Westfalia Rhynern - SpVg Hamm: Scharmützel auf und neben dem Feld beim Ortsderby

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Erdal Kaleoglu versucht den Schuss von Lennard Kleine abzublocken.

Hamm - 95 Minuten lang hatten sich die Akteure des SV Westfalia Rhynern und der Hammer SpVg mit allen Mitteln bekämpft. Manchmal mit erlaubten, oftmals auch mit unerlaubten, so dass vor allem in der Schlussphase die Emotionen hochkochten, die Spieler sich gegenseitig beschimpften und sogar Fans der Gäste auf das Spielfeld liefen. Und als das torlose Derby der Fußball-Oberliga dann beendet war, setzten die beiden Trainer auf verbale Weise die Scharmützel fort.

Denn HSV-Coach Ferhat Cerci, der gleich drei Spieler verletzungsbedingt auswechseln musste, unterstellte nach der Partie den Akteuren von Rhynern, dass sie bewusst hart agiert hätten. „Eine gewisse Aggressivität gehört beim Fußball dazu, aber das muss im Rahmen bleiben. Einige Dinge waren jedoch mit Absicht. So etwas macht man nicht, das hat mich gestört“, wetterte Cerci. Rhynerns Trainer Björn Mehnert war über diese Aussage empört und meinte: „Es gehört sich nicht, meinen Spielern Absicht zu unterstellen, das ist da absolut fehl am Platze. Aber du bist ein junger Trainer und lernst noch dazu.“

In spielerischer Hinsicht hatte das Derby vor 1212 Zuschauern zuvor nicht viel zu bieten gehabt. Die Gäste aus dem Hammer Osten versuchten immer wieder, die Passwege der Rhyneraner zuzustellen, waren in den Zweikämpfen aggressiv und sorgten durch ihr Umschaltspiel über ihren schnellen Außen Semih Yigit sowie Giacomo Serrone für viel Gefahr. Die beste Chance hatte dabei Hugo Magouhi, der nach einem Freistoß von Yakup Köste freistehend vorbeiköpfte (3.). Doch im Laufe des ersten Durchgangs drückten die Gastgeber der Partie immer mehr den Stempel auf, wurden kombinationssicherer, übernahmen die Kontrolle und kamen in der 19. Minute zur ersten Möglichkeit. Lennard Kleine eilte alleine auf HSV-Torwart Michael Strzys zu, doch anstatt selbst den Abschluss zu suchen, legte er quer auf Mathieu Bengsch, der aber von Dennis Mooy entscheidend gestört wurde. Als dann Salvatore Gambino nach einem Zuspiel von Kleine nur den Außenpfosten getroffen hatte (39.), war dies der Auftakt einer turbulenten Schlussphase des ersten Durchgangs. In der 40. Minute scheiterte erneut Kleine an Strzys, dann brachte Damir Kurtovic im Strafraum Kleine zu Fall (44.). Schiedsrichter Florian Exner aus Beelen entschied sofort auf Foulelfmeter, doch Strzys lenkte den nicht sonderlich platzieren Schuss von Gambino an den Pfosten. Als der HSV-Keeper dann auch noch reaktionsschnell eine Direktabnahme von Bengsch entschärfte (45.), ging es mit einem torlosen Remis in die Pause. „Da hätten wir eigentlich führen müssen. Und wenn wir das 1:0 gemacht hätten, hätten wir nach dem Wechsel mehr Räume gehabt“, meinte Mehnert später, während Cerci das „disziplinierte Spiel“ seines Teams lobte: „Es ist nicht einfach, gegen Rhynern anzutreten. Das ist eine eingespielte Truppe, das muss man neidlos anerkennen. Aber wir waren zweikampfstark und haben wenig Chancen zugelassen.“

Zur Pause musste Cerci dann bereits zum zweiten Mal wechseln. Nachdem in der 37. Minute Serrone verletzungsbedingt das Feld verlassen hatte, kam nach dem Wechsel Tayfun Cakiroglu für den Gelb-Rot gefährdeten Kurtovic – und in der 64. Minute musste auch Amadeus Piontek mit Verdacht auf Nasenbeinbruch vorzeitig in die Kabine. Auf dem Rasen hatten die Akteure derweil komplett den Faden verloren, zumal Fouls fast im Minutentakt jeden Spielfluss unterbanden und das Derby dadurch komplett zerfleddert wurde. „Der Schiedsrichter hat nicht konsequent durchgegriffen. Er hat die Akteure dadurch immer wieder zum Foulspiel eingeladen“, sagte Rhynerns Vorsitzender Arnulf Kleine und meinte vor allem Michael Kaminski und Emre Demir, die nach ihren gelben Karten und jeweils einem weiteren Foulspiel ohne Platzverweise davonkamen.

So schaffte es die Westfalia nicht, an die starken finalen Minuten des ersten Durchgangs anzuknüpfen. Die logische Folge: Die erste hochkarätige Chance nach dem Wechsel hatten die HSVer, als ein verunglückter Schuss von Köse bei Emre Demir hängenblieb, der sich blitzschnell drehte, aber in Westfalia-Torwart Alexander Hahnemann seinen Meister fand (69.). Die Rhyneraner kamen bezeichnenderweise nur noch nach einer Standardsituation zu einer Möglichkeit, als Tim Neumann nach einer Ecke zum Kopfball ansetzte, Dennis Mooy das Leder aber für seinen bereits geschlagenen Torwart von der Linie kratzte (80.). In der Schlussphase kam es sogar noch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Spielern beider Teams, nachdem Hahnemann und Cakiroglu aneinander geraten waren.

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