Die Rakete und der Clown

Snooker-Legenden begeistern 1600 Zuschauer in den Zentralhallen

+
Ronnie O’ Sullivan (rechts) und Steve Davis begeisterten in den Zentralhallen.

Hamm - Fans aus ganz Deutschland pilgerten am Samstag nach Hamm: In den Zentralhallen gaben sich zwei Legenden des Snooker-Sports die Ehre und lochten vor den Augen der bis auf den letzten Platz gefüllten Sparkassen-Arena Kugel um Kugel ein. Dabei überzeugten Ronnie O'Sullivan und Steve Davis, die es zusammen auf elf Weltmeistertitel und 56 Siege bei Weltranglistenturnieren bringen, nicht nur mit präzisem Snooker, sondern auch mit Charme und Humor.

Durch den kurzweiligen Nachmittag führte Rolf Kalb, der seit 1989 die deutsche Stimme des Snookers ist und die Partien für Eurosport kommentiert. In Anspielung auf das Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und dem BVB am Abend begrüßte Kalb das Publikum mit: „Sie können sich glücklich schätzen, beim wichtigsten Sportereignis des Tages live mit dabei zu sein“ – und erntete so den ersten Lacher.

So wie der sechsmalige Weltmeister Davis im April im legendären Crucible Theater in Sheffield nach der Bekanntgabe seines Karriereendes nach 38 Jahren verabschiedet wurde, so wurde er in Hamm begrüßt: mit stehenden Ovationen der gut 1600 Zuschauer. Die feierten auch den Einzug von O'Sullivan, dem wohl populärsten Sportler der Szene, frenetisch.

Snooker: Ronnie O’ Sullivan und Steve Davis in rappelvollen Zentralhallen

Ebenfalls dabei war Michaela Tabb, die Anfang 2015 ihre Karriere als professionelle Schiedsrichterin beendete. Sie hatte 2009 als erste Frau ein WM-Finale geleitet. Unterstützt wurde sie am Tisch vom deutschen Spitzenreferee Theo Selbertinger.

In einem Einlagespiel durfte zudem der frisch gebackene U17-DM-Sieger Umut Dikme gegen sein Idol O'Sullivan antreten. Zunächst lieferten sich die beiden Ballkünstler in vier Runden – im Snooker Frames genannt – einen unterhaltsamen Kampf auf die 15 roten und die sechs andersfarbigen Bälle, an dessen Ende O'Sullivan mit 3:1 führte.

Während „The Rocket“ die Kugeln in unnachahmlicher Manier in den Taschen versenkte, vergaß Davis nicht, für Unterhaltung zu sorgen. Der Altmeister bezog immer wieder das Publikum in die Show mit ein und zeigte kurz vor dem Ende noch einige Trick-Shots.

"Clown" Steve Davis wurde mit stehenden Ovationen begrüßt.

„Steve ist mittlerweile ein bisschen der Clown, denn er ist nicht mehr auf dem Leistungsniveau, auf dem er war, als er in den 1980er Jahren sechs Weltmeistertitel gewonnen hat. Ronny macht die Bälle rein und Steve macht das Ganze drumherum noch ein bisschen lustig. Das ist schon eine gute Kombination“, freute sich Organisator Thomas Cesal, der mit seinem zehnköpfigen Team Snooker-Veranstaltungen in Deutschland organisiert und auch für das jährliche German Masters, das einzige Weltranglistenturnier in Deutschland in Berlin, verantwortlich zeichnet.

Auch für die Zentralhallen, die zum wiederholten Male als Austragungsort dienten, fand Cesal nur lobende Worte: „Die Halle ist einfach genial, weil sie so ein Kessel ist. Wir waren ausverkauft, sodass die Atmosphäre extrem toll war.“ Einzig der straffe Zeitplan ärgerte Cesal ein wenig. „Wir hätten ein bisschen mehr Zeit einplanen müssen. Denn unser Flug nach München ging direkt nach der Veranstaltung. Deshalb mussten wir ganz schön auf die Tube drücken.“ Am nächsten Tag stand schon die nächste Exhibition auf dem Programm, sodass O'Sullivan und Davis nur wenig Zeit für Autogrammwünsche hatten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare