdegang berichtete und auch weiter berichten wird, klopfen jetzt Funk und Fernsehen und überregionale Zeitungen an. „Manche Reporter können ganz schön aufdringlich sein“, gesteht sie genervt ein, dass es für die schnellste Frau Deutschlands nicht mehr nur gemütlich zugeht wie in der Börde.

Gina Lückenkemper genießt es aber auch, plötzlich im Rampenlicht zu stehen. „Das kommt schon lässig“, lässt sie ein wenig Stolz erkennen, nun im DLV eine Bestzeit nach der anderen aufgestellt zu haben. Das lässt sie nun auch an den Zuckertöpfen nippen, wenn sie am nächsten Dienstag beim Meeting in Luzern die 200 Meter läuft und dort auf jede Menge 22-Sekunden-Läuferinnen trifft.

Danach geht es nach Kassel, wo sie auch über die halbe Stadionrunde laufen wird und natürlich über die 4x100 Meter mit der Dortmunder Vereinsstaffel. Diese beiden Disziplinen plant sie auch für Rio, wenn sie denn, wovon auszugehen ist, nach den Deutschen Meisterschaften das Ticket erhält. „Alle Deutschen Meister, die die Norm erfüllen, werden nominiert“, bringt sie es auf den Punkt: „In Kassel will ich die 200 Meter rocken!“

Danach steht bei einem Trainingslager in Kienbaum /Brandenburg das Staffel-Training im Mittelpunkt. „Vor Regensburg hatten wir nur einmal die Wechsel geübt, das soll jetzt intensiviert werden“, weiß sie aus Erfahrung, wie wichtig das Zusammenspiel der Laufkolleginnen ist. Denn bei der Junioren-EM in Schweden vor einem Jahr fiel der Stab beim Wechsel zwischen Lisa Meyer und Lückenkemper, der Traum der Soesterin vom zweiten Gold nach dem Sieg über die 200 Meter war dahin.

Keine Angst vor Zika und Doping-Kontrollen

Jetzt reifen bei ihr neue Träume, die sie sich auch nicht durch Schlagzeilen über den Zika-Virus und Doping-Skandale kaputt machen lässt. „Der DOSB hält uns auf dem Laufenden. Wenn dort Bedenken bestünden, würden sie uns nicht fliegen lassen“, hat Lückenkemper keine Furcht vor den Mücken in Brasilien, zumal dort Winter herrsche, wenn die Spiele laufen.

Und in Sachen Doping hat sie ein reines Gewissen: „Die NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur - Anm.d.Red.) überwacht uns konsequent, wir müssen immer mitteilen, was wir gerade machen, und stets bereit sein für eine Doping-Probe. Blöd nur, wenn sie plötzlich auftauchen und man gerade vorher auf der Toilette war.“ Die Soesterin muss sogar aufpassen, was sie sich verschreiben lässt, wenn es im Hals kratzt. „Die Leute in der Soester Apotheke wissen schon, was ich nicht nehmen darf. Da gehe ich kein Risiko ein.“

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare